(Ende des Textes)
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Sonntag, 10. Februar 2013
Goldener Brief 300
300.
Darum muss der Denkende sich in allen Dingen demütigen und in sich dem Herrn,
seinem Gott, die Ehre geben. Er muss in der Schau Gottes sich selber gering
werden, sich in der Liebe zu seinem Schöpfer jedem menschlichen Geschöpf unterwerfen
(1 Petr 2,13), seinen Körper als heiliges, lebendiges, Gott wohlgefälliges
Opfer darbringen, als seinen geistigen Gottesdienst (Röm 12,1). Vor allem aber
soll er nicht weiser sein, als es sich geziemt, sondern weise sein in Nüchternheit,
nach dem Maß des Glaubens, das ihm von Gott gegeben ist (Röm 12,3). Er soll das
Gute seines Lebens nicht vor den Menschen zur Schau stellen, sondern in seiner
Zelle verheimlichen und in seinem Gewissen verbergen. Und dieses Wort soll er
immer wie eine Aufschrift über seinem Gewissen und über seiner Zelle haben:
"Mein Geheimnis ist bei mir, mein Geheimnis ist bei mir" (Jes 24,16).
(Ende des Textes)
(Ende des Textes)
Samstag, 9. Februar 2013
Goldener Brief 299
299.
Gott zu begreifen, sind wir ganz und gar unfähig. Aber er, den wir lieben,
vergibt uns. Und obwohl wir bekennen, dass wir von ihm weder würdig sprechen
noch über ihn würdig denken können, werden wir dennoch durch seine Liebe
aufgerufen und angetrieben, von ihm zu sprechen und über ihn nachzudenken.
Freitag, 8. Februar 2013
Goldener Brief 298
298.
Wenn er manchmal zu dieser Schau zugelassenwird, sieht er im Lichte der
Wahrheit selbst unzweifelhaft die zuvorkommende Gnade. Wenn er von hier
zurückgewiesen wird, erkennt er selbst in seiner Blindheit, dass seine
Unreinheit mit der Reinheit Gottes nicