Samstag, 23. August 2014

Lanspergius - Ohne Übung ermattet der Geist

Zur Erneuerung der Religion oder des geistigen Lebens ist es notwendig, Übungen des Geistes zu halten.
Wenn nämlich dem Geist die Übung fehlt, wenn ihm die Pflege mangelt, dann ermattet und vergeht jeder gute Vorsatz.

Damit aber dieser genährt und erwärmt werde,
tun dem Geiste Übungen not.
Solche sind: mündliches Gebet,
in Gemütsbewegung übergehende Betrachtung,
oder sonst irgendeine Art von Übung,
die den Geist erweckt,
ihn umschmelzt und entflammt,
und dies alles gemäß dem Verständnis,
dem Stande, der Gnade und dem Vermögen
eines jeden einzelne.

Johannes  Justus Lanspergius, Kartäuser in Köln - (1488-1539)


Freitag, 22. August 2014

Lanspergius - Unfromm leben ist kein Laster mehr, sondern Tugend

Lanspergius ging es um die Frömmigkeit. Tief ist er erschüttert von dem Verfall des kirchlichen Lebens. 
Wiederum lässt er Jesus Christus sprechen:

„Wie jammervoll heute die Gestalt der Kirche ist,
wie groß ihre Entstellung, ist allen sichtbar.
Überall liegt die Frömmigkeit darnieder,
allenthalben herrschen die Läster.
Unfromm leben ist kein Laster mehr, sondern Tugend.

Christi Evangelium wird zwar oft im Munde geführt,
im Leben aber erscheint es nirgendwo.
Die Menschen vergehen in ihren Schlechtigkeiten,
die Welt scheint in Brand zu stehen
durch die Bosheit der Menschen.

Was sollen da diejenigen tun, die sich quälen über den
unwiederbringlichen Verlust der Seelen,
die von Schmerz erfüllt sind über die Verachtung Gottes
und die der Eifer für Gottes Haus verzehrt?
Sicherlich keinerlei Versuch zu machen,
aus aller Kraft so großen Übeln sich entgegenstemmen,
das wäre eines Christenmenschen unwürdig.

Diese Überlegung hat mich dahin geführt,
etwas zu unternehmen, um den elenden und
verblendeten Menschen, die sich blindlings
in den Abgrund stürzen, ein Heilmittel darzubieten,
und, wenn auch nicht vielen,
so doch einigen wenigen zu nützen.

Nichts will ich für mich, nichts nehme ich für mich;
aber weil ich Christ bin, muss ich Schmerz empfinden
über den Untergang so vieler Seelen,
über die Not und die Entstellung der
von Tag zu Tag immer mehr
ermattenden Kirche."

Johannes  Justus Lanspergius, Kartäuser in Köln - (1488-1539)



Donnerstag, 21. August 2014

Lanspergius - Seelen gewinnen und zu MIR führen

Von dem ausgesprochenen Gedanken, dass die Orden zwar dem einen Evangelium gemäße, aber doch nur durch die Not der Zeit bedingte Formen der Frömmigkeit darstellen, kommt Landsberg dazu seine aszetischen Gedanken zu einem neuen  „Canon“, einer neuen ,,Regula"  zusammenzustellen. Das soll zwar keine Ordensregel sein, doch zielt das Ganze auf  ein frommes Gemeinschaftsleben hin.
Lanspergius legt weiter dem Heiland in den Mund:

„Wer diese Bruderschaft oder Regel annehmen
und sich ihr gemäß üben will,
der beuge die Knie vor dem Bilde meines Leidens
und bitte, dass er von mir zum Jünger aufgenommen
und von meiner Gnade übergossen und gekräftigt werde
und dass der gute Wille in ihm erstarke,
durch den er sich entschließt,
standhaft und unbeugsam
nach einer von diesen Regeln zu leben.

Er belehre auch andere
und gewinne mir Seelen und führe sie mir zu.
Wenn aber in einem Kloster oder in einer Stadt
mehrere dieses Vorsatzes leben,
so können sie sich gegenseitig in mir
aufmuntern und eine Bruderschaft bilden,
die nicht von den andern sich lostrennt,
sondern durch die Gleichheit des Vorhabens
in der Liebe geeint ist.

