Samstag, 29. Januar 2011

Freitag, 28. Januar 2011

Der Kreuzgangmönch


Die Priestermönche,  die Kartäuser-Patres, 

nennt man manchmal auch "Kreuzgangmönche"; sind ihre Häuser doch angelehnt an den langen Kreuzgang. Hier verbringen sie die längste Zeit des Tages, die meiste Zeit ihres Lebens. Der Bereich dieser Zellenbrüder am großen Kreuzgang ist der ruhigste und  am weitesten entfernt von der Pforte und den Gemeinschaftsräumen.

Jeder Mönchszelle zugeordnet ist ein kleines Anwesen, das als Garten genutzt wird. Es ist ca.  100 qm groß und wird meistens zum Blumen- oder Gemüseanbau genutzt.

Das Cubiculum ist die eigentliche Zelle, der Raum, in dem der Mönch schläft, betet und studiert. Dieser Raum ist (wie alles) ganz archaisch ausgestattet: mit dem Bett, einem Tisch, einem Stuhl und natürlich dem Betstuhl sowie einem Bücherregal. 

Auf einer Seite anliegend ist ein kleiner Raum, „Ave Maria“ genannt, weil er früher für Marienandachten genutzt wurde, auch diente er einst als kleine Küche. Heutzutage wird er meistens als Werkstatt genutzt. Auf der anderen Seite des Cubiculum ist ein Hygieneraum in einfachster Ausstattung; sowie das Holzlager. Im Holzlager bereitet der Mönch sein Brennholz vor, das er für den Winter benötigt um seinen kleinen Ofen im Cubiculum zu heizen. Des Weiteren gibt es noch einen Flur, einen Wandelgang, damit man sich auch die Füße vertreten kann wenn schlechtes Wetter ist.

Der Bewohner dieser Mönchszelle ist nur durch eine Durchreiche, einen Schalter, mit der „Außenwelt“ verbunden. Durch sie erhält er sein Essen oder auch andere Dinge, die er benötigt, ebenso kann er etwas weiterreichen. Dank dieses Schalters ist es nicht notwendig, immer wieder persönlichen Kontakt aufnehmen zu müssen, sondern man kann in der Einsamkeit verbleiben.

Jedoch kann das „Häuschen mit Garten“ auch zu einem Gefängnis werden und seinen Bewohner geradezu „herausspucken“, nämlich, „wenn es ihm nicht gelingt, Gott als Mitbewohner und Gesprächspartner zu gewinnen“ (Bösen, W.: Auf einsamer Straße…).

Donnerstag, 27. Januar 2011

Erklärung

Hiermit erkläre ich:

Alle meine Veröffentlichungen kann jeder selbst in allen möglichen Medien nachvollziehen.

Aus Respekt vor dem Orden und den Mönchen
veröffentliche ich KEINE Interna. 

Von Medien in Text und Bild, die nur mir zur Verfügung stehen, mache ich keinen Gebrauch! Genauso werde ich das Wissen, welches mir von Kartäusern anvertraut wurde, ebenso vertraulich behandeln.

Kartause Marienau, Lageplan

Hier der Lageplan der Kartause Marienau im Allgäu. Allgäu bedeutet hier: keine großen Berge mit gewaltigen Höhenunterschieden. Die Marienau liegt eher auf einer Hochebene von ca. 730 Höhenmeter.

Durch anklicken wird das Bild vergrößert.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Noch ein Besuch in der Marienau


Kartäusermönche kennenlernen

Ein junger Mann berichtet, er habe eine eindrucksvolle Begegnung haben dürfen, als er anlässlich eines Kuraufenthaltes,  in Bad-Wurzach weilte.
Bei einem seiner sportlichen Spaziergänge, sah er in der Ferne zwanzig weiße Gestalten auf sich zukommen.  Als sie näher kam, erkannte er, dass es Mönche waren.  Diese redeten miteinander. Es  kam zu einem kurzen Wortwechsel.  So erfuhr der Läufer, dass es sich um Kartäusermönche handelte, die ihren wöchentlichen Spaziergang unternahmen und sich dabei unterhalten durften. Er erkannte, dass viele junge Mönche dabei waren.  Bei dem kurzen Gespräch erfuhr er auch etwas von ihrer Motivation für dieses eigenartige Leben. Als die Mönche weiterzogen erlaubte der Prior ihm, in den nächsten Tagen einmal die Kartause zu besuchen.

Durch den einzigen Eingang des Klosters, die Pforte, kam der Besucher in das Kloster, wo er von einem Mönch, den er vom Spaziergang her kannte, in Empfang genommen wurde. Zuerst durfte er in die Zelle dieses Mönches  eintreten und sich umschauen. Er war beeindruckt von deren Kargheit:  ein Tisch, ein Stuhl, ein Bett und ein kleiner Ofen befanden sich in diesem Raum. Jeder Zelle, dem Kartäuserhäuschen, angehörig ist  auch ein kleiner Garten, etwa 100 qm, der so gestaltet werden kann, wie es dem  Einzelnen beliebt.

Besonders eindrucksvoll befand unser Besucher das Fach neben der Zellentür. Durch diesen „Schalter“ werden die Mahlzeiten an den Mönch ausgegeben. Denn nur an Sonn- und Feiertagen essen Mönche gemeinsam im Refektorium. Was es zu essen gibt, will er wissen: Die Ernährung sei spärlich, Fleischspeisen gibt es niemals, einmal in der Woche fastet jeder bei Wasser und Brot.

Der Gast erfährt auch erstaunt, von dem großen Opfer, das die Familienangehörigen und der Mönch selbst bringen; denn nur an zwei Tagen im Jahr kann er,  der Kartäuser-Sohn bzw.  der Kartäuser-Bruder, im Kloster von der Familie besuchet werden.
Unser  Kurgast sieht danach noch die Kirche, das Refektorium und den Kapitelsaal. Eindrucksvoll erschien ihm die „Schatzkammer katholischen Glaubens“, die Bibliothek.

Die beiden, Mönch und Kurgast, waren ins Plaudern geraten, zwei Stunden waren schnell vergangen. Sie verabschiedeten sich.  Der Besucher hofft nun, dass der Mönch nicht beim nächsten sonntäglichen Schuldkapitel sich selber anklagen muss, wegen dieses Gespräches und vielleicht wegen unnötigem Reden.

