Freitag, 29. Mai 2015

Erkennen, um zu lieben

IL105-Z.9.7

Es ist gut, mit den so tiefen Worten des heiligen Paulus die erste Frage des (alten) Katechismus zu vergleichen. Warum ist der Mensch auf Erden? Um Gott zu erkennen und zu lieben und ihm zu dienen. Das lehrt der Katechismus das kleine Kind. Steckt nicht in dieser Aussage die ganze Tiefe der Lehre des heiligen Paulus? 

Erkennen, lieben, dienen; Verstand, Wille, Handlung; sehen, lieben, suchen; Wahrheit, Liebe, Freiheit: immer sind es die drei Begriffe, vereint in derselben Ordnung. Erkennen, um zu lieben; lieben, um zu dienen; dienen in Liebe, lieben in Erkenntnis: das ist der ganze Weg des Christen nach dem Katechismus; und das ist die ganze Frömmigkeit nach dem heiligen Paulus. Der ganze Weg des Christen ist, kurz zusammengefasst, die Frömmigkeit. Welche Erhabenheit liegt in einer kleinen Antwort des Katechismus!

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150527)


Donnerstag, 28. Mai 2015

Wahrheit. Liebe. Freiheit.

IL104-Z.9.6

Und diese drei Eigenschaften dürfen nicht getrennt sein. Denn die Frömmigkeit schaut, liebt und sucht zugleich, sie ist Wahrheit, Liebe und Freiheit. 

Aus der innigen Verbindung, aus der gegenseitigen Durchdringung dieser drei Elemente geht jene einzig große Seelenverfassung hervor, die die Frömmigkeit ausmacht. Diese Verbindung drückt die Sprache des heiligen Paulus mit einer einzigartigen Energie aus. Von den drei zur Bezeichnung dieser drei Elemente der Frömmigkeit angewandten Begriffen nimmt er den dritten, den der Handlung, und verbindet ihn mit dem ersten derart, dass er daraus ein einziges Wort macht, […] das in Wahrheit unübersetzbar ist, und das wir in Ermangelung von etwas Besserem übersetzen mit üben wir die Wahrheit

Und zu diesem Wort, in dem jetzt der erste und letzte Begriff der Frömmigkeit vereinigt sind, fügt er als leitenden den mittleren Begriff derart hinzu, dass schließlich alles sich wieder vereint findet in charitate, in der Liebe. 

So ist die Liebe der Mittelpunkt der Frömmigkeit, das Band der Vollkommenheit. Ich sehe, um zu lieben, und handle in Liebe; so erhält der Leib der Frömmigkeit Entwicklung und Wachstum in der Liebe.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150526)


Mittwoch, 27. Mai 2015

Höchste Freiheit

IL103-Z.9.5c

Es gilt, jedes Ding nur zu benützen, soweit es mir zur Verherrlichung Gottes nützlich ist oder sein kann, ohne dass meine Neigungen mich das rechte Maß überschreiten lassen, oder meine Abneigung mich hindert, das rechte Maß einzuhalten Die Freiheit leitet mich an, das, was nützlich ist, bis zu dem Grad, als es nützlich ist, anzuwenden und das, was schädlich ist, soweit es schädlich ist, fernzuhalten, ohne dass die Handlung in ihrem Wesen beeinflusst wird durch irgend eine Voreingenommenheit oder Abneigung meiner Natur. Das bedeutet, die volle Freiheit für meine Handlung zu haben.

Diese königliche, höchste Freiheit ist die wahre Handlung der Frömmigkeit; das ist ihre dritte Eigenschaft.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150525)


Dienstag, 26. Mai 2015

Pfingstlied

(von Arnd Hermann)

 Geist aus Gott, du helle Flamme,
nähre uns aus deiner Glut
und erfülle uns mit Hoffnung
und mit frohem Glaubensmut!

Geist aus Gott, du hehres Brausen,
brich dir auf der Erde Bahn,
wecke aus Bequemlichkeiten,
lenke uns nach deinem Plan.

Geist aus Gott, du Licht vom Lichte,
ziehe uns in dich hinein!
Lass uns täglich als Gemeinde
Boten deiner Liebe sein!

Geist aus Gott, du Quell der Freude,
wende Not und Missgeschick,
sprenge Mauern, öffne Grenzen,
weite unsern engen Blick.

Geist aus Gott, du milder Tröster,
stille Kummer, Angst und Leid.
Lege auf uns deinen Frieden
und den Glanz der Herrlichkeit.

Geist aus Gott, du heil’ges Feuer,
das herab vom Himmel fällt,
brenne du in unsern Herzen
und erneuere die Welt!


Mögliche Melodie:
Holy Spirit, come, confirm us
(John Stainer 1840–1901)

© Arnd Herrmann
 

Sonntag, 24. Mai 2015

Pfingsten in der Kartause

An Sonn- und Feiertagen unterbrechen die Kartäuser ihre Einsamkeit und treffen sich zum gemeinsamen Mittagsmahl im Refektorium. Hier nehmen sie schweigend ihre Mahlzeit ein, während sie einer Lesung, vorgetragen von einem Mitbruder, lauschen. Anschließend ist eine Zeit der gemeinsamen Erholung.

Refektorium der amerikanischen Kartause Transfiguration in Vermont



Samstag, 23. Mai 2015

Nicht mehr und nicht weniger

IL102-Z.9.5b

Wenn ich im Geschöpf meine menschliche Lust suche, das heißt, die Ruhe meines Lebens, werde ich sein Sklave. Es ruft in mir tiefe, unersättliche, unaufhörlich wachsende Bedürfnisse wach. Und ich bin nicht mehr Herr über meine Begierden und den verführenden, gewaltsam herrschenden Einfluss der mich umgebenden Elemente. Was für eine traurige Knechtschaft, die mein Dasein zum Spielzeug von Wesen macht, die zu meinem Dienst bestimmt sind. 

Die Frömmigkeit befreit mich von diesem verwerflichen Zustand, gibt mir das Szepter wieder in die Hand, lehrt mich alle Dinge beherrschen und nur in dem Maß benützen, - nicht mehr und nicht weniger -, als sie bestimmt sind, mir zu dienen. Diese Worte „nicht mehr und nicht weniger" zeigen, wie scharf und genau die Frömmigkeit den Schöpfungszweck der Dinge beachten muss. Sie zeigen auch den Grad der Freiheit im Handeln, den ich erreichen muss: ich muss meine Werkzeuge so beherrschen, dass ich sie nehmen, verwenden und sie wieder lassen kann je nach ihrer Tauglichkeit.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150523)


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