Samstag, 4. Juli 2015

Übertriebener Eifer

IL134-Z.12.5b

Nein, nein, nicht soviel übertriebenen Eifer.
Man fängt nicht zu bauen an, bevor man den Plan hat; man reist nicht ab, ohne das Ziel zu kennen. Der Baumeister nimmt sich Zeit, um seine Pläne in allen ihren Teilen auszuarbeiten. Er wird die Arbeiter erst dann zum Bauplatz schicken, wenn der Plan ganz vollendet ist. Der Reisende nimmt sich Zeit, seine Reise zu studieren und vorzubereiten, und er begibt sich erst auf den Weg, wenn die Vorbereitungen ernstlich getroffen sind.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150704)

Freitag, 3. Juli 2015

Die unruhige Ungeduld

IL133-Z.12.5a

Diese Gedanken, die unten notwendigerweise weiter entwickelt werden, müssen hier in Erinnerung gebracht werden, um mich vor der unruhigen Ungeduld, die sich im Menschen regt, in acht zu nehmen.

Tatsächlich reißt heutzutage eine fieberhaft erregte Manie die gutwilligen Seelen fort. Sie birgt in sich die Gefahr, mich gleich in eine Bewegung voll Voreingenommenheit oder Ungeduld hinzureißen und hineinzustürzen, die mich entweder fürchten ließe, es sei unmöglich, mich in den Stand, dessen Schönheit mich anzieht, zu erheben, oder die mir ihn als äußerst schnell und leicht erreichbar erscheinen lassen würde. Und ich würde mich beängstigenden, mich eitlen Befürchtungen überlassen, oder ich würde mich unüberlegt und fruchtlos ablaufen und abmühen.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150703)


Donnerstag, 2. Juli 2015

Wiederholung ist noch nicht Gewohnheit

IL132-Z.12.4b

Diese Stufe, wie alle ihr folgenden, sind nicht durch die mehr oder weniger große Zahl hervorgebrachter Akte charakterisiert, sondern durch die Einheit und Vollkommenheit, die die Seelenverfassung erreicht.  Die Seele kommt tatsächlich nur in dem Maß zu einem bestimmten Zustand, als sie die Einheit der Disposition, die ihn charakterisiert, erreicht. Ich weiß zwar, dass diese Seelenverfassung durch Wiederholung der Akte erworben wird, doch die Wiederholung der Akte ist noch nicht die Gewohnheit selbst, auch wenn sie zur Bildung der Gewohnheit beiträgt.

Die Gewohnheit hat also ihre natürliche Wurzel in den Neigungen der Seele und ihre übernatürliche Wurzel in den eingegossenen Gnaden. Und sie entwickelt sich nicht allein aus meiner menschlichen Arbeit, sondern vor allem aus der Arbeit, die Gott in mir vollbringt. Ich werde das im zweiten Teile sehen. Die Wiederholung der Akte tritt also nur als vierter und letzter Faktor zur Bildung der Frömmigkeit auf. Faktoren meines Lebens sind zuerst die natürlichen Neigungen, dann die übernatürlichen Gnaden, ferner die Tätigkeit der Vorsehung und endlich meine persönliche Tätigkeit. Die Frömmigkeit ist das Schlussresultat dieser vier Faktoren.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150702)


Mittwoch, 1. Juli 2015

Die Meidung der Todsünde ist die erste Stufe

IL131-Z.12.4a

Es handelt sich hier tatsächlich um einen Zustand der Seele und um eine Tugendstufe. Denn ich will hier weder die Akte noch die Übung dieser oder jener einzelnen Tugend studieren. Ich will nur die eine und einzige Seelenverfassung betrachten, die den Mittelpunkt und das allgemeine Resultat aller Akte und aller Neigungen bildet. Sie vereint und fasst alle Tugenden zusammen und wird Frömmigkeit genannt. Auf dieses einige Ganze richte ich meine Augenmerk, und ich will jetzt sehen, wie es sich entwickelt und von Stufe zu Stufe wächst. 

Die Meidung der Todsünde ist seine erste Stufe.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150701)


Dienstag, 30. Juni 2015

Den Herrn, deinen Gott, lieben!

IL130-Z.12.3b

Will diese Geneigtheit vollkommen sein, muss sie in meinem ganzen Wesen herrschen, muss sie alle meine Kräfte und mein ganzes Leben beeinflussen. „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften!" (Mk 12,30).

Die Todsünde darf weder in meiner Seele noch in meinem Herzen noch in meinem Gemüte noch in meinem Leibe einen Platz mehr haben. Kein Geschöpf, kein Umstand darf sie dort eindringen lassen, es sei denn aus Überraschung. Ich sage Überraschung; denn die armselige Schwäche des Menschen ist derart, dass Überraschungen immer möglich sind, selbst beim besten und festesten Willen. Diese vorübergehenden Fehler hemmen jedoch nicht die erworbene Fertigkeit standzuhalten und bringen die Seele nicht dahin, wieder von dem Zustand herabzusinken, den sie bereits erreicht hat.

Wenn man von einem Zustand der Seele, von einer Tugendstufe redet, darf man niemals die Fehler der reinen Gebrechlichkeit in Rechnung stellen.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150630)


Montag, 29. Juni 2015

Geeignete Fertigkeit aneignen

IL129-Z.12.3a

Die Frömmigkeit hat in mir diese Stufe erreicht, wenn ich mir in ausreichendem Maß die geeignete Fertigkeit angeeignet habe, die Opfer zu bringen, die zur Vermeidung der Todsünde notwendig sind.

Wenn ich geneigt bin, eher auf jede Befriedigung zu verzichten und sie nötigenfalls zu opfern, als freiwillig eine einzige Todsünde zu begehen; wenn ich bei Gelegenheit leicht und schnell danach handle;
wenn diese Geneigtheit vollkommen in meiner Seele herrscht,
dann habe ich die erste Stufe der Frömmigkeit erreicht.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150629)


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