Dienstag, 3. März 2015

Zu meinem Nutzen

IL049-Z.3.4b
Was sage ich, ich nehme teil an den Wohltaten? Ich habe alle Wohltaten; denn es ist so, sagt der heilige Franz von Sales, wenn die göttliche Güte mit uns teilt, lässt sie uns die Frucht ihrer Wohltaten und behält sich davon nur Ehre und Lob (Franz von Sales, Theotimus, I, IV, c.6).

Gott bedarf unserer Dienste nicht, sagt der heilige Augustinus, aber wir brauchen seine Herrschaft, damit er in uns wirke und uns beschütze. Deswegen ist er auch allein wahrhaft Herr und Meister, weil wir ihm nicht zu seinem Nutzen dienen, da ja aller Nutzen uns und unserem Heil zugute kommt. Denn wenn er unser bedürfte, würde er nicht ganz Herr sein, weil er selbst Sklave einer Notwendigkeit sein würde, welcher durch uns abgeholfen würde (Augustinus, De doctr. christ. I, 8,27). Das ist das Wunder seiner Liebe zu mir. Er hat alles erschaffen zu seiner Ehre und zu meinem Nutzen.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150303)

Montag, 2. März 2015

Teilhaber Gottes

IL048-Z.3.4a
Neben diesem ersten Dienst zu seiner Ehre hat Gott für die Geschöpfe noch einen andern Dienst festgesetzt: sie sollen da sein zu meiner Beglückung. Er hat nicht sich allein an seinem Ruhme freuen wollen. Seine Liebe hat mich an seinen Gütern teilnehmen lassen wollen, und er hat es so in seiner Zärtlichkeit wunderbar angeordnet, dass die Geschöpfe, Werkzeuge seines Ruhmes, gleichzeitig Werkzeuge für meine Befriedigung werden. Jedes Geschöpf sagt zuerst: Ehre sei Gott, dann: Friede seinem Diener (Ps (34) 35,27). Und so werde ich Teilhaber Gottes, ich nehme teil an dessen Wohltaten in dem unermesslichen Werk der Schöpfung.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150302)

Sonntag, 1. März 2015

Kartause Johannisberg in Freiburg, Breisgau (2. Teil)

Bereits HIER habe ich auf die untergegangenen Freiburger Kartause St. Johannisberg“ aufmerksam gemacht.



Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg i.Br.
Bd. 41: Die Kartause St. Johannisberg in Freiburg im Breisgau.
Historische und baugeschichtliche Untersuchungen.
Hg. von HEINZ KRIEG, FRANK LÖBBECKE und KATHARINA UNGERER-HEUCK. Freiburg 2014.










Verlag Stadtarchiv Freiburg 2014
ISBN 978-3-923272-38-9
168 Seiten,
zahlreiche Farbabbildungen,
Format 23,5 x 27,5 cm, gebunden
Preis: 24,50 Euro
Stadtarchiv Freiburg i. Br., Grünwälderstr. 15, 79098 Freiburg


Band 41  der „Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg im Breisgau” widmet sich auf 168 Seiten der Geschichte dieser durch kaiserlichen Aufhebungsbeschluss untergegangenen Kartause.

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Der von Heinz Krieg, Frank Löbbecke und Katharina Ungerer-Heuck herausgegebene Band widmet sich Geschichte und Baugeschichte der Freiburger Kartause St. Johannisberg in vergleichender Perspektive und geht auf die Tagung „Die Freiburger ‘Kartaus’ und die Umnutzung ehemaliger Klosteranlagen” im April 2011 zurück (Tagungsbericht). Anlass für die Tagung war die bevorstehende, damals noch unbekannte Umnutzung der Freiburger Kartause, die „nach der Aufhebung des Klosters im Zuge der Josephinischen Reformen (1782) zunächst als Adelssitz und von 1895 bis 2008 als Alten- und Pflegeheim genutzt” wurde.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert.
Ein erster mit „Allgemeines” betitelter Teil versammelt Beiträge zur Geschichte der Kartäuser im Mittelalter. James Hogg beleutet „Ordens- und Ideengeschichte der Kartäuser”, Hermann Josef Roth nimmt die Gründungssituationen mittelalterlicher Kartausen im Vergleich mit Zisterziensergründungen in den Blick, die Bauingeneurin Elke Nagel stellt verschiedene architektonische Konzepte des karthusianischen Zellenhauses vor und der mittlerweile verstorbene Sönke Lorenz zeigt die Ausbreitung der Kartausen unter besonderer Berücksichtigung der von Bern bis Flandern reichenden Provincia Rheni.