Dienstag, 25. Januar 2011

Foto vom Tag der Einweihung

Die Grundsteinlegung für die Kartause Marienau fand 1962 durch den Bischof von Rottenburg statt. Den genauen Tag und auch den Tag der Einweihung von Kloster und Klosterkirche habe ich bisher noch nicht in Erfahrung gebracht. Ich habe jedoch ein Foto des Bad-Wurzacher Fotografen Rupert Leser gefunden, der als einziger Fotoaufnahmen machen konnte und für die "Schwäbische Zeitung" 1964 von der "Klostereinweihung" berichtete.  

Foto: Rupert Leser, "Einweihungsgottesdiens"t in der Kartause Marienau, 1964


(Quelle: /www.photoscala.de/Artikel/Fotoreporter-Rupert-Leser. Das Fotoarchiv von R. Leser, auch die Bilder der Kartause Marienau, befindet sich in Stuttgart im "Haus der Geschichte Baden-Württemberg".)

Montag, 24. Januar 2011

Besuche in Marienau?



(3) Ein Abstecher zu der Kartause Marienau  
ist nicht für Jedermann interessant. Natürlich kann man dort wunderschöne und ausgedehnte Spaziergänge machen. Aber zu sehen bekommt man nicht sehr viel. Lediglich im Eingangsbereich des Klosters, an der Pforte, kann es etwas zu entdecken geben. Denn hinter dem kleinen Fenster verbirgt sich der Pfortenbruder. Bei ihm kann man Kleinigkeiten erwerben: Ansichtskarten, einige Bücher, CD´s und natürlich auch den berühmten Kartäuserlikör. Wenn nicht viel Betrieb ist, kann man dem Bruder vielleicht auch eine Frage stellen. Und das war es auch schon. Doch sicherlich ist für manche Menschen die Begegnung mit diesem „heiligen Ort“ schon genug Grund zu danken.

Für interessierte männliche Besucher

Die Marienau kann also, wie alle Kartausen, nicht besichtigt werden.
Ausschließlich männliche Besucher können täglich von Di–Sa um 15:30 Uhr und So um 16:00 Uhr, -außer Montag-), der Vesper im Chor beiwohnen.

Sonntag, 23. Januar 2011

Marienau: frühe Fotos

(2) Das nachstehende Bild gewährt einen Blick in den Klausurbereich. Der Fotograf steht gewissermaßen in einem Gartenstück. Man erkennt links und vorn die Reihe der Zellenhäuschen der Priester, die sich an den großen Kreuzgang anlehnen.In der Mitte ist die Kirche mit dem Dachreiter zu sehen, daneben der Uhrturm.

Marienau ca. 1966

Dieses Foto ist noch älter. Es handelt sich um eine Aufnahme aus 1964. Hier wird ein Blick in die Gästekapelle gewährt. Zu erkennen ist ein feingliedriges schmiedeeisernes Lettnergitter.

Marienau, Gästekapelle mit Lettnergitter, 1964

Samstag, 22. Januar 2011

Die Anlage der Kartause Marienau


(2) Der Mittelpunkt, der etwa zehn Hektar umfassenden Klosteranlage der Marienau ist die Kirche mit ihrem einfachen hölzernen Dachreiter. In ihrem Inneren ist sie ganz schlicht, - weiß und schmucklos. An die Kirche schließt sich der Kleine Kreuzgang an, mit seinen handwerklichen Kreuzgrat-Gewölben, um den sich zum einen die Gemeinschaftsräume des Klosters (Kapitelsaal, Refektorium, Bibliothek und Küche) gruppieren und an den sich zum anderen der Große Kreuzgang mit 25 Zellen (Klausen, Kartäuserhäuschen), das eigentliche charakteristische Element einer jeden Kartause, anschließt. In der Kartause Marienau hat der lange Flügel des Großen Kreuzgangs – mit 9 Patres-Zellen eine Länge von 148 m, während der kurze Flügel 101 m lang ist.

Vom Kleinen Kreuzgang aus, ist über eine Holzbrücke das Brüder-Kloster, der Brüderbau, zu erreichen. Es umfasst etwa 80 mal 50 Meter und hat 15 Zellen. Dieses Gebäude ist zweistöckig. Im oberen Stockwerk befinden sich die Zellen der Brüder, im unteren sind verschiedene Arbeitsräume. Der Brüderbau hat auch eine eigene Brüderkapelle. Frei stehende Werkstatt- und Lagergebäude (für Metall und Holz, sowie für Gartenbau) umgeben den Brüderbau.

In der Mitte der Klosteranlage, im großen Kreuzgang, befindet sich der Friedhof. Traditionell werden Kartäuser ohne Sarg in ihrem Habit (auf einem Holzbrett liegend) beerdigt. Als Grabmal dient ein einfaches Holzkreuz ohne Namen. Um den gesetzlichen Vorschriften zu genügen, existiert jedoch in der Klosterverwaltung ein Plan, aus dem hervorgeht, wer wo beerdigt wurde. An der Stirnseite des Friedhofs befindet sich ein weiteres großes Holzkreuz, unter dem die Gebeine der 71 Verstorbenen der ehemaligen Kartause Maria Hain beigesetzt sind. Denn beim Umzug nach Marienau wurden deren sterblichen Überreste in die neue Kartause übertragen.

Die Gebäude am Großen Kreuzgang sind eingeschossig, während die übrigen Bauteile der Kartause zweigeschossig sind. Errichtet wurden sie alle in einfachster handwerklicher Bauweise, nämlich in geputztem Ziegelmauerwerk und Holzbalkendecken mit roter Biberschwanzdeckung. Alle Außenwände sind gelb gestrichen. Um die gesamte Anlage herum befindet sich etwa 2,5 m hohe und etwa 1,2 km lange Klausurmauer. Diese umschließt auch die Gebäude des ehemals schon bestehenden „Feser-Hofes“, mit Gewächshäusern, einem Wasserlöschteich und einer Kläranlage.

Als Teil der Klausurmauer sind die Pforte und das Gästehaus angelegt. Hier befinden sich die Räume für die Unterbringung von Gästen. Für Familienangehörige der Mönche, die zu Besuch kommen, ist ein eigener Bereich mit eigenem Garten und einer Gästekapelle eingerichtet.

Freitag, 21. Januar 2011

Kartause Marienau, - ein Blick in die Geschichte


(1) Die Kartause Marienau wurde gegründet als Ersatz für die im Jahre 1869 in Düsseldorf-Unterrath errichteten Kartause Maria Hain, da die Kartäusermönche dort, wegen der immer mehr sich ausdehnenden Großstadt sowie dem Ausbau des ganz in der Nachbarschaft liegenden Düsseldorfer Flughafens, nicht mehr in Stille und Zurückgezogenheit leben konnten.