Sie sollen aber in diese nicht alle aufnehmen,
nämlich solche nicht, von denen man
nicht hoffen kann, dass ihr Geist standhaft ist
oder ihre andächtige Gesinnung ausharrt,
damit nicht die Leichtfertigkeit und Unbeständigkeit
derjenigen, die sich nicht bestehen,
das übernommene Vorhaben auch auszuführen,
auch das Vorhaben der anderen
schwächen und untergehen lassen."

Johannes  Justus Lanspergius, Kartäuser in Köln - (1488-1539)



Mittwoch, 20. August 2014

Lanspergius - Die Regel des Evangeliums

In den Schriften des Lanspergius tritt eine Frömmigkeit hervor, die als Grundlage und Norm unmittelbar das Evangelium selbst heran nimmt. Die Unvollkommenheiten der Christen werden von Jesus Christus selbst angesprochen. Er, der Herr, spricht zu den Menschen:

„Als ich, Jesus Christus, einst euretwegen 
Mensch wurde und der Welt predigte, 
da habe ich, um alle zu retten,
die eine Regel des Evangeliums übergeben.
Wer dieser glaubt, kann nicht irre gehen,
wer diese befolgt, nicht umkommen;
wenn diese eingehalten wird,
so genügt dies für das Seelenheil.
Diese erzieht auch zu jeglicher Vollkommenheit.
Würde also nach ihr gelebt, so bedürfte es 
keiner Mönchregeln, keiner Bruderschaften, 
keiner Bünde und Einungen der Menschen,
keiner Gesetze irgendwelcher Art, 
da für denjenigen, der dem Evangelium brüderlich 
und ungeheuchelt nachlebte, nichts abginge, 
was zum Heil oder zur Vollendung gereicht.

Da man aber das Evangelium verließ,
und ein jeder den eigenen Gedanken 
nachzuhängen begann, da geschah es 
- nicht ohne meinen Rat und meine Eingebung -,
dass viele Heiligen mancherlei versuchten,
um die Welt- und Eigenliebe
(wodurch ja der Eifer für das Evangelium und 
für meine Ehre preisgegeben wird und erkaltet)
auszurotten und der Welt die Beobachtung 
des Evangeliums und meiner Gebote wiederzugeben. 
Darum stellten sie meistens Regeln auf,
durch welche sie eben das hinderten und 
beschnitten, woraus die Gelegenheit zur Übertretung 
meines Evangeliums genommen wird, das aber befahlen, 
was den Geist ermuntert und läutert und stärkt.

Sie wussten nämlich, dass der Geist nur
durch Zähmung des Fleisches und durch
Entziehung der Gelegenheiten überlegen
und stärker gemacht wird. 
Wenn dieser nämlich gestärkt ist, 
wird auch in uns reiner, glühender 
und standhafter die Liebe oder 
die Neigung, meine Gebote zu halten.
Daraus erhellt, dass die Heiligen 
keinen Buchstaben gegen mein Evangelium,
für das Evangelium aber alles
festgesetzt haben."

Johannes  Justus Lanspergius, Kartäuser in Köln - (1488-1539)


Dienstag, 19. August 2014

Johannes Justus von Landsberg - „Lanspergius“

Der Lebenslauf des Johannes Justus von Landsberg - „Lanspergius“ - zeigt nichts Außergewöhnliches.

Er wurde wahrscheinlich um das Jahr 1490 in Landsberg am Lech geboren. Es ist gesichert, dass er sich am 28. April 1507 in die artistische Fakultät der Universität Köln einschreiben ließ. Als Student wurde Johannes von dem frommen Leben in der Kartause so tief berührt, dass er schon zwei Jahre später der Wissenschaft und allem weltlichen Streben entsagte und Kartäuser der Kartause St. Barbara in Köln wurde.

In das aszetische und klösterliche Leben wurde er durch Gerhard von Haarlem eingeführt. Von ihm, einem durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit ausgezeichneten Mönch wurde Johannes zu einem echten und reifen Kartäuser herangebildet. Lanspergius erhielt im Kölner Kloster die Stellung des Sakristans und des Novizenmeisters. Später wurde er als Vikar der Vertreter seines Priors in der Kölner Kartause. 1530 wurde er selber als Prior in die Kartause von Jülich geschickt. Bereits nach fünf Jahren kehrte er 1535 wegen seiner stark geschwächten Gesundheit wieder von Jülich in seine Heimatkartause zurück. In Köln verblieben ihm noch vier Jahre irdischen Daseins. 

Lanspergius starb am 10. August 1539, 49jährig.




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