Donnerstag, 1. März 2012

Die Consuetudines


Die Gebräuche der Kartäuser

Die Lebensweise der ersten Kartäuser war noch nicht durch eine bestimmte Regel definiert, wonach sie leben wollten. Ihr Weg war die Nachfolge Christi und ihr Ziel die Vereinigung mit Gott. Alleine die Heilige Schrift und das Beispiel der Väter waren ihnen Richtschnur und Kompass.  Erst der 5. Prior der Chartreuse, Guigo I., sammelte bis 1127 die sich bis dahin heraus kristallisierten „Gebräuche“ der Mönche und schrieb sie in 80 Kapiteln auf. Durch Papst Innozenz II. wurden diese „Consuetudines“ approbiert und bis 1140 in allen bestehenden Kartausen übernommen.

Tatsächlich sind die Consuetudines bis heute die Grundlage der kartusianischen Statuten. Doch war es durch sie alleine nicht möglich, das Leben des sich schnell ausbreitenden neuen Ordens zu lenken. Bereits 1258 wurden erstmals die von den jährlich stattfindenden Generalkapiteln gefassten Beschlüsse und erarbeiteten Verordnungen den Consuetudines zugeordnet; die „Statua antiqua“. Bereits 1368 entstand die „Statua nova“ mit ähnlichen Zusätzen. 

Mit der „Tercia Compilatio“, der dritten Zusammenfassung, von 1509 unter dem Prior François du Puy, wurde die Gesetzgebung des Kartäuserordens weithin abgeschlossen. Dies wird auch dadurch deutlich, dass die neuen „Consuetudines et Statua“ bereits im folgenden Jahr 1510 von Johann Amorbach in Basel gedruckt wurde.

Seite der „Tercia Compilatio“ aus dem Druck von Amorbach in Basel

Doch auch im Mittelalter blieb die Zeit nicht stehen. Alles war einem steten Wandel unterworfen. So wurde nach elfjähriger Arbeit die „Nova Collectio Statuorum“ 1581 veröffentlicht. Sie wurde durch die päpstliche Bulle „Iniunctum nobis“ von Papst Innozenz XI. 1588 approbiert.

Tatsächlich gab es nun im Verlauf der Jahrhunderte nur wenige wesentliche Veränderungen und Ergänzungen. Erst im Zusammenhang mit dem neuen kirchlichen Gesetzbuch (CIC) wurden die Statuten der Kartäuser durch Papst Pius XI. erneut approbiert. 

Weitere Veränderungen wurden Unternommen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1971) und nach der Reform des kirchlichen Gesetzbuches (CIC) 1989.

Zusammenfassung:   

Sämtliche Änderungen der ursprünglichen Consuetudines sind tatsächlich lediglich  Ergänzungen. Was geschrieben wurde, sollte das Leben vereinfachen und nicht verkomplizieren. So wurden die jeweiligen Ausgaben der Ordensstatuten meist „funktional“ geregelt, damit das Ziel des Mönchslebens nicht aus dem Auge verloren wird; wie etwa die Ordnung der Liturgie, aber auch das Leben der Patres in ihrer Zelle, oder das der Brüder und der Schwestern. Ebenso wurden die Verantwortlichkeiten der verschiedenen Observanzen und Ämter geregelt. Was neu aufgenommen worden ist war bereits in der Substanz ihres Mönchslebens  gegenwärtig und längst erprobt. 

Die Änderungen an den Statuten wurden nicht vorgenommen um die Herausforderungen des Kartäuser-Lebens den Bedürfnissen der Welt anzupassen oder gar ihnen unterzuordnen. Das Leben in der Kartause war, ist und bleibt ein Stachel im Leben sowohl der jeweiligen Gesellschaft als auch der Kirche. 

Über den Kartäuserorden können wir aus der Erkenntnis des Vorstehenden wiederholen, was Generationen behaupten: 

 „Cartusia numquam reformata, 
quia numquam deformata"; 

„der Kartäuserorden wurde niemals reformiert, 
weil er nicht deformiert war”.

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