Nach einer Zeit der Suche nach dem geeignetem Gelände, konnte durch Kontakte von Pater Marianus Marck (Erbprinz von Sachsen-Meiningen), Profeß  der Großen Kartause, in Erfahrung gebracht werden, dass die Möglichkeit bestand, nur wenige Kilometer vom Schloss des Fürsten Georg von Waldburg-Zeil, einen Hof (den Feserhof) zu erwerben. So fand sich in der Ortschaft Talacker bei der Gemeinde Seibranz im württembergischen Allgäu, das geeignete Gelände, das die Mönche benötigten für ihr neues Kartäuserkloster

Die Klosteranlage wurde erbaut in den Jahren 1962 bis 1964, nach Plänen der Architekten Steffann und  Hülsmann, gemäß ihren Entwürfen aus dem Jahre 1961.
Dr. Steffann schrieb in einem Brief: 

„Die Leitworte, nach denen ich suche, sind Armut und Einfachheit. Es ist unmöglich, es kürzer und treffender auszudrücken. Denn mir scheint, dass Armut nicht nur erlitten werden muss, sondern sie ist eine Aufgabe, die unsere Zeit uns auferlegt. Nicht die Armut als Notwendigkeit, sondern es könnte der Adel sein, den sie in sich birgt, vielleicht dabei mitwirken, die Welt wieder aufzubauen; eine Welt, die versucht, sich der Armut zu entledigen wie einer Schande.
Die Einfachheit ist mit der Armut eng verbunden; die Einfachheit, die in der deutschen Sprache vertauscht werden könnte mit „Einfalt“. Wir brauchen nirgend eine solche Einfalt, die nur den wahrhaft Armen geschenkt wird, denn das Himmelreich gehört ihnen – den Armen.“

Donnerstag, 20. Januar 2011

Paul Badde besucht die Kartause Marienau, 3

(Badde, Marienau 3)


Am alten Portal des "Refektoriums" von Buxheim zeigen Schnitzereien den halben Speisezettel von damals: Brot, Gemüse, Fisch und Krustentiere, kein Fleisch, doch Bier und Wein. Daran hat sich kaum etwas geändert. Und eine Figur im Chorgestühl zeigt die Prostratio der Kartäuser, ihre eigentümliche Gebetshaltung, die sie seit dem Mittelalter beibehalten haben: ein abgewinkeltes Hingeworfen-Sein auf den Boden, wie wir es heute in Rom um den Vatikan noch oft auf den Bürgersteigen finden: in der Haltung berufsmäßiger Bettler, die noch wissen, wie man richtig liegt und fleht. Seit der Gründung des Ordens, erzählt der Prior, leben sie "von der Luft und von der Liebe" (der Liebe großzügiger Spender vor allem, an denen es nie gefehlt hat). Doch Bettler sind sie offensichtlich nur vor Gott. So liegen sie einzeln vor dem Altar, und so liegt auch jeder Prior alle zwei Jahre vor dem Generalkapitel der großen Kartause in Frankreich, wo er gefragt wird: "Was wünschen Sie?" "Barmherzigkeit!" "Stehen Sie auf!". Danach wird über seinen Wunsch beschieden, ihn von seinem Amt zu entpflichten (oder noch einmal zwei Jahre weitermachen zu lassen). Dass die Mönche immer "Sie" zueinander sagen, ist selbstverständlich. Auch eine gewisse Form des Adels hat sich bei ihnen noch wie in einem Bernstein erhalten.

Als Elite würden sich die dreihundert  Kartäusermönche, die es weltweit gibt, wohl kaum noch selbst verstehen. Sie sind selbstbewusst. Ihre Probezeit dauert bis zur endgültigen Bindung mindestens sieben Jahre, und wenn die Gemeinschaft es danach in geheimer Wahl ablehnt, jemanden feierlich für immer aufzunehmen, ist selbst der Prior machtlos. In Marienau, nicht weit von Buxheim, kommen die Mönche der einzigen Kartause Deutschlands aus neun Nationen und den verschiedensten Berufen. Einige der Priester waren auch vorher schon Akademiker. Das höchste Alter zum Eintritt beträgt 45 Jahre. "Den heiligen Bruno hätte ich nicht aufgenommen", scherzt der Prior, "der war ja schon über 50, als er unseren Orden gründete."  Zur Marienau siedelten im Jahr 1964 die ersten Mönche aus dem Niederrhein um, wo das alte Mutterhaus die neuen Start- und Landebahnen des Düsseldorfer Flughafens blockierte. Der Gewinn vom Verkauf der alten Parzellen ermöglichte den Mönchen damals den Erwerb ihrer Lichtung im Wald, wo sie in jenen Jahren des Konzils – und in der Hochzeit hässlichster Architekturexperimente -  eine neue kleine Klosterstadt errichten ließen, streng, klassisch schön, mit dem schlichten Friedhof in der Mitte des Kreuzgangs. Ihre Bücher nahmen sie mit, eine alte Statue des heiligen Bruno aus Köln, die alte Regel und den Geist der Gründung. "Welchen Gewinn und göttlichen Genuss die Einsamkeit und das Schweigen der Einöde denen bereiten, die sie lieben, wissen nur jene, die es erfahren haben", schrieb Guigo von Chastel fast fünfzig Jahre nach der Gründung des Ordens um 1130 in ihrer Regel und auch dies: "Das arme Leben in Einsamkeit ist zu Beginn schwer, wird mit der Zeit leicht und am Ende himmlisch."

Stimmt das noch? Ja, sagt der Prior, doch die Prüfungen seien schwer. "Die meisten gehen wieder. Der Orden bleibt. Einige verlassen uns nach Stunden, andere nach Tagen, manche erst nach 20 Jahren." So spät noch? Wie kommt es da noch zur Trennung? "Wie in einer Ehe", sagt der Mönch, "wenn der Dialog verkümmert und irgendwann aufhört." Der Dialog mit den Männern dieses Schweigeordens? "Nein, nein, der Dialog mit Gott natürlich. Das Leben eines Kartäusers ergibt doch nur Sinn durch dieses ständige Gespräch mit ihm, selbst wenn wir hadern und streiten, selbst wenn wir ihn zur Not verzweifelt anschreien. Doch es ist aus, wenn wir anfangen, ihn anzuschweigen! Das ist das Ende. Wir leben doch eine Liebesgeschichte. Wir warten doch Tag und Nacht auf nichts anderes als dies: eines Tages dem, der mich liebt, in die Augen zu sehen."

Mittwoch, 19. Januar 2011

Paul Badde besucht die Kartause Marienau, 2


(Badde, Marienau 2)

Sind sie archaisch? Zeitlos? Gewiss verkörpern sie wie kaum jemand sonst eine ungebrochene Tradition. Alle zwei Jahre wird ihr Orden in sogenannten Generalkapiteln neuen Herausforderungen und Erfordernissen immer wieder behutsam angepasst, doch alle großen Krisen haben die Kartäuser nie zu einer Anpassung an den Zeitgeist bewegen können. Sorgen um den Nachwuchs kennen sie in Deutschland nicht. Natürlich tragen sie Armbanduhren unter den langen Ärmeln ihrer groben weißen Kutten, sind wohlinformiert über die Welt außerhalb der Mauern und haben keine Scheu vor technischen Hilfsmitteln aller Art (wo bestimmte Arbeiten danach verlangen). Doch sonst ist unter ihnen mehr oder weniger fast alles gleich geblieben seit den Tagen des heiligen Bruno von Köln, der ihren Orden im 11. Jahrhundert gegründet hat. Darum gibt es bei ihnen weder Sommerzeit  noch Winterzeit, nur Zeit pur. Doch der kostbarste Stoff unseres Lebens ist ihnen nur ein Vorspiel zur Ewigkeit. "Feiern Sie denn auch noch die Tridentinische Messe?", wollen wir von Bruder Theodor wissen. Der Pförtner lächelt. "Wir haben eine eigene, wir haben die kartusianische Liturgie. Die ist noch einmal gut 450 Jahre älter als der Tridentinische Ritus. Die Liturgiekonstitution des letzten Konzils hat daran fast nichts geändert." Bruder Theodor kommt aus Nordholland. "Wart ihr das nicht, die den heiligen Bonifatius erschlagen haben", fragen wir, „den Apostel der Deutschen?“. Jetzt lacht er laut. "Ja, das waren wir. Darum bin ich wahrscheinlich auch hier." Hier, in dem ummauerten Gelände in einem riesigen Wald, ist der alte Schneider schon seit über vierzig Jahren.

Ja, sie gelten als der strengste Orden der katholischen Kirche. Doch Heiterkeit und Humor sind das Erste, was wir bei ihnen notieren möchten - und das Spiel des Lichts im Schatten ihrer Kreuzgänge und der offene Himmel über ihren Gärten. Wer das einmal möchte, sollte nach Buxheim ins Allgäu kommen, bei Memmingen, wo eine ehemalige Kartause in ein Museum umgewandelt wurde, deren Architektur auch 200 Jahre nach der Vertreibung der Kartäuser noch immer Licht von ihrem Geheimnis wie in einem Bernstein verwahrt. Es ist eine der heitersten Rokoko-Anlagen Süddeutschlands. Dominikus Zimmermann hat hier an einem Winkel des Kreuzgangs eine "kleine Wies'" geschaffen, eine winzige Kapelle, wo der Auferstandene über dem Altar als Kind und Sieger in den hellen Goldgrund des Himmels fährt. Es ist ein einziges Leuchten in diesem Kleinod - und eine sagenhafte Großzügigkeit, wo jedem Mönch für seine Zurückgezogenheit ringsum den Kreuzgang nicht nur eine Zelle, sondern ein eigenes Häuschen zur Verfügung steht: darin ein Vorraum mit einem Bild oder einer Statue Marias (die die eigentliche Herrin des Ordens ist), ein Raum mit Arbeits- und Esstisch, eine Gebetsnische, daneben ein Strohbett. Dahinter eine Werkstatt, mit dem Holz für den Winter, das jeder Mönch selbst zersägt und hackt, eine Werkbank, und ein ummauerter Garten zur eigenen Gestaltung - und all dies für nur eine Person! Wer will, zeigt sich hier, könnte die Kartäuser also auch als Erfinder des Eigenheims betrachten. Das Essen wird ihnen mittags von Kartäuserbrüdern, die einem anderen Tagesplan folgen, durch einen Schalter neben der Tür in das kleine Reich hineingereicht. Die gegliederten Räume entsprechen fast spiegelbildlich ihrer gegliederten Zeit. Jeden Montag gehen sie zusammen im Wald spazieren, in lebhaftem Gespräch. Essen sie am Sonntag und anderen Hochfesten hingegen gemeinsam, sind sogar Löffel und Gabel aus Holz, damit kein Klappern in den "Gamellen", in denen das Essen serviert wird, ihr Lauschen der Tischlesung stört.

Dienstag, 18. Januar 2011

Paul Badde besucht die Kartause Marienau, 1


Paul Badde, Journalist und Vatikan-Korrespondent der "Welt" sowie Mitherausgeber des  Vatican-Magazin,  berichtet in der jüngsten Ausgabe (Januar 2011) von seinem Besuch in  Marienau, dem einzigen Kartäuserkloster in Deutschland.


Das strenge Glück

Krokusse strecken sich neben einer schattigen Schneepartie des Gartens der Sonne entgegen, Vögel zwitschern in jedem Strauch. Eine Kröte hat sich an diesem ersten Frühlingstag in den kalten Kreuzgang der Kartause verirrt, wie wir, und bläst in einem Winkel des Flurs verängstigt die Backen auf. Hierhin kommt normalerweise kein Fremder. Keinem Manager wird erlaubt, in dieser Stille seine "Seele baumeln" zu lassen. Kartäuser bieten ihr "strenges Glück", wie Goethe es genannt hätte, auf keinem Marktplatz an.
Doch auch für normale Mitchristen gibt es bei ihnen weder Exerzitien oder Besichtigungen, noch lassen sich die Priestermönche überreden, im nächsten Dorf in der Seelsorge auszuhelfen. "Wir haben eine andere Aufgabe", sagt ihr Prior, "stellvertretend für die vielen, die keine Zeit mehr haben für den lebendigen Gott, stehen wir vor ihm für sie alle ein. Unsere Seelsorge ist also weltweit!" Dafür leben sie in bedingungsloser Hingabe, radikal zurückgezogen.

