Am
14. August 2014 war Miek Pot bei Beckmann in der ARD (Mediathek, ca. ab Min.33). In
dieser Sendung, wie auch in fast allen Artikeln über sie, wird sie als eine
ehemalige Nonne beschrieben, die 12 Jahre in einem Kloster der Kartäuser gelebt
habe. Auch bei Beckmann wurde sie so angekündigt. Doch, dass sie Kartäuserin
gewesen sei, ist eine falsche Darstellung, ja eine Lüge, gegen die sie wider
besseres Wissen, keinen Einspruch erhob. Auch auf ihrer eigenen Homepage und in
vielen eigenen Artikeln bezeichnet sie sich als ehemalige Nonne der Kartäuser.
Somit schmückt sie sich selbst mit falschen Lorbeeren und belügt alle ihre
Hörer, Leser und Zuschauer.
Warum
stellt sie sich ins Licht, wenn sie vorgibt, eine Kartäuserin gewesen zu sein? Der
Orden der Kartäuser ist fast tausend Jahre alt und wurde von Bruno von Köln
gegründet. Über Jahrhunderte hat sich diese Ordensgemeinschaft den Ruf
erworben, ein strenges, diszipliniertes, entbehrungsreiches und kompromissloses
Leben zu führen. Besonders in der jüngeren Geschichte zeigt sich auch, dass nur
wenige Menschen bereit sind, dieser Berufung, in der Einsamkeit ein
gottgefälliges Leben zu führen, folgen. Somit geht den Kartäusern ein wenig der
Ruf des Elitären voraus. - Außerdem gibt es so viele Ausschmückungen des
Kartäuserlebens, die mit der Wirklichkeit nichts gemein haben; etwa die Mär von
den Kartäusern, die in ihren eigenen Särgen schlafen oder, dass dieser Orden
ein „Schweigeorden“ sei, was es, genau genommen, in der katholischen Kirche gar
nicht gibt.
Was
jedoch wahr ist: die Kartäuser sind entschiedene Gottsucher. Im Schweigen und
in Einsamkeit, aber auch in ihrer Arbeit und den gemeinschaftlichen Übungen ist
es ihr Sinnen, Gott die Ehre zu geben. Nur wegen ihm selbst, wegen dem Herrn
Jesus Christus, tritt ein Katholik in einen Orden ein und erst recht in die
Kartause. Hier gibt es nur wenig Ablenkung und Zerstreuung. Der Mensch wird auf
sich selbst zurück geworfen, muss sein eigenes Elend, seine eigene Kleinheit
erfahren und, was noch wichtiger ist, aushalten, und sich selbst Gott ohne
Bedingungen unterwerfen. Das Kartäuserleben ist ein entschiedenes Leben des
Gebetes und der Kontemplation. Er, Christus, will dieses Leben formen und
umgestalten. Somit wird ein Kartäuser
quasi von Berufswegen zum Spezialisten für Gebet, Kontemplation, Schweigen und
Einsamkeit. Wollte Miek Pot einfach nur davon profitieren, dass sie sich stets als
ehemalige Kartäuserin bezeichnet? - Nun
gut, dass sie keine Kartäuserin war sondern „Bethlehem-Schwester“ fällt
vielleicht wirklich nur denjenigen auf, die sich ein bisschen auskennen. Kommen
wir deswegen zu dem entscheidenden Punkt.
Wenn
jemand wie Miek Pot, über zwölf Jahre Erfahrung im Klosterleben besitzt und
dazu noch in einem mit strenger Klausur, wenn sie ein Buch über dieses Leben
schreibt und in Zeitungen und Zeitschriften über sich berichten lässt und im
Fernsehen auftritt, aber höchsten in einem Nebensatz von Gott redet, kaum von
Jesus Christus, - dann frage ich mich, ob sie nicht etwas entscheidendes
verpasst hat. Das wichtigste im Mönchsleben, im Leben einer Nonne, kommt bei
ihr kaum vor. Sie spricht über das Schweigen und die Einsamkeit und vergisst
die göttlichen Personen. Miek Pot ging nicht ins Kloster um Gott zu dienen, ihn
anzubeten und zu verherrlichen, auch nicht um fürbittend für andere Menschen
vor Gott zu stehen; allein, sie wollte Erfahrungen machen.
Miek
Pot hat im Jahr 2011 im Lübbe Verlag ihr deutsches Buch herausgegeben „In der
Stille hörst du dich selbst. Meine 12 Jahre in einem Schweigekloster“. Bereits der Titel weißt darauf hin: es geht um
die Erfahrung von Stille, um gemachte Erfahrungen und um den esoterischen
Begriff „Schweigekloster“. Der Verlag tut sein übriges dazu und schreibt „Angezogen
von der Aussicht auf Stille tritt sie in den Kartäuserorden ein“ um weiter
fortzufahren „Fast zwölf Jahre verbringt sie im Schweigen, einem Seinszustand,
den sie als inspirierende Versenkung und Weg zu sich selbst empfindet“. Welche
besseren Voraus-setzungen bedarf es also, dieses Buch als Bestseller in den
Esoterikabteilungen der Buchläden, auch und gerade der Klosterbuchhandlungen,
anzubieten um ein Verkaufsschlager zu werden?
Die
Suche nach Stille und „Rettung aus einem ausschweifenden Leben" hat die
gebürtige Niederländerin Miek Pot einst ins Kloster geführt. Im Jahre 1987,
schreibt sie, sei sie in ihr „Kartäuserinnenkloster" eingetreten, das zur
„katholischen Kirche" gehöre. Sie gehörte aber einem 1950 entstandenen
Orden an, der sich zwar zum Teil an der Spiritualität der Kartäuser orientiert,
mehr noch aber auch an der Lebensweise des östlichen Mönchtums. Die Schwestern nennen
sich, und werden allgemeinhin so genannt: „Bethlehem-Schwestern".
Offiziell ist ihr Name „Monastischen Familie von Bethlehem, der Aufnahme
Mariens in den Himmel und des heiligen Bruno".
Schon
während ihres Geschichtsstudiums, das sie eher als eine Party ansah, denn als
ernsthaftes Studium, spürte Miek Pot den Drang, sich mit Spiritualität zu
beschäftigen. Sie übte Zen in einem Trappistenkloster und ging für ein Jahr in
ein Benediktinerinnenkloster ihrer Heimat, dessen Schwestern ihr aber zu alt erschienen,
um selbst dort einzutreten. Die „zahlreichen Gesangsstunden und die täglichen Freizeitmomente",
die sie mit Menschen verbringen musste, die sie sich „nicht selbst ausgesucht
hatte", empfand sie als „Einschränkung auf meinem Weg nach innen".
Während
ihrer Zeit in der Monastischen Familie von Bethlehem lebte Miek Pot in zwei
verschiedenen Gemeinschaften. Eingetreten war sie in das heute nicht mehr
bestehende Kloster in „Marche-les-Dames" in den Ardennen, unweit von
Namur. Aus gesundheitlichen Gründen schickte man sie in ein südfranzösisches
Haus in der Nähe der berühmten ehemaligen Zisterzienserabtei „Le
Thoronet".
Der
Leser des Buches erfährt manch interessantes Detail aus diesem Leben in der
Stille, fragt sich aber, ob sie alle stimmen können. Die Schwestern im Noviziat
wurden durch die „Johannes-Brüder“ in Theologie unterrichtet. Diese seien mit
ihrer „förmlich vor Rom-Hörigkeit triefenden Theologie“ „katholischer als der
Papst" gewesen. Interessant auch, dass sich die Nonnen ihre Haare nicht schneiden
durften und ihr selbst die Haare bis zum Gesäß reichten; - wohl angelehnt an
einen Brauch im östlichen und frühen Mönchtum, wo man die Rasur bei Mönchen
nicht kennt. Tatsächlich dürfen die Haare jedoch gemäß den Vorschriften des
Ordens geschnitten werden.
Miek
Pot suchte die Stille und die Schönheit. Sie verstand darunter beispielsweise
auch ihre Weiblichkeit. So habe es im Kloster keinen Spiegel gegeben haben. Sie
erbat sich dann einen und bekam tatsächlich eine Spiegelscherbe. Gerne hielt
sie ihr Gesicht in die Sonne, um braun zu werden. In der Fastenzeit machten die
Schwestern „Übungen“, bei denen sie sich „mit dem Gesicht nach unten zu
Boden" warfen. Dies sei „einige Hundert Mal am Tag" geschehen. Ihr
seien diese Übungen zwar „gegen den Strich" gegangen. Sie akzeptierte sie
aber, weil sie aufgrund mangelnder Bewegung „vermutlich gesund und auch
notwendig" gewesen seien. Sie verschweigt dabei, dass sowohl der Begriff „Metanoia",
als auch die in ihrer Gemeinschaft gemachten Übungen, in Wirklichkeit dem
östlichen Mönchtum entlehnt waren. Die Gläubigen werfen sich vor dem Kreuz oder
vor Ikonen nieder, beziehungsweise sie verneigen sich vor ihnen und bekreuzigen
sich. Es sind Zeichen der Anbetung oder der Buße.
