Donnerstag, 24. Dezember 2015

Vigil von Weihnachten - Das Konventamt

Nun gehen wir in sein lebendiges Herz hinein.

Um 10 Uhr sitzen wir auf der Tribüne in der Kirche. Sie ist schmal und hoch. Eine Scheidewand aus dunklem Holz teilt sie in den Raum für die Patres und in den für die Brüder. Den Chor der Patres verbindet eine Gittertüre mit dem Raum - halbwegs von der Tribüne überdeckt -, in dem die Brüder der heiligen Messe und dem Offizium beiwohnen. Von unserm hohen Sitz aus übersehen wir die Kirche und den uns fernen Hochaltar.

Die weißen Patres kommen einzeln herein, verneigen sich vor dem Hochaltar, ziehen nacheinander in Reihenfolge am Glockenstrang, welcher dem Nachfolgenden übergeben wird und gehen dann an ihren Platz in den Chorstühlen.

Es ist alles von einer strengen, herben Einfachheit. Das täglich gesungene Konvent-Hochamt wird immer, ausnahmslos, nur von einem einzigen Priester zelebriert. In männlichem Rhythmus vollklingender Stimmen geht der Psalmengesang. Das „Gloria Patri et Filio et Spiritui sancto“ – „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste“ ist majestätisch auf eine gedehnte, machtvolle Tonlage gesteigert. Die Patres singen laut und kraftvoll den ursprünglichen Gregorianischen Gesang immer ohne Orgelbegleitung.

Ich zittere wegen der durchdringenden, eisigen Kälte und der überwältigenden Aufregung. Ich sitze nieder und lausche tiefst verloren in einem neuen Wissen und so klar, als ob ich erst jetzt wüßte, wer ich bin. Mein Hin-lauschen ist zum wortlosen Beten geworden.

Hier ist der Glaube keine ferne, verschwommene Erinnerung, kein süßes Träumen oder ein duftiger Trostgedanke für schwache, empfindsame Seelen: Hier ist er die Gegenwart in seiner Vollkraft. Was Jesus gesagt hat, ist hier zur unmittelbaren Wirklichkeit geworden. Seine Worte handeln und leben in diesen Seelen ohne den geringsten Vorbehalt oder angstvolle Zurückhaltung. Im ganzen Hochsinn und Opfermut werden die Worte Jesu verstanden und gelebt: „Wer nicht allem entsagt, was er besitzt, kann mein Schüler nicht sein.“ (Luk 14,33).

(Die Tage und Nächte in der Kartause von La Valsainte.
Pieter Van der Meer de Walcheren. Das weisse Paradies.)


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