Georg Gänswein wollte Kartäuser werden, bevor der Sekretär des Papstes in einer der unwägbaren Weichenstellungen des Lebens in den Apostolischen Palast hinauf befördert wurde, wo er nun allerdings ebenso wenig Herr seiner Stunden ist wie ein Kartäuser - die ihre Minuten und Sekunden bei Tag und bei Nacht auf den Rhythmus des Paradieses hin verweben. Auf Fernsehen, Radio und Internet verzichten sie dafür komplett. Die Festplatte ihrer Erinnerung und Vernetzung mit der Welt besteht immer noch in einer großen Bibliothek. Nacht für Nacht stehen sie um Mitternacht auf für den ersten Lobgesang. Früh am Morgen kommen sie zur Eucharistiefeier in die Klosterkirche zusammen und am Nachmittag zur Vesper. Den Rest der Zeit beten, betrachten, lesen, studieren sie für sich allein - in strengem Ausgleich mit Handarbeiten in ihrer Werkstatt oder dem Garten.


Die Kartause Marienau

Die Kartause Marienau 
wurde die Nachfolgerin der Kartause Maria Hain.
Sie wurde erbaut in den Jahren 1962 bis 1964.
Die ersten Mönche zogen Ende 1963 in die "Baustelle" ein.
Im Dezember 1964 war der Umzug vom Rheinland in das Allgäu vollzogen.


 
Luftaufnahme Kartause Marienau im Allgäu

Montag, 17. Januar 2011

Bruno schreibt aus Kalabrien an Radulf - Erläuterung


"Weltflucht", "Verlassen der Welt" – Bedeutung

„Weltflucht“ und andere Variationen dieses Begriffes, sind besser zu verstehen vor dem Hintergrund der Kenntnis ihrer Bedeutung für die jeweilige Zeit. Gerade auch im Zeitalter des heiligen Bruno, im 11. und 12. Jahrhundert, bestand die Kirche in einer ungeheuren Welt-zu-Gewandtheit. Sie ging geradezu unterschiedslos „in der Welt“ auf, lebte gewissermaßen in und mit ihr. Dieses „Aufgehen“ bedurfte einer Korrektur, einer „Gegenbewegung“.

Bruno verließ die Welt, um wie ein Wachposten auf die „Rückkehr des Herrn“ zu warten. Er stellte für sich und für die Kirche, die eschatologische Spannung wieder her. Bruno zeigt damit: Gott ist mehr zu lieben als die Welt; der Schöpfer mehr als das Geschöpf; das Unvergängliche mehr als das Vergängliche. Er nimmt schon die endzeitliche Freude vorweg, indem er dem, was auch wir kennen: Beunruhigungen, Sorgen, Intrigen, Machtstreben, Reichtum und  Besitz (Stress) entsagt, um das ewige Leben zu ergreifen.

Weltentsagung ist sicher auch mit der ganz persönlichen Heilsfrage verbunden. Wer sucht den wahren Reichtum und das wahre Glück? Man muss zuerst der eigentlichen Armut und Verlorenheit des Lebens innegeworden sein, man muss die Ärgernisse dieser Welt erfahren haben, um nicht in ihrer Perversion unterzugehen. Nach einem „ruhigen Hafen“ wird ausgeschaut. Ein Hafen, der eine „erlöste Welt“ gegenüber einer „Welt der Sünde und des Todes“ darstellt.

Das „Verlassen der Welt“ im Sinne eines Sich-Zurückziehens aus dem öffentlichen Getriebe, wird im Mittelalter nicht prinzipiell als das „Bessere“ gewertet. Vielen Männern in wichtigen Positionen wurde der Eintritt in einen kontemplativen Orden häufig verwehrt, nämlich mit dem Hinweis ihrer besonderen Verantwortung für die Welt. So sandte auch Bruno den ihm nahestehenden Bischof Hugo von Grenoble, der auch Kartäuser werden wollte, zurück, damit er seine Aufgabe, sein Kirchenamt und deren Pflichten wahrnehme.
(vgl. Greshake/Weismayer, Quellen…, S. 25f)

Sonntag, 16. Januar 2011

Bruno schreibt aus Kalabrien an Radulf, 3


In Liebe erglühen

(3) „Mögest auch Du, lieber Bruder, die Sunamitin (vgl. 1Kön 1,3) (Symbol gottgeweihten Lebens) lieben, auf dass Du durch ihre Umarmungen in göttlicher Liebe erglühst. Wenn diese Liebe einmal in Dir Fuß gefasst hat, dürfte weltliche Ehre, diese trügerische und schmeichlerische Verführerin, Dir wohl zuwider sein und Du vermöchtest ganz leicht den Reichtum mit allen Beunruhigungen und Sorgen, die er mit sich bringt, aufgeben. Ja, Du würdest Ekel empfinden, vor all den Genüssen, die für Körper und Geist ganz und gar schädlich sind.“
(Greshake/Weismayer, Quellen geistlichen Lebens, B. II, Grünewald-V. 1985, S. 25)

Samstag, 15. Januar 2011

Bruno schreibt aus Kalabrien an Radulf, 2


Muße und geruhsame Tätigkeit

(2) „Welchen Gewinn und welche Freude aber die Liebhaber der Einsamkeit und stillen Abgeschiedenheit erhalten, wissen allein die, die es erfahren haben. Denn hier können starke Charaktere nach Herzenslust in sich gehen und in sich ruhen. Hier können sie das Gute, das keimhaft in ihnen angelegt ist, entfalten und voll Freude gleichsam die Früchte des Paradieses genießen. Hier lässt sich jener helle Blick finden, dessen Zauber die Liebe des Bräutigams entfacht (Hld 4,9) und durch den und in dessen Klarheit man Gott schauen kann. Hier herrschen tätige Muße und geruhsame Tätigkeit. Hier teilt Gott denen, die sich abmühen, den ersehnten Kampfespreis zu (2 Tim 4,7), nämlich den Frieden, den die Welt nicht kennt (Joh 14,27), und die Freude im Heiligen Geist (Röm 14,17). Wer sich hier befindet, ist gleich Rachel die mit ihrer schönen Gestalt und all ihrem Liebreiz von Jakob mehr geliebt wurde, auch wenn sie ihm weniger Söhne gebar als Les, die fruchtbarer war und doch halb blind (Gen 29,17f). Kein Wunder, denn die Kinder der Beschaulichkeit (deren Symbol Rachel ist) sind weniger zahlreich als die Kinder tätigen Lebens (für das Lea steht). Und dennoch wurden Josef und Benjamin (die Kinder Rachels) von ihrem Vater mehr geliebt als ihre Brüder. Wer hier wohnt, besitzt „jenen besten teil, den Maria erwählt hat und der ihr nicht genommen wird“ (Lk 10,42).“
(Greshake/Weismayer, Quellen geistlichen Lebens, B. II, Grünewald-V. 1985, S. 25)

Freitag, 14. Januar 2011

Bruno schreibt aus Kalabrien an Radulf, 1

Stets gespannt erlahmt der Bogen

Dieser Brief Brunos aus seiner ersten Einsiedelei Santa Maria in Torre in Kalabrien an Radulf, der einstmals mit ihm in die Einsamkeit ziehen wollte, aber diesen Schritt nicht wagte. Der Briefabschnitt zeigt uns, wie wichtig Ausgewogenheit im Leben (auch) für den Kontemplativen ist.

