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Sonntag, 11. November 2012

Ein Stück Fundament (4 von 4)

... vom Kreuzgang der Kölner Kartause


(4)
Manche mögen sich fragen, wozu so viel klösterlicher Aufwand mit seinen vielen verschiedenen Gebäuden und komplizierten Gebräuchen betrieben wurde und immer noch betrieben wird. Lassen wir es uns vom heiligen Bruno, dem aus Köln stammenden Gründer des Ordens der Kartäuser, in einem Brief an Radolf selbst sagen:
 »Welchen Gewinn und göttlichen Genuss die Einsamkeit und das Schweigen der Einöde denen bereiten, die sie lieben, wissen nur, die es verkostet haben. Denn hier können mutige Männer nach Wunsch sich sammeln und in ihrem Innern Einkehr halten, mit Fleiß die Tugendkeime hegen und sich selig an den Paradiesfrüchten laben. Hier empfängt das Auge jenen Glanz, der wie ein Liebespfeil das Herz des Bräutigams verwundet, und erstrahlt in jener Reinheit, die Gott schauen darf. Hier arbeitet man mühevoll, aber mit Muße, und rastet im Tun, aber mit Ruhe. Hier verleiht Gott seinen Streitern für die Kampfesmühe den willkommenen Lohn: den Frieden, den die Welt nicht kennt, und die Freude im Heiligen Geiste.« 
(Zadnikar, Marijan, Die Kartäuser, Köln 1983, 213)

(aus: Una Voce Korrespondenz 1. Quartal 2012)

Samstag, 10. November 2012

Ein Stück Fundament (3 von 4)

... vom Kreuzgang der Kölner Kartause


(3)
Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges machten die bisherigen Aufbauarbeiten zunichte. Größte Schäden waren zu vermelden. Die renovierte Kirche wurde stark in Mitleidenschaft gezogen und das Kapitelhaus gänzlich zerstört. Überreste der Kreuzgänge waren dem Erdboden gleich und die Brüdergebäude bestanden nur noch aus ihren Außenmauern. Wiederum standen umfängliche Wiederaufbaumaßnahmen bevor.

Zuerst konnte die dreiflügelige Anlage des ehemaligen Brüderhauses wiedererrichtet und in Gebrauch genommen werden. Die Kirche wurde bis 1953 wiederhergestellt, an ihrer Nordseite angelehnt die Engel- und die Marienkapelle; ebenso die Sakristei. Das an die Apsis der Kirche angrenzende Kapitelhaus wurde erst 1984 wiederaufgebaut. Alle diese Gebäude dienen heute der evangelischen Gemeinde Kölns als Akademie, als Familienzentrum, als Alten- und Pflegeheim, als Hospiz sowie weiteren Angeboten.

Die Kirche grenzt heute an ihrer Südseite an eine rechteckige Grünfläche, die einst der kleine Kreuzgang umgab. Der jetzige Gemeindesaal, den die Gemeinde auch Kreuzgangsaal nennt, befindet sich im Südflügel dieses kleinen Kreuzgangs. Dort wurde bei Umbauarbeiten zu Beginn dieses Jahres eine Mauer entdeckt, die einen Eindruck von der Größe der alten Klosteranlage vermittelt. Das sieben Meter lange Mauerstück mit einem starken Fundament, in dem auch die Schwelle eines Durchlasses zu erkennen ist, teilte einst die beiden Kreuzgänge, nämlich den Südflügel des kleinen Kreuzgangs und einen Teil des Nordflügels des großen Kreuzgangs.

(aus: Una Voce Korrespondenz 1. Quartal 2012)

Freitag, 9. November 2012

Ein Stück Fundament (2 von 4)

... vom Kreuzgang der Kölner Kartause


(2)
Während viele kirchliche Bauwerke als Steinbruch benutzt wurden, blieben die Gebäude der Kölner Kartause vorerst erhalten, da sie ab dem 24. Oktober 1794 als Lazarett benutzt wurden. Erst 1816, als die Kartause in den Besitz des preußischen Militärs überging, begannen die großen Zerstörungen an den vorhandenen Gebäuden. Verschiedenen klösterliche Gebäude und der daran anstoßende Flügel des Kreuzganges wurden Garnisonslazarett, wo zeitweise 300 bis 400 Kranke in 36 Sälen betreut werden konnten. Andere Bauten wurden als Artilleriedepot zweckentfremdet. Es begannen Abrissarbeiten und Umbauten, auch Maßwerke wurden zerstört und vermauert. Die Kirche wurde Pferdestall und Wagenremise.

