Dienstag, 27. Januar 2015

Seelen guten Willens sind Gefahren ausgesetzt

IL016-VW16

Ist es notwendig zu sagen, dass diese Bemerkungen nicht auf alle zutreffen und nicht alle im Auge haben? Sie zeigen die Fehler auf und sprechen nicht von den Tugenden. Es wäre einfältig und anmaßend, die einen wie die anderen in Rechnung zu stellen.

Es gibt viele, sehr tugendhafte Seelen, die auf den wahren Wegen Gottes wandeln und die meine armen Gedanken nicht benötigen, um zu ihm zu gelangen. 

Ihre Erleuchtungen übertreffen bei Weitem das, was sie hier finden könnten. Aber ebenso gibt es Seelen, - das bestätigt mir die tägliche Erfahrung meines Amtes -, die sich täuschen, ohne es zu wissen. Diese Seelen, die übrigens voll guten Willens sind, sind den Gefahren ausgesetzt, auf die hier hingewiesen wird. Sie atmen wie eine todbringende Atmosphäre eine Menge falscher Ideen ein, die eine krankhafte Frömmigkeit mit sich bringt.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150127)


Montag, 26. Januar 2015

Wenn man wüsste, was das einzig Notwendige ist!

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Wenn man sich ganz allein damit beschäftigen, wenn man sich bloß darum sorgen würde, das einzige Gebäude auf dem einzigen Grund zu errichten! -
Aber was geschieht? Man baut auf Sand. Ist es verwunderlich, wenn das Haus nicht standhält? So viele Winde brausen heran, so viele Fluten wälzen sich daher! (Mt 7,27), Und wenn das beschädigte Gebäude fast zusammenbricht, dann geht man zu Exerzitien und versucht es wieder aufzurichten.

Und wie bei einem Kind, das sein Kartenhaus zusammenstürzen sah und es wieder aufbauen will, denkt man frisch entschlossen daran, neue, ebenso äußerliche Übungen vorzunehmen, genau so wenig tief und so unzusammenhängend, wie die früheren. Sie sind folglich ebenso fruchtlos und der Bau wird dazu verurteilt sein, beim nächsten Wind- und Wasseranprall wieder zusammenzubrechen. Man denkt nicht daran, den Felsen zu suchen, man versucht nicht ein festes und tiefes Fundament zu legen. 

Weiß man es denn überhaupt, dass für dieses Gebäude ein Fundament fehlt?

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150126)


Sonntag, 25. Januar 2015

Bücherangebot

Ein Blogleser fragt an:
 
Könnten Sie auf brunonis meine Bücher 
zum Verkauf anbieten?

- Die Kartäuser von Zadnikar
- Botschaft des Schweigens von Lockhart
- Auf einsamer Straße zu Gott von Bösen
- Im Angesicht Gottes von Guillerand
- 3 x Marienau Broschüre
- 1 x DVD Die Große Stille


Am liebsten würde ich alles zusammen verkaufen.
Ich habe kein Preisvorstellung bzgl. der Bücher. 

Es soll gut und gerecht sein, also ein Taschenbuch wie "Auf einsamer Straße" nicht für 10 Cent, aber auch nicht für 10 Euro. Vielleicht so irgendwo in der Mitte.
Die Bücher sind in gutem Zustand.


Bitte melden, ich gebe Ihr Emailangebot
an den Anbieter weiter:
josbrunonisbrunonis@hushmail.com

 


Martha! Martha!

(IL014-VW14)


Du bist unruhig und betrübt, denn du kümmerst dich um viele Dinge! (Lk,10,41).

Siehst du, wie die vielfältige Geschäftigkeit das Unglück Marthas bildete? Sie hatte zu viele Dinge im Kopf! Das Vielbeschäftigtsein teilte sie. Weil sie sie teilte, wurde sie beunruhigt, durch die Beunruhigung wurde sie betrübt und durch die Betrübnis wurde sie geschwächt. 

So kam es, dass ihre Kräfte nicht mehr reichten und sie sichgenötigt sah, ihre Schwester um Hilfe zu ersuchen. Ebenso verhält es sich bei uns. In vielfacher Weise zersplittern die Beschäftigungen des Lebens und die tausend Sorgen des persönlichen Interesses die Seele. 

Und die vielen unzusammenhängenden Übungen der Frömmigkeit vermehren ihr Übel, anstatt ihr Einheit, Stärke und Frieden zu bringen. Sie teilen, verwirren und schwächen sie noch mehr. Warum wundert man sich noch über die Schwäche der Seelen, wenn das, was ihr Heilmittel und ihr Leben sein sollte, das Übel vermehrt, an dem sie leiden?

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150125)

Samstag, 24. Januar 2015

Man lebt nicht, man schleppt sich.

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Wie viel Schwäche gibt es daher! Man lebt nicht, man schleppt sich nur fort, obwohl sich der gute Wille ausreichend entfaltet. „Das begreife ich nicht;" sagte mir ein ehrwürdiger Veteran in den priesterlichen Kämpfen, „je mehr ich vorwärts will, desto mehr geht es rückwärts. Ich glaube, dass ich mir Mühe gebe, dass ich mich schon sehr bemüht habe, und trotzdem fühle ich, dass es immer weniger vorwärts geht.

Ich kenne nicht das Maß der Demut in diesen Worten. Aber in ihnen steckt viel traurige Wahrheit, die in sehr vielen Seelen ihre Bestätigung findet.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150124)


Freitag, 23. Januar 2015

Untreue in den äußeren Dingen tötet die Frömmigkeit

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Bei der Frömmigkeit, wie übrigens bei allen Dingen, ist das Äußere der kleine Aspekt. Sobald ich daraus das Wichtigste mache, verkümmert alles in mir, alles wird kleinlich, mein geistiger Horizont verengt sich, ich werde der Sklave kleiner Nebensächlichkeiten, die mir keine freie Entwicklung erlauben. Ich glaube, dass etwas Untreue in den äußeren Dingen die Frömmigkeit tötet. Bei meiner stimmt das leider, sie ist ganz äußerlich. Wenn ich meinen kleinen Übungen treu bleibe, sperre ich mich in sie wie in ein Gefängnis ein. Wenn ich sie vernachlässige, bleibt mir dann gar nichts mehr.

Das ist eine tägliche Erfahrung. Und darum sieht man die armen Seelen unaufhörlich beschäftigt hin und her laufen, bald nehmen sie ihre Übungen wieder auf, dann lassen sie diese allmählich und kommen wieder darauf zurück, um sie noch einmal aufzugeben.

Daher gibt es nur Stückwerk und Teile, oder man schleppt sich in der Frömmigkeit durch eine Menge Kleinigkeiten, die nicht zusammenhängen und keine Tragweite haben. Es gibt keine Einheit in der Seele, ihre Kräfte zerbrechen bei einer Menge von Übungen, für die es keinen gemeinsamen Mittelpunkt, kein höheres Ziel gibt. Nichts ist beklagenswerter, als wenn die Ideen nicht miteinander zusammenhängen, für den Willen kein festes Ziel gegeben und in den Handlungen kein fester Zusammenhang vorhanden ist. 

Die Frömmigkeit ist kein lebender Körper mehr, sie ist eine Reihe tastender, zögernder Versuche. Man hat den Eindruck, es fehlt der Kompass, so wenig hängen die Bewegungen des Schiffes zusammen. Er fehlt tatsächlich; in diesem Leib fehlt die Seele. Man hat den einzelnen Buchstaben, der tötet, man hat nicht den Geist, der lebendig macht. Die Zersplitterung, die Teilung, der Individualismus ist das revolutionäre Übel in der Frömmigkeit.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150123)


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