Der zweite Teil widmet sich der Geschichte der Freiburger Kartause und sei hier etwas ausführlicher vorgestellt. Heinz Krieg geht auf die Gründungsphase der 1345 vom Freiburger Bürger Johannes Snewlin, genannt „der Gresser“, gestifteten Kartause ein und hebt hervor, dass weniger die finanzielle Grundausstattung, sondern die „institutionelle Einbindung“ der Stadt und deren Führungsschichten in Snewlins Testament der Kartause langfristig zum Erfolg verhalf. Den bauhistorischen Zustand der Kartause kurz vor deren Aufhebung nimmt Frank Löbbecke anhand eines von ihm transkribierten Sachverständigengutachtens von 1775 (Transkription S. 155-163)5 in den Blick.
Daniel Parello widmet sich den zwischen 1512 und 1525/1530 entstandenen Glasfenstern der Kartause, unter denen insbesondere die nach Konzepten von Hans Baldung Grien von der Freiburger Werkstatt des Hans Gitschmann gefertigten großen Kartausscheiben herausragen. Zwar sieht Parello im damaligen Prior Gregor Reisch „die Schlüsselfigur des Projekts”, macht aber aufgrund der Analyse heute teilweise verlorener Stifterinschriften deutlich, dass die Glasscheiben vom Kaiser, auswärtigen Adligen, aber auch von Stadtrat, Bürgern, Geistlichen und Universitätsgelehrten gestiftet wurden. Eva-Maria Schüle nimmt den „in einzigartiger Weise erhalten gebliebenen” Küchengarten der Freiburger Kartause und dessen Bepfanzung in den Blick. Dieter Mertens behandelt die Verbindungen der Freiburger Kartause zur Universität. Obwohl die Universität als „Institution des Redens” eigentlich einen Gegensatz zum auf Schweigen ausgerichteten Ordensideal der Kartäuser dargestellt hätte, bestanden – so  Mertens – enge Beziehungen zwischen Freiburger Kartause und Universität. Erstens studierten Mönche und Prioren vor ihrem Ordenseintritt häufig an der Freiburger Universität, zweitens sind zahlreiche Stiftungen Freiburger Universitätsangehöriger für die Kartause überliefert und drittens konnte sich die Kartause unter den Prioren Johannes Keßlin (1475-1486) und Gregor Reisch (1501-1525) “institutionellen Einfluss” bei den beiden ältesten Freiburger Studienhäusern, der Domus Carthusiana und dem Collegium Sapientiae, sichern. Felix Heinzers Beitrag untersucht Gregor Reisch (ca. 1467-1525), den bekanntesten Freiburger Prior, und insbesondere dessen Enzyklopädie ‘Margarita philosophica’. Heinzer beleuchtet Reischs Rolle als Berater für die Hieronymus-Ausgabe des Basler Druckers Johannes Amerbach und kann eine Handschrift der Freiburger Universitätsbibliothek mit Exzerpten aus Augustins De civitate dei als Autograph Reischs einordnen und so neue Perspektiven auf die Arbeitsweise Reischs werfen, da sich die exzerpierten Stellen als Zitate im Text der Margarita wiederfinden.
 
Der dritte Teil des Buches betrachtet in vergleichender Perspektive Geschichte und architektonische Neubelebung anderer Kartausen. Margrit Früh behandelt die jahrhundertelangen engen Beziehungen der Kartausen Freiburg und Ittingen und macht deutlich, dass ca. 10 Prozent der Ittinger Mönche aus Freiburg kamen und die Freiburger Kartause nach Plünderung und Krieg die Ittinger Kartause wiederholt finanziell sowie mit Büchern unterstützt hat. Die Neubelebung der Ittinger Kartause zum Museum und Kulturzentrum ist Thema des Beitrags von Jürg Ganz, während Helmut Stampfer sich der Renovierung und Nutzung der Kartause Allerengelberg (Schnals, Südtirol) widmet. Zuletzt erweitertet Daniel Reicke die auf der Tagung gehaltenen Beiträge um einen Artikel zum ““fast gebauten Turm” der Basler Kartause.





Samstag, 28. Februar 2015

Dreimal taub, höre ich nichts

IL047-Z.3.3
Die Geschöpfe, alle Geschöpfe, sind für mich wesentlich nur Werkzeuge, und zwar Werkzeuge, bestimmt zur Verherrlichung Gottes; das ist ihre wesentliche Bestimmung. Wenn ich mich ihrer zu einem anderen Zweck bediene, oder wenn ich sie hauptsächlich zu einem anderen Zwecke anwende, dann ist der Gebrauch, den ich davon mache, was mich betrifft, immer unvernünftig, gewöhnlich schädlich, und oft strafbar. Was die Geschöpfe betrifft, so ist es gewaltsamer und widernatürlicher Gebrauch; denn ich kehre sie gewaltsam vom großen Zwecke ihrer Erschaffung ab.

Der heilige Paulus zeichnet in seiner energischen Sprache die Gewalt, die ihnen angetan wird. „Jedes Geschöpf', sagt er, „erwartet mit großem Verlangen die Offenbarung der Kinder Gottes, weil es jetzt der Eitelkeit unterworfen ist, ganz gegen seinen Willen und seine Natur, durch den, der es ihr unterwirft mit der Hoffnung, dass es selbst von dieser Dienstbarkeit der Verderbtheit befreit werde, um einzutreten in die ruhmvolle Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass alle Geschöpfe immer noch seufzen und in Geburtswehen liegen." (Röm 8,19-22).

Wir wissen, dass jedes Geschöpf seufzt! - Welches Wort! - Der heilige Paulus vernahm voll Schmerz dieses allgemeine Seufzen. Wie wir wissen, spricht er von sich. Und was weiß ich davon? - Ich bringe die ganze Schöpfung zum Seufzen, und dreimal taub, höre ich nichts.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150228)

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