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Dienstag, 3. Januar 2012

Zweckmäßig

Monastische Familie von Bethlehem, 7


Der Vorraum (Praecella) dient der Lagerung von Holz und dem eventuell notwendigen Gespräch mit einer Mitschwester. Das Deambulatorium erschließt die verschiedenen Bereiche der Zelle, auf sechs Quadratmetern kann die Nonne körperliche Übungen machen, falls der Garten zugeschneit ist. Von hier aus führt eine Treppe in den Arbeitsraum (Laboratorium) und eine in das zweigeschossige Oratorium, wo die Gebetsstunden verbracht werden. Im Cubiculum mit eingebauter Dusche und WC wird auf acht Quadratmetern geschlafen und gegessen, darüber liegt eine winzige Studierstube (Skriptorium). In der oberen Zellenreihe liegen die Wohnbereiche im Obergeschoss - mit freiem Bergblick nach Süden; die untere Reihe schaut auf den kleinen Teich mit dem Pavillon, in dem sich die Schwestern vor den Gottesdiensten sammeln. Dazwischen liegen die grasbewachsenen Kreuzganghöfe, deren konzentriertes Raumgefühl man nur ahnen kann. Talseitig vor der Kirche steht auf einer halbkreisförmigen Wiese ein schlichtes Holzkreuz. Hier ist der Platz für den Friedhof. Noch gibt es keine Gräber.
Der ganze Arikel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/im-kartaeuserkloster-hier-ist-raum-fuer-die-grosse-stille-geschaffen-11577791.html

Viele junge Frauen schenken sich ganz Gott

Montag, 2. Januar 2012

Hingeordnet für das Gebet

Monastische Familie von Bethleem, 6


Der Kirchenraum ist schwach erleuchtet, die Akustik überraschend gut. Wer Gottesdienstroutine kennt, wird sie hier vergeblich suchen. An den Kirchenraum schließt sich das Refektorium an, im Obergeschoss die dem Vernehmen nach sehr gut sortierte Bibliothek. Radio, Fernsehen oder Internet gibt es im Kloster nicht, Telefon und eine Tageszeitung sind die Verbindungen zur Außenwelt, jenseits der Nachrichten, die Besucher bringen. Der Wirtschaftstrakt liegt zentral für eine einfache Essensversorgung; die längste Zeit des Tages ist der Einsamkeit und dem Gebet in den zweigeschossigen Zellen vorbehalten. „Keine kann der anderen in den Garten schauen“ - so verlangt es die geheime Ordensregel. Jeder Zelle ist ein Atelier zugeordnet, in dem die Schwestern Kunsthandwerk für den Klosterladen herstellen: Keramik, Kruzifixe, Rosenkränze.

Die Anordnung der Baukörper spiegelt die schrittweise Entwicklung hin zu Stille und Einsamkeit wider. Sie versucht mit einfachen Mitteln auszukommen, was wegen der Steilheit des Geländes nicht immer möglich war: Massive Stützwände waren nötig, um den Hang abzufangen. Die Häuser sind aus Fichte-Massivholz-Platten gebaut, weil diese einfach vorzufertigen und zu montieren sind. Fassadenverkleidung und Dachschindeln sind aus heimischem Lärchenholz. Das Kernstück der Kartause, diese zentrale Leistung des Architekten in puncto Raumeinteilung, ist dem Laien verschlossen. Dabei hat der Baumeister auf deren Gestaltung „am meisten Hirnschmalz“ verwendet, schließlich sind dort auf einem Grundriss von 4,5 auf 4,85 Metern gleich mehrere Räume untergebracht.

Der ganze Arikel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/im-kartaeuserkloster-hier-ist-raum-fuer-die-grosse-stille-geschaffen-11577791.html

Die Reihe der "Kartausen", der Zellen

Sonntag, 1. Januar 2012

Kirchbau

Monastische Familie von Bethlehem, 5

Die Kirche ist mit dem Altar exakt nach Osten ausgerichtet und mit drei Dutzend Metern Länge die größte Holzkirche Österreichs. Das mächtige Tonnengewölbe ist mit Zirbelholz verkleidet, strenge Symmetrie herrscht in allen Bauteilen: jeweils fünf Rundbogenfenster, ein erhöhtes Presbyterium mit einem kubischen Altartisch von je einem Meter Seitenlänge. Das schlanke Chorgestühl haben Freunde des Klosters aus Vorarlberg gebaut. Durch einen verwinkelten Gang ist es Laien möglich, auf der Empore an den Messen teilzunehmen. Um 16.30 Uhr wird Vesper gefeiert, sie dauert neunzig Minuten einschließlich einer abschließenden halben Stunde stiller Einkehr, die von einem „Salve Regina“ beschlossen wird. Während draußen früh die Winternacht hereinbricht, zelebriert ein Priester die mit ostkirchlichen Elementen angereicherte Liturgie, die das Beten mit dem ganzen Körper kennt: die tiefe Verbeugung, den Bodenkuss, das hingestreckte Liegen.

Der ganze Arikel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/im-kartaeuserkloster-hier-ist-raum-fuer-die-grosse-stille-geschaffen-11577791.html

Kinderalm, die neue Kirche

Samstag, 31. Dezember 2011

Auch in Deutschland

Monastische Familie von Bethlehem, 4

Die Kleinen Schwestern unterhalten derzeit weltweit dreißig Klöster, zwei weitere in Mexiko und Jordanien sind in Gründung. In Deutschland scheiterte eine Ansiedlung in der Lüneburger Heide; einen Platz fand der Orden schließlich mit dem Kloster Marienheide in der Diözese Fulda. Die Schwestern wollen keine Öffentlichkeit, auch die Priorin auf der Kinderalm macht keine Ausnahme. Dass das Haus gefüllt ist, die vierzig Zellen besetzt sind, ist aber ebenso wenig ein Geheimnis wie der steinige Weg zur Ewigen Profess. Zehn Jahre werden die Schwestern geprüft und prüfen sich selbst. Jeder Tag beginnt mit dem ersten Gebet um halb vier in der Frühe, Nachtruhe ist um 19 Uhr. Am Sonntag stehen gemeinsames Essen, Gespräch und Spaziergang an, zweimal im Jahr eine ganztägige Wanderung.