(1) „Ich hause in einer Einsiedelei in Kalabrien. Sie liegt ganz und gar abseits von sonstigen menschlichen Ansiedlungen. Dort lebe ich mit anderen Ordensbrüdern zusammen. Einige von Ihnen sind sehr gebildet. Sie alle stehen gleichsam auf göttlichen Wachtposten, „sie warten auf die Rückkehr des Herrn, dass sie ihm sofort öffnen, wenn er anklopft“ (Lk 12,36). Ich kann nicht angemessen genug die herrliche Lage dieser Einsiedelei beschreiben, ihre angenehme und gesunde Luft, die weite und wunderbare ebene, die sich zwischen den Bergen hindurch erstreckt mit ihren grünen Wiesen, blühenden Weiden; weiter ist da der Anblick der Hügel, die sich überall sanft erheben, die stillen schattigen Täler mit vielen lieblichen Flüssen, Bächen und Quellen. Dazu kommen wasserreiche Gärten und die verschiedensten reich tragenden Fruchtbäume.


Aber damit möchte ich mich nicht länger aufhalten, denn natürlich gibt es noch andere Freuden, die für einen weisen weit herrlicher und nutzbringender sind, da es sich um göttliche Freuden handelt. Und dennoch dienen die genannten Freuden häufig der Entspannung und Erholung, wenn der Geist von den recht strengen Weisungen der Regel und von geistlichen Übungen ermüdet und geschwächt ist. Denn wenn ein Bogen ständig gespannt ist, wird er locker und vermag seinen Zweck nicht mehr zu erfüllen."
(Greshake/Weismayer, Quellen geistlichen Lebens, B. II, Grünewald-V. 1985, S. 24f)

Donnerstag, 13. Januar 2011

Die Kartause „San Bruno“ in Kalabrien -3-


Ruf nach Rom

Im Jahre 1090 wurde Bruno von Papst Urban II. aus der Einsamkeit seiner ersten Gründung in der Chartreuse nach Rom berufen. Das von Kaiser Heinrich IV. und einem Gegenpapst bedrängte Kirchenoberhaupt suchte die Unterstützung bedeutender Theologen, zu denen auch Bruno, sein ehemaliger Lehrer, zählte. Dieser Ruf hätte beinahe das Ende der kleinen Gemeinschaft bedeutet. Bruno konnte seine verzagten Gefährten nur mit Mühe zum Verbleiben unter Führung seines Vertrauten Landuin als Prior überreden. 

LeSueur, Bruno erhält den Ruf Papst Urbans II. nach Rom, 1648, Louvre


 Ruf in die Einsamkeit

Er selbst reiste nach Rom, musste aber mit dem Papst vor den Truppen Kaiser Heinrichs IV. nach Süditalien fliehen. Als ihn Papst Urban zum Erzbischof von Reggio in Kalabrien ernennen wollte, bat Bruno um die Erlaubnis, seiner Berufung getreu, wieder als Einsiedler leben zu dürfen. 

 Der Heilige erhielt ein Gebiet in Kalabrien, das Torre hieß und dem normannischen Grafen Roger gehörte. Bruno errichte zunächst eine Einsiedelei mit dem Namen Santa Maria. Etwas tiefer liegend wurde das Kloster Santa Maria delle Torre gründete. 

 LeSueur, Bruno weißt die Erzbischofswürde von Reggio zurück, 1648, Louvre
Er, Bruno, der erste Kartäuser kehrte nicht mehr in die Große Kartause zurück, er starb in Santa Maria am 6.Oktober 1101. Er wurde 1514 von Papst Leo X. heilig gesprochen.


Mittwoch, 12. Januar 2011

Die Kartause „San Bruno“ in Kalabrien -2-



Der Papst in der Kartause

Der 5. Oktober 1984 war ein Höhepunkt für die Kartause San Bruno.  900 Jahre nachdem der hl. Bruno in die Einsamkeit der Chartreuse  eingezogen ist, nahm dies Papst Johannes Paul II. zum Anlass, den Kartäusern einen Besuch abzustatten. Er besichtigte die Kartause, er sprach und betete mit den Mönchen. In einer Ansprache an die Mönche gerichtet, sagte er:

 „Euch sind die Lebensumstände der Brüder, die an die Pforte eurer Einsamkeit klopfen, nicht fremd. Sie nehmen ihre Probleme, ihre Leiden, die Schwierigkeiten des Lebens mit zu euch. Vermittelt ihnen, trotz aller Rücksichtnahme auf die Erfordernisse eures kontemplativen Lebens, die Freude Gottes, versichert ihnen, dass ihr für sie betet, dass ihr eure Entbehrungen aufopfert damit auch sie Kraft und Mut an der Quelle des Lebens schöpfen, die da ist Christus.“

Papst Johannes Paul II. mit Kartäusern in San Bruno am  5.Oktober 1984


Auch zum Todestag des hl. Bruno am 6. Oktober 2001 sandte Papst Johannes Paul II. eine Botschaft an die Kartäuser:
„Im Herzen der Wüste, diesem Ort der Prüfung und Reinigung des Glaubens, führt der Vater die Menschen auf einen Weg der Enteignung, der alle Logik des Habens, des Erfolgs und des illusorischen Glücks in Frage stellt.“
„Ich lade darum die Mitglieder der Kartäuserfamilie ein, durch die Heiligkeit und Einfachheit ihres Lebens auch weiterhin eine Stadt auf dem Berg und eine Lampe auf dem Leuchter zu sein (vgl. Mt 5,14-15). Verwurzelt im Wort Gottes, gesättigt von den Sakramenten der Kirche, unterstützt vom Gebet des heiligen Bruno und der Brüder, sollen sie für die ganze Kirche und im Herzen der Welt „Orte der Hoffnung und der Entdeckung der Seligpreisungen" bleiben, „Orte, an denen die aus dem Gebet, der Quelle der Gemeinschaft, schöpfende Liebe zur Logik des Lebens und zur Quelle der Freude werden soll" (Vita consecrata, Nr. 51)! Als wahrnehmbarer Ausdruck einer Opfergabe des ganzen Lebens, welches in Vereinigung mit dem Leben Christi geführt wird, ruft das Leben in der Klausur dadurch, dass es die Gefährdung des Daseins spüren lässt, dazu auf, nur auf Gott allein zu zählen.“
In diesem Jahr, am 9. Oktober 2011, wird Papst Benedikt XVI. nach Kalabrien reisen. Dort wird er die kalabrische Diözese Lamezia Terme besuchen. Und 27 Jahre nach seinem Vorgänger Papst Johannes Paul II. wird auch er der Kartause San Bruno einen Besuch abstatten und damit dem Kartäuserorden seine außerordentliche Verehrung zeigen.

Dienstag, 11. Januar 2011

Die Kartause „San Bruno“ in Kalabrien -1-



Vier Videos

Nachdem ich bereits vier sehr interessante Videos eingestellt habe, die einen schönen Überblick in Geschichte und Leben der Mönche in der Kartause San Bruno zeigen, will ich einige Informationen hier gebündelt zusammentragen.

Der Gründer der Chartreuse, Bruno, wurde 1090 von Papst Urban II. nach Rom berufen, erhielt von ihm dann doch die Erlaubnis, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. So erhielt er 1091 einen Platz für seine Einsiedelei Santa Maria, auf einer Hochebene von 850 m mit dem Namen Torre in Kalabrien. Etwa zwei km talabwärts gründete er das Kloster Santo Stefano.
Bruno starb bereits nach zehn Jahren 1101
Im Jahre 1193 wollten viele Mönche nicht mehr als Eremiten leben und so schlossen sie sich dem Zisterzienserorden an. Das Kartäuserleben erlosch. 

Im Jahre 1514 genehmigte Papst Leo X. den Kult des hl. Bruno. Kartäusermönche kehrten zurück und erbauten das Kloster wieder auf. Nach einem Erdbeben am 7. Februar 1783, bei dem über vierzigtausend Menschen zu Tode kamen, stand das Kloster in Ruinen. Die Mönche wurden in den folgenden Jahren nach und nach vertrieben. Unter der Herrschaft Napoleons wurden alle Einrichtungsgegenstände konfisziert oder gestohlen und die Kartause 1808 aufgehoben.

Certosa di Serra San Bruno
Erst 1856 kehrten wieder  Kartäusermönche in die Ruinen zurück. Doch es war eine schwierige Zeit. Erst ab 1894 konnte das neue Kloster errichtet werden. Am 13. November 1900 wurde die Kirche eingeweiht. Von 1985 bis 1991 fanden gründliche Renovierungsarbeiten statt.


Donnerstag, 6. Januar 2011

Kartause Maria Hain -11-


Kirchliche Mobiliare der Kartause wurden verschenkt oder vernichtet.
Einige Beispiele.

- Das Erzbischöfliche Generalvikariat erhielt einen Großteil des Mobiliars der Kirche.
- Abt Maurus Schmidt, Zisterzienserabtei Himmerod, erhielt die Holzverkleidung von der Wand am Sanctuarium, eine Kathedra, ein Evangelienpult, ein Lectorium sowie überzählige Leuchter und Altarkreuze aus den Kapellen.
- Das Karmelitinnenkloster - Essen erhielt aus dem Kapitelsaal Sitzbänke und Wandverkleidung.
- Das Karmelitinnenkloster - Köln erhielt aus dem Refektorium Sitzbänke und Wandverkleidung.
- Das Zisterzienserkloster Langwaden erhielt aus der Kirche 32 Chorstühle.
- Prälat Kowalski vom Generalvikariat Köln erhielt 6 Festtagsleuchter, zwei Vesperleuchter, zwei einfache Leuchter und ein Hochaltarkreuz, sowie drei Pumpen aus den Großen Kreuzgang.
- Dr. Forst, Chefarzt erhielt zwei einfache Leuchter aus der Kirche, Lettner vom Patres- zum Brüderchor und die Tür vom Brüdereingang zur Kirche.

Nach den Sprengungen und der Abfuhr des Schuttes schrieb Pater Prior Kister ganz unspektakulär in die Chronik:
„Dank dem Herrn und Seiner jungfräulichen Mutter, dass alles in Ruhe und Frieden vor sich ging und seinen Ablauf fand.“
(vgl.: Wego, Maria Hain)

Mittwoch, 5. Januar 2011

Dienstag, 4. Januar 2011

Kartause Maria Hain -9-


Schwere Jahre

Nach dem Krieg war es in ganz Deutschland schwer, zu überleben. Die Armut wurde stets größer. Es gab wenig zu essen. Vom Chronisten wird berichtet, in der Kirche säßen fast nur noch Greise. Manche Mönche hätten einen Gewichtsverlust von 30-50 Pfund. Bereits seit Dezember 1940 hatten sich die Mönche entschlossen, auf den Verzicht von Fleischspeisen zu „verzichten“. Dies war u. a. deswegen notwendig, weil nicht genügend Pflanzenfett zur Verfügung stand, aber auch, damit sie überhaupt noch satt werden konnten. Dieser Zustand dauerte bis Ostern 1948. Die Ausgebombten, die noch immer in der Kartause wohnten, konnten nur allmählich das Kloster verlassen. So wurde auch erst ab August 1947 das Refektorium von den Mönchen übernommen.

