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Freitag, 25. April 2014

Loben oder Bitten

Wir haben die Verpflichtung Gott mehr zu lieben als uns selbst. Es ist gerechter, sich mit dem Lob Gottes zu beschäftigen als für sich selbst zu bitten.
 
Nur wenn sein Leben vor Gott Akzeptanz findet, nur dann ist jemand für das Lob Gottes geeignet.

Es ist offenkundig, dass es würdiger und göttlicher ist, Gott zu loben als zu bitten, wenn nur das Herz vom Nebel der Laster und von der Dunkelheit der Werke der Finsternis gereinigt ist.

Solange es nämlich von den Leidenschaften des Zorns und des Hochmuts belastet wird, sowie von den fleischlichen Lastern und der geistlichen Trägheit bezwungen, ist es mehr von Nutzen, sich dem Gebet zu widmen als dem Lob.

(Dionysius Carthusianus, Messerklärung + Dialog über das Altarsakrament und die Messfeier, 2011, 116)


Dionysius Carthusianus

Siehe auch hier und hier und hier.

Freitag, 7. Juni 2013

Deutsche Kartäuser und das „Herz Jesu“, 2

Mit erhabenem Gebetsleben und außergewöhnlichen mystischen Gnaden findet sich bei Dionysius dem Kartäuser (1402-1471) eine staunenswerte Gelehrsamkeit und literarische Fruchtbarkeit vereinigt. Neben Albertus Magnus gilt Dionysius als der größte Theologe, den Deutschland im Mittelalter hervorgebracht hat. Nicht minder groß ist er als Mystiker. In seinen Schriften kommt seine Herz-Jesu-Verehrung zum Ausdruck. In ihnen leitet er die Novizen an, im bitteren Leiden des Herrn auf die Gesinnung seines liebreichen Herzens zu achten.

+++
Man führte den Heiland ins Präsidium, um ihn zu geißeln.
Er lässt diese Marter freiwillig und ohne Widerstreben zu, mit einem Herzen voll Liebe, das danach verlangt, um unseretwillen eine so schmachvolle Strafe zu leiden.
Auf dem Kalvarienberg reißen ihm die Henker in grausamer Weise die Kleider von seinem heiligen Leibe. O, wie musste hierbei das göttliche Herz Jesu wiederum leiden, dieses so unschuldige, so schamhafte, so keusche Herz.

+++ 

O mein Herr und mein Gott,
es reuet mich, dich beleidigt,
deine heilsamen Ermahnungen
und inneren Einsprechungen verachtet
und dich nicht über alles geliebt zuhaben.
O gib mir die Gnade, dass mein Herz
davon ergriffen werde und ich
den Rest meines Lebens diese,
 meine Undankbarkeit, beweine.
Warum vermag doch meine Liebe und
mein Schmerz nicht alle meine Blutstropfen
in dein heiligstes Herz auszugießen,
um sie dir mit meinen Tränen aufzuopfern?
O mein Jesus, ich verlange weder
Leben noch Tod von dir.
Was ich wünsche, ist einzig und allein,
dass in allem nach deinem Wohlgefallen
dein heiliger Wille sich an mir erfülle.


(gefunden bei dicebatdismas)


Montag, 20. Mai 2013

Mystica Theologia

Die höchste menschenmögliche Erkenntnis, die mystica theologia ist für Dionysius grundsätzlich eine intellektuelle Tätigkeit:

Ihm zufolge, und darin geht er auch mit dem Aquinaten konform, bedeutet Gotteserkenntnis, auch in ihrer höchsten Form, nie eine Absage an den Verstand.

Der Areopagite gilt ihm aber als Theoretiker des Über-Natürlichen. Und so schöpft er reichlich aus diesem Autor, wo es um Aussagen zur Transzendenz, dem „Über-Steigen" des göttlichen Wesens geht.

(Vgl. Claudia Barthold in Dionysius Carthusianus, 32f)


Sonntag, 19. Mai 2013

Positive Theologie

Dionysius schöpft aus der Gedankenwelt des Areopagiten:

Eine zentrale metaphysische Konzeption besteht in dem neuplatonisch geprägten Modell eines Stufenkosmos mit hierarchischer Ordnung.

Diesen Entwurf verbindet er in seinen theologischen Darlegungen mit der aristotelisch-thomasischen Analogiekonzeption. Bekanntheit erlangt hat Pseudo-Dionysius mit seinem Ansatz einer theologia negativa.

Darin folgt Dionysius Carthusianus seinem Lehrer, insofern er die Verneinung aller Begriffe für Gott als angemessenste Denkform erachtet. Doch faktisch spielt bei ihm die negative Theologie keine nennenswerte Rolle, sondern er fokussiert den positiven Aspekt der Gotteserkenntnis.

(Vgl. Claudia Barthold in Dionysius Carthusianus, 32f)


Samstag, 18. Mai 2013

Der Namenspatron

Wie die scholastische Epoche überhaupt hegt Dionysius Carthusianus große Wertschätzung für den spätantiken Autor, den er als seinen Namenspatron verehrt. Dem damaligen Kenntnisstand entsprechend identifiziert er Pseudo-Dionysius mit dem Paulusschüler aus der Apostelgeschichte und weist ihm von daher hohe Autorität zu.

Gegen Ende seines Lebens verfasst Dionysius einen Kommentar zum Gesamtwerk des Pseudo-Dionysius. Auch mit dieser Kommentierung wandelt er in den Spuren seiner scholastischen Meister, des Thomas von Aquin, des Albertus Magnus und aus der Frühzeit der Scholastik des Hugo v. St. Viktor.

(Vgl. Claudia Barthold in Dionysius Carthusianus, 32f)



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