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Sonntag, 17. Februar 2013

Goldener Brief

Ab heute steht den Lesern der "Goldene Brief" von Wilhelm von Saint-Thierry in fortlaufender und gut lesbarer Form zur Verfügung. Siehe rechts unter Seiten.

Es sei hier darauf hingewiesen, dass die Erlaubnis zur Veröffentlichung in meinem Blog eingeholt und erteilt worden ist.


Sonntag, 10. Februar 2013

Goldener Brief 300

300. Darum muss der Denkende sich in allen Dingen demütigen und in sich dem Herrn, seinem Gott, die Ehre geben. Er muss in der Schau Gottes sich selber gering werden, sich in der Liebe zu seinem Schöpfer jedem menschlichen Geschöpf unterwerfen (1 Petr 2,13), seinen Körper als heiliges, lebendiges, Gott wohlgefälliges Opfer darbringen, als seinen geistigen Gottesdienst (Röm 12,1). Vor allem aber soll er nicht weiser sein, als es sich geziemt, sondern weise sein in Nüchternheit, nach dem Maß des Glaubens, das ihm von Gott gegeben ist (Röm 12,3). Er soll das Gute seines Lebens nicht vor den Menschen zur Schau stellen, sondern in seiner Zelle verheimlichen und in seinem Gewissen verbergen. Und dieses Wort soll er immer wie eine Aufschrift über seinem Gewissen und über seiner Zelle haben: "Mein Geheimnis ist bei mir, mein Geheimnis ist bei mir" (Jes 24,16).

(Ende des Textes)


Samstag, 9. Februar 2013

Goldener Brief 299

299. Gott zu begreifen, sind wir ganz und gar unfähig. Aber er, den wir lieben, vergibt uns. Und obwohl wir bekennen, dass wir von ihm weder würdig sprechen noch über ihn würdig denken können, werden wir dennoch durch seine Liebe aufgerufen und angetrieben, von ihm zu sprechen und über ihn nachzudenken.




Freitag, 8. Februar 2013

Goldener Brief 298

298. Wenn er manchmal zu dieser Schau zugelassenwird, sieht er im Lichte der Wahrheit selbst unzweifelhaft die zuvorkommende Gnade. Wenn er von hier zurückgewiesen wird, erkennt er selbst in seiner Blindheit, dass seine Unreinheit mit der Reinheit Gottes nicht zusammenstimmt. Und wenn er liebt, ist es für ihn süß zu weinen und ohne viel Seufzen fühlt er sich gezwungen, zum Wissen um sich selbst zurückzukehren.




Donnerstag, 7. Februar 2013

Goldener Brief 297

297. Das ist nämlich das Angesicht Gottes. Niemand kann es sehen und zugleich für die Welt leben. Das ist die Schönheit, die jeder zu schauen wünscht, der danach trachtet, Gott, seinen Herrn, mit ganzem Herzen zu lieben, mit ganzer Seele, mit seinem ganzen Gemüt und mit allen seinen Kräften (Dt 6,5; Mt 22,37; Mk 12,30; Lk 10,27). Er hört auch nicht auf, seinen Nächsten dazu aufzufordern, wenn er ihn liebt wie sich selbst (Mk 12,31).






Mittwoch, 6. Februar 2013

Goldener Brief 296

Abschluss: Aufruf zur Demut

296. Wer also dieses unaussprechbare Sein sehen will - nur unaussprechbar kann es gesehen werden - soll sein Herz reinigen. Denn nicht kann es durch körperliche Ähnlichkeit von einem Schlafenden, durch körperliche Gestalt von einem Wachenden, durch irgendein Forschen des Verstandes, sondern nur vom reinen Herzen eines demütig Liebenden gesehen oder erfasst werden.

Dienstag, 5. Februar 2013

Goldener Brief 295

295. Dieses Leben ist das höchste Sein, von dem jedes Sein hervorgeht. Es ist die höchste Substanz, nicht sprachlicher Aussage unterworfen, sondern zugrunde liegendes, ursächliches Prinzip aller Dinge. In ihm stirbt unser Sein nicht, unser Verstand irrt nicht und unsere Liebe geht nicht fehl. Immer wird er gesucht, um süßer gefunden zu werden. Am süßesten wird er gefunden, um mit größerer Aufmerksamkeit gesucht zu werden.




Montag, 4. Februar 2013

Goldener Brief 294

294. Für ihn ist das Leben sein Wesen selbst, seine Natur; lebendiges Leben ist er für sich selbst. Das ist für ihn die Gottheit selbst, die Ewigkeit, Größe, Güte und Macht, die in sich selbst ist und besteht, jeden Ort überschreitend kraft seiner nicht ortsgebundenen Natur und durch seine Ewigkeit jede Zeit, die mit dem Verstand oder durch eine Vorstellung erfasst werden kann. Das ist viel wahrer und überragender, als man es in irgendeiner Weise des Denkens denken kann; aber dennoch ist es mit größerer Sicherheit durch den Sinn einer demütigen und erleuchteten Liebe zu erreichen, als durch irgendein Denken des Verstandes. Er ist immer besser, als man denken kann. Dennoch kann man leichter von ihm denken als von ihm sprechen.






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