Der erste gefallene Kartäuser war Frater Guido, der als Melder im Januar 1942 den Tod fand.
Im selben Jahr wurde der letzte der jungen Mönche, Pater Suso, eingezogen. Erst Mitte 1949 meldete sich aus Frankfurt an der Oder wieder, da er aus russischer Gefangenschaft entlassen worden war. Nach zehn Jahren Abwesenheit vom Kloster, davon sieben Jahren in russischer Gefangenschaft, konnte er sich jedoch nicht mehr an das Kartäuserleben gewöhnen. Er wurde Weltpriester (siehe Lebensbilder, 2).
Aus der Gefangenschaft zurück kamen die ersten Mönche bereits im Juni 1945. Bruder Michael war der letzte Kartäuser, der aus russischer Gefangenschaft heim kam.
Im Februar 1946 bestand der Konvent aus 17 Patres, einem zeitlichen Professen, 19 Brüdern, drei Donaten und drei Postulanten. Von den Mönchen waren 18 älter als 70 Jahre.
Pater Nikolaus Kister war ab Januar 1946 zuerst Rektor, dann Prior von Maria Hain. Ihm oblag es, die Kartause zu schließen.
(vgl.: Wego, Maria Hain)

Montag, 3. Januar 2011

Kartause Maria Hain -8-


Der Zweite Weltkrieg

Der Beginn dieses Krieges brachte manche Veränderung in das Leben der Kartäuser. Da Deutschland sich von nun an im Alarmzustand befand musste das Verdunkelungsgebot eingehalten werden. Deswegen wurden beispielsweise die Metten anstatt um 24 Uhr bereits um 16 Uhr gesungen, Der gesamte Tagesablauf wurde verschoben. Es gab bis nach Kriegsende keinen Nachtchor mehr. Auch die Klausur konnte nicht mehr aufrecht gehalten werden. Ständig mussten die verschiedensten Einquartierungen organisiert werden.100 Soldaten des Polenfeldzuges wurden in der Kirche untergebracht. Auch das Refektorium und andere Räume wurden mit Stroh ausgelegt und standen den Einquartierten zur Verfügung. Später kamen auch französische Kriegsgefangene. Obdachlose wurden untergebracht, vor allem seit den Luftangriffen 1943. Auch Juden wurden versteckt. Die ausgebombten Klarissen fanden ebenfalls Platz in der Kartause. Sogar die feierliche Profess einer Nonne wurde hier abgelegt. Viel Elend und Not prägten das Leben der Mönche in dieser Zeit.
Pater Ludwig Federer, der Prior legte aus gesundheitlichen Gründen sein Amt im Januar 1941 nieder. Der Prokurator Pater Meinrad Fleischmann wurde sein Nachfolger. Im Juni 1943 war er in Breisach, um sich nach einer Unterkunft umzuschauen, falls die Kartause ausgebombt und zerstört würde. Dies passierte aber nicht. Im März und April 1945 verließen die Mönche kaum den Luftschutzkeller. Die Hl. Messen wurden da gefeiert und die Stundengebete gehalten. Die erlösende Nachricht kam am 17. April 1945 um 16 Uhr. Die Amerikaner waren kampflos in Düsseldorf einmarschiert. Die Mönche konnten sich nu wieder frei im Kloster bewegen. Sie feierten dankmessen, dass der Krieg für sie zu Ende und das Kloster verschont geblieben war.
(vgl.: Wego, Maria Hain)

Sonntag, 2. Januar 2011

Kartause Maria Hain -7-


Die Jahre zwischen den Weltkriegen

Nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich die Kartause als große Wohltäterin. Armenspeisungen und Almosengeben waren an der Tagesordnung. An manchen Tagen kamen bis zu 160 Menschen um etwas zum Essen zu erhalten. Diese Not steigerte sich immer weiter. Dazu kamen ab Herbst 1931 gewaltige kommunistische Hetzkampagnen.  Ende dieses Jahres wurden durchschnittlich 232 Mittagessen ausgegeben. Die Maria Hainer Kartäuser waren sehr großzügig, so dass der Generalprior 1935 einschreiten musste, weil die Ausgaben in keinem Verhältnis mehr standen zu den Einnahmen. Vor allem Kinder und Waisenhäuser wurden unterstützt.
Mauritius Schmid war noch immer Prior und leitete die Geschicke der Kartause mit glücklicher Hand. Auch wenn es immer wieder Schwierigkeiten mit den Behörden gab, gedieh die Gemeinschaft. Durch eine Grippeepidemie im Februar 1929 wurden jedoch sechs Todesopfer forderte. Im Mai 1934 wurde Prior Mauritius Schmid nach 34 Jahren in diesem Amt auf sein Bitten hin entpflichtet. Er ging in die Kartause La Valsainte. An seine Stelle trat Pater Ludwig Federer, der bis dahin Prior in der Kartause Pleterje gewesen ist.
Ein neuer Krieg lag in der Luft. Die Kartäuser bemerkten das, obwohl sie kein Radio hatten und keine Zeitung lasen. Am 22. August 1939 wurde Bruder Romuald eingezogen.
(vgl.: Wego, Maria Hain)

Samstag, 1. Januar 2011

Kartause Maria Hain -6-


Der erste Weltkrieg

Während des 1. Weltkrieges wurden 22 Klosterangehörige zum Militär einberufen. Zwei von ihnen sind Gefallen. Einer erhielt schwere Erfrierungen und wurde entlassen. Bruder Quirinus kam am 9. Oktober 1918 ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse nach Maria Hain zurück. Im wurde das rechte Bein amputiert, nachdem er beim Postenstehen schwere Verwundungen erlitt.  Fortan erhielt er wegen der Behinderung eine kleine Rente von damals 135 RM. Er machte später noch den Umzug ins Allgäu mit und arbeitete fast bis zuletzt in der Schneiderei. In seinem 94. Lebensjahr starb er in der Kartause Marienau.

Eine Feuersbrunst verwüstete am 22. Januar 1917 einen Teil von Schloss Hain und den Dachstuhl der Kirche.  Wegen des strengen Frostes waren die Löscharbeiten erheblich erschwert und die Feuerwehr konnte sich nur um die Rettung anderer Gebäude bemühen. Die Stadt Düsseldorf schickte 50 Soldaten in die Kartause, damit sie bei den Aufräumungsarbeiten mithelfen sollten. Der Wiederaufbau sollte zügig vorangetrieben werden. Auch das Schloss sollte wieder errichtet werden, was bedeutete, dass man sich mit der Denkmalbehörde (1917! - mitten im Krieg) um den Wiederaufbau kümmern musste.
Die Turmuhrglocke wurde konfisziert, ebenfalls alle Aluminiumgefäße und -geschirre.

Die Chronik schreibt zu Beginn des ersten Friedensjahres 1919:
„Das neue Jahr beginnt mit innigem Dank gegen Gott, dass er den schrecklichen Blutvergießen ein Ende gemacht hat. Wenn auch die Zukunft düster und gefahrdrohend vor uns liegt, so vertrauen wir doch auf die weise Vorsehung Gottes.“
(vgl.: Wego, Maria Hain)
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