Der ganze Arikel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/im-kartaeuserkloster-hier-ist-raum-fuer-die-grosse-stille-geschaffen-11577791.html

Nach der Kirchweihe des Klosters in Wollstein, Bistum Fulda

Freitag, 30. Dezember 2011

"Ableger" der Kartäuser

Monastische Familie von Bethlehem,3

Die Kartäuser sind der bedeutendste Eremitenorden der katholischen Kirche. Nicht nach Zahlen, weltweit gehören der Gemeinschaft nur ein paar hundert Mönche an. Sie leben einen Spagat: Sie sind Einsiedler, die dennoch in naher klösterlicher Gemeinschaft leben. Beten, essen, arbeiten, das geschieht in einer Eremitage. Innerhalb der Kirche sind die kontemplativen Orden hoch angesehen - sie gelten als ein Selbstvergewisserungsinstrument, das sich ausschließlich um einen Aspekt des Kerngeschäfts kümmert.

Die Kleinen Schwestern von Bethlehem, auch Monastische Familie von Bethlehem genannt, sind im strengen Sinn keine Kartäuser, orientieren sich aber an der Ordensregel des heiligen Bruno, der 1084 mit der Grande Chartreuse das heute noch existierende Stammhaus der Kartäuser in den französischen Seealpen baute. Weltlich berühmt ist es durch den Kräuterlikör Chartreuse. Das Leben der dortigen Mönche wurde 2005 von dem deutschen Dokumentarfilmer Philipp Gröning kongenial in „Die große Stille“ dokumentiert. Er hatte mehr als zehn Jahre auf die Drehgenehmigung warten müssen. In den Kartausen regiert ein anderes Zeitmaß.

Die erste Klosterkirche der Kinderalm

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Der Anfang auf der Kinderalm

Monastische Familie von Bethlehem, 2

Ein paar hundert Meter bergauf dann die dunkel gebeizte Pforte zum Klausurbereich: Das Gelände ist zur Gänze von einem hohen Maschendrahtzaun umgeben, Schutz von außen wie innen, heißt es: Schaulustige würden sonst ungehemmt ins Kloster strömen, ein Leben nach der Ordensregel wäre nicht mehr möglich. Als sich die 1960 als Orden anerkannten Monialen von Bethlehem 1984 auf der Kinderalm ansiedelten, gab es im Tal Widerstand aus der Politik und von Seiten des Naturschutzes. Wieso mitten im Wald, reine Kontemplation, kein karitativer Einsatz - so und ähnlich lauteten die Einwände. Die Rodung von 0,7 Hektar Bergwald, vor der Baugenehmigung ein komplizierter Grundstückstausch, lange Rechtsstreitigkeiten - daran erinnert sich der Architekt. „Es war gut, dass wir diese Widerstände überwinden konnten mit der Kraft unserer Argumente. So waren am Ende alle wirklich überzeugt, und das ist immer besser.“ 

Auszüge aus:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/im-kartaeuserkloster-hier-ist-raum-fuer-die-grosse-stille-geschaffen-11577791.html


Das Kloster "Kinderalm" - heute

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Neue "Kartäuserinnen"

Im Feuilleton der FAZ vom 23.12.2011 erschien ein Bericht über den österreichischen Architekten Matthias Mulitzer. Er arbeitet für die verschwiegensten Bauherren der Welt, denn er plant Klöster für Eremitenorden.

Einige Ausschnitte aus diesem Bericht lassen einen Blick zu auf die "Kinderalm", das Kloster der Kleinen Schwestern von Bethlehem, auch Monastische Familie von Bethlehem genannt, im Pongau im Salzburger Land.

Monastische Familie von Bethlehem, 1

Ein Sturm hat die Bergfichten umgemäht, nun liegt das Kloster „Maria im Paradies“ ohne Sichtschutz von oben da. Umso deutlicher erschließt sich die kongeniale Idee des Architekten, die Anlage in eine Mulde zu ducken, sie ans Gelände zu schmiegen. Die drei Zellenreihen formen einen sanften Bogen. Das Ensemble vermittelt Leichtigkeit, hat beinahe etwas Verspieltes - trotz der Strenge und Kompaktheit wirkt es filigran. Als wäre es eins mit dem Berg. Nur der Klang der Turmglocke schwingt in die Stille. (...). Die Anfänge des Ordenslebens auf der Kinderalm waren von Entbehrungen geprägt. Ein paar zugige Hütten hatten im ehemaligen Lungensanatorium als Liegestätten gedient. Notdürftig winterfest gemacht, überlebten darin die ersten Schwestern die schneereiche Zeit. Eine Ahnung davon kann man heute noch im Unteren Haus bekommen, jenem Bereich des Klosters, der Laien den Zutritt gestattet. Dort können Besucher und Familienangehörige für ein paar Tage Einkehr halten. Eine dunkle Kapelle, simpel wie eine Baracke verbrettert, dient der Sammlung. Aus der Decke hängt das Glockenseil, das eine lautlos aus dem Dämmer auftauchende Schwester mit ganzem Körpereinsatz in Bewegung setzt. Betschemel stehen da, drei Gläubige knien oder liegen flach auf dem Boden, lebensgroße Ikonen verweisen auf die Tradition der Orthodoxie.
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