Die
Ehemalige Nonne wurde später wieder aus Südfrankreich zurück in das Ardennenkloster
zurück versetzt. Von hier aus sollte sie, ob ihrer niederländisch-flämischen
Muttersprache, den Orden mit unterstützen und eine Gründung im flämisch-sprachigen
Belgien vorbereiten. Bei der Gründung eines Klosters gelte es, viele
bürokratische und finanzielle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das fiel ihr
nach eigenem Bekunden aber schwer und sie litt darunter. In jener Zeit seien
auch die neuen Ordensstatuten bearbeitet worden und mussten jetzt im
Alltagsleben umgesetzt werden. Miek Pot fühlte, dass dadurch ihre „bisherigen
Bezugssysteme" zusammengebrochen seien. Ihr waren all diese Dinge zuwider
und führten schließlich zu ihrem Entschluss, den Orden zu verlassen.
Die
Lektüre des Buches ist stellenweise wirklich interessant, besonders im ersten
Drittel. Doch tatsächlich kann der gewählte Untertitel dem Inhalt des Buches
nicht gerecht werden, denn lediglich zwischen den Seiten 21 und 88 wird über das
Klosterleben berichtet. Der Größte Teil ihres 235seitigen Werkes, das in seiner
deutschen Ausgabe aus zwei im niederländischen original erschienene Bücher entstanden
ist, widmet Miek Pot indes spirituellen Impulsen über das Sitzen, das
Schweigen, die Stille oder die Kontemplation, wie man sie ähnlich in so vielen
Werken auf dem esoterischen Buchmarkt finden kann. Substanzielles über den
geistlichen Weg der Autorin ist dabei nicht zu entdecken. Auch, und das habe
ich oben bereits angedeutet, vermisst der Leser etwas dezidiert „Katholisches"
in einem Buch, das doch über zwölf Jahre Leben in einem katholischen Orden
berichten möchte. Jedenfalls kommen Jesus Christus und Gott in dem Buch, außer als
Randbemerkungen, nicht vor.
Außerdem
finden manche Fachbegriffe eine unpräzise Verwendung. Die Priorin des Klosters wird
einmal als „Beichtschwester" bezeichnet. Meistens aber wird sie im Buch
„Starets" oder „Starezi" genannt. Pot meint damit ihren „persönlichen
Coach", Richtig wäre „Starez" in der Bedeutung von „geistlicher
Führer", nicht jedoch in der Bedeutung von „Beichtvater" zu wählen.
Besonders in der Philokalie, einer Sammlung der Lehren des östlichen Mönchtums,
wird der „Starez" als ein Lehrer des geistlichen Lebens beschrieben, der
in der Darstellung des Jesusgebetes besondere Bedeutung gewann.
Miek
Pot hat eine Chance vertan, zum Wesentlichen der Suche nach Stille vorzudringen,
die kein Selbstzweck sein kann, weil sie für den Christen immer die Suche nach
Gott beinhaltet. Aber vielleicht war dies auch nicht das Ziel des Buches.
Ja,
ich bin sicher, es war nicht ihr Ziel. Vielmehr hat sie schnell erkannt, dass
sie mit ihren „Erfahrungen“ Geld verdienen kann. Sie hat gespürt, dass sie damit
Menschen anspricht, dass sie das Zeitgefühl dieser Dekade getroffen hat. Miek Pot leitet und besitzt heute ein eigenes
Meditationszentrum in den Niederlanden. Sie reist viel und schreibt über ihr
Thema, auch in Deutschland und auch in katholischen Zeitschriften.
Aus
katholischer Sicht ist sowohl von dem Buch als auch von anderen Aktivitäten um
die Person von Miek Pot abzuraten.
Den
Medien ist zu raten, dass sie nicht in weiten Teilen die Dummheit und
Unwissenheit der Menschen voraussetzen, sondern besser recherchieren. Doch dies
ist alleine mit „geschulten“ sondern nur mit gebildeten Mitarbeitern möglich.