Die Klöster der Kartäuser hatten von alters her zwei Kreuzgänge. Um den kleinen Kreuzgang gruppieren sich die Kirche, der Kapitelsaal und das Refektorium. Mit seiner vierten Flanke berührt der kleine Kreuzgang den großen Kreuzgang und verläuft ein Stück mit ihm parallel. Um den großen Kreuzgang scharen sich die Zellen, die Einsiedeleien der Mönche. Der große Kreuzgang, der noch 1827 bestand und gewaltige Ausmaße von etwa 60 mal 55 Meter hatte, wurde bald darauf abgerissen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die preußische Garnison abgezogen, der schließlich auch die Truppen der Besatzungsmächte folgten. Damit wurde die Kölner Kartause vom preußischen Militärfiskus in den Besitz der Reichsvermögensverwaltung übergeben. Aus dem Garnisonslazarett wurde nun ein Versorgungskrankenhaus für schwerverwundete Soldaten. Die noch bestehende Bausubstanz verfiel zusehends. 1922 erwarb die evangelische Gemeinde von Köln das freie Gelände der Kartäuser mit den noch bestehenden Gebäuden samt Kirche. Diese wurde in den
nächsten Jahren umgebaut, um sie den protestantischen
Anforderungen anzupassen.

(aus: Una Voce Korrespondenz 1. Quartal 2012)

Donnerstag, 8. November 2012

Ein Stück Fundament (1 von 4)

... vom Kreuzgang der Kölner Kartause


(1)
Unter Erzbischof Walramus kamen im Jahre 1335 Mönche des Ordens der Kartäuser aus der erst wenige Jahre zuvor (1312) gegründeten Kartause in Mainz nach Köln. Der Kölner Erzbischof übergab den Mönchen zur Gründung eines Klosters ein Stück Land auf dem »Martinsfeld«, auf dem sich bereits eine Kapelle befand. Jene »Sankt Barbara«-Kapelle gab der neuen Kartause ihren Namen. Geistliche und weltliche Wohltäter aus der Umgebung sorgten für den Bau der ersten Kirche (1365-1393) und des Klosters.

Jahrhunderte führten die Kartäusermönche ein regeltreues und frommes Leben. Dann jedoch sollte ein innerlich wie äußerlich blühender Mönchskonvent im ausgehenden 18. Jahrhundert seinem Ende entgegen gehen. Am 6. Oktober 1794 begann mit dem Einmarsch französischer Truppen eine zwanzigjährige Fremdherrschaft in der Stadt Köln. Mit ihnen kamen auch die neuen Ideen der Französischen Revolution, die bei den Mönchen auf Widerstand stießen. Für die Revolutionäre waren die Kartäuser nichts anderes als eine Brutstätte finstersten Aberglaubens. Schon wenige Tage nach Ankunft der Franzosen erhielt Prior Martin Firmenich (1783- 1794) den Befehl, die Kartause zu räumen. In den verbleibenden wenigen Tagen konnten noch etliche Gegenstände fortgeschafft und damit vor der Vernichtung gerettet werden. Der unvergleichliche Besitz an Kunstschätzen wurde ebenso wie die umfangreiche Klosterbibliothek auseinandergerissen und in alle Winde zerstreut. Vieles wurde vernichtet. Die Klostergebäude wurden zu einem Militärlazarett. Johann Jakob von Wittgenstein (1784-1796), Kölner Bürgermeister und Freund der Mönche, verschaffte ihnen in einem Privathaus eine neue Bleibe. Doch dieses Provisorium hatte nicht lange Bestand. 1802, ein Jahr vor dem Reichsdeputationshauptschluss, hob die französische Verwaltung alle Klöster in Köln auf. Im Oktober 1837 starb 67-jährig mit Engelbert Marx der letzte Kölner Kartäuser.

(aus: Una Voce Korrespondenz 1. Quartal 2012)
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