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Samstag, 4. April 2015

Karwoche – Samstag

Gehorsam ist besser und größer als Schlachtopfer.
Es sind aber drei Dinge in der Welt, die uns gekreuzigt werden müssen und wir ihnen, denn Johannes sagt: »Alles, was in der Welt ist, ist entweder Begierde des Fleisches oder Begierde der Augen oder Hochmut und Hoffart des Lebens.« [1. Joh. 2,16.]

Die Kreuzigung dieser drei geschieht durch die drei Gelübde der Ordensleute, die wahrhaft geistige Märtyrer sind.
- Zum ersten besteht das Martyrium im Zurücklassen aller zeitlichen Wünsche;
- zum zweiten im heftigen Widerstand gegen die Begehrlichkeit des Fleisches - und je tapferer dieser Kampf gekämpft wird, desto ruhmvoller ist der Sieg des Martyriums -;
- zum dritten in der Absagung des eigenen Willens, denn nach Gregor (d. Gr.) wird durch den Gehorsam der Eigenwille geschlachtet und durch diese Opferung »fremdes Fleisch«, Opferfleisch; deshalb kann gesagt werden:
Gehorsam ist besser und größer als Schlachtopfer.

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)


Freitag, 3. April 2015

Karwoche – Freitag



Der Welt gekreuzigt
Es muß bemerkt werden, daß der Apostel nicht ohne Grund beide Seiten genannt hat: ihm ist die Welt gekreuzigt und er der Welt. Meistens trifft es sich doch so, daß der Mensch nicht die Welt hält, sondern die Welt den Menschen in ihren Inanspruchnahmen festhält. Nun ist dieser Mensch für die Welt tot; die Welt aber begehrt ihn als Lebendigen! Denn in dieser Zeit - des Lebens - strengt sie sich ja an, den Menschen in seinen Taten zu fangen und zu Fall zu bringen. Aber - nach Gregor dem Großen - hat weder Paulus von der Welt Ruhm gesucht noch ist er vom Ruhm der Welt gesucht worden; deshalb rühmt Paulus sich zu Recht, daß er der Welt und die Welt ihm gekreuzigt worden ist.

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)

Donnerstag, 2. April 2015

Karwoche – Donnerstag

Ganz auf-Sich-nehmen
Dieses »das Kreuz muß auf sich genommen werden« kann auch auf andere Weise zweifach ausgelegt werden.
- Einmal, das körperliche Kreuz, so wie es bei den Märtyrern zutrifft; unter diesem Kreuz können alle Arten des Martyriums, des Todes also gesehen werden und auch Versuchung und Zurichtung der Seele, jedwede andere Bestrafung oder Gefahr für Christus auf sich zu nehmen. Dann nämlich - so sagt Augustinus - nehmen wir unser Kreuz auf, wann immer und was für Strafen wir auch immer für Christus freiwillig annehmen, auf uns nehmen.
- Zum anderen soll über das geistige Martyrium ausgeführt werden, wie es für die Ordensleute und Vollkommenen zutrifft. Über dieses Martyrium sagt der Apostel: »mir ist die Welt gekreuzigt und ich der Welt« [Gal. 6,14]. Das bedeutet - nach dem Kommentar -: die Begehrlichkeiten der Welt haben in mir keine Macht und keine Heimstatt, die Welt hat sich nicht in mich hineingedrängt; ich bin ihr gegenüber der Starke.

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)


Mittwoch, 1. April 2015

Karwoche – Mittwoch

Das Kreuz tragen.
Es muß erkannt und sich bewußt gemacht werden, daß das »Kreuz-auf-sich-nehmen« dreifach verstanden werden kann, nämlich
- als Abtötung des Fleisches,
- als Mitleiden mit dem Nächsten und
- als Auf-sich-nehmen des Martyriums.

Dazu sagt Hilarius:
»Dem Herrn muß nachgefolgt werden durch Aufnehmen des Kreuzes, auch des Leidens; er muß aus dem Willen heraus, mit ganzem Wollen, begleitet werden, nicht aus Zufall.«

Und der Bischof Maximus sagt hierzu:
»Es gibt zwei Arten des Sich-Enthaltens und des Kreuzes,
- die eine ist eine körperliche, das heißt, Enthaltung von Vergnügungen und Freuden und anderen Dingen, welche uns in die Irre leiten, davon sind die Sinne mannhaft zurückzurufen und mit aller Kraft wegzuziehen und zu zügeln.
- Die andere Art ist geistig; diese ist schön und glänzend, und sie ist erhabener, nämlich: die Regungen der Seele zu beherrschen und ihre Verwirrungen zu besänftigen, die anstürmenden Laster zu bezwingen und zu zügeln und täglich gegen sie zu kämpfen und den Streit, die Zerrissenheit im inneren Menschen zu schlichten und zu überwinden.« Soweit Maximus.

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)

Dienstag, 31. März 2015

Karwoche – Dienstag

Nicht Mein Wille
Also, Absage, Verleugnung muß geschehen, 
muß sein, 
um allen Sehnsüchten des Fleisches und 
allen Begehrlichkeiten der Welt 
sich vollkommen zu widersetzen und 
beim Tun des Guten 
keine persönliche Zustimmung noch Beifall 
noch überhaupt menschliche Anerkennung zu suchen, 
sondern in allem, das wir tun, 
allein die göttliche Ehre vor Augen und 
zum Ziel zu haben, so daß wir aufrichtig und 
wahrhaftig mit Christus sagen können: 
»Ich bin gekommen, 
nicht meinen Willen zu tun, 
sondern den Willen dessen, 
der mich gesandt hat.«

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)

Montag, 30. März 2015

Karwoche – Montag

Verleugnung seiner selbst
»Wenn jemand mir nachfolgen will«; das meint: wenn jemand die Vollkommenheit des christlichen Lebens erreichen will, dann soll er das im Folgenden Genannte tun: »er verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«
Hier wird dreifach ausgedrückt, worin die Vollkommenheit christlichen Lebens besteht.
- Das erste ist die Selbstverleugnung,
- das zweite ist das Tragen des Kreuzes, und
- das dritte ist, Christus nachzuleben, zu leben wie er lebte und zu tun wie er tat.

Was zum ersten gewußt werden muß: um Christus nachzufolgen, muß ein Mensch dreifach absagen, verleugnen; zum ersten seiner Habe, gemäß dem Wort: »Wer nicht allem, das er besitzt, absagt, der kann nicht mein Jünger sein.«
- Dann: den Seinen, gemäß dem Wort: »Wenn jemand zu mir kommt, und nicht seinen Vater und seine Mutter haßt und sein Weib und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, der kann nicht mein Jünger sein.« [Lk. 14,26.]
- Und dann: seiner selbst, gemäß dem Wort, das gesagt ist: »er verleugne sich selbst«; das meint: »feine Lebensart« und Sündiges abwerfen, und sich zum Besseren hinwenden; der Mensch soll aufhören zu sein, was er war, und er soll beginnen zu sein, was er noch nicht war, und das eine soll aus dem anderen wirksam werden.
- Und dann: den eigenen Willen, den Eigenwillen verleugnen, das ist viel mehr als Dingen einfach abzusagen oder sie von sich zu werfen. 
Dazu sagt Prosper: 
»Was nützt es den Menschen, wenn sie ihre Habe und ihre Möglichkeiten wegwerfen und aufgeben, wenn sie den Eigenwillen, das Über-sich-selbst-bestimmen-Wollen, nicht hinter sich lassen? Denn es ist bei weitem vortrefflicher, dem eigenen Wollen, den eigenen Wünschen abzusagen als persönlichen Dingen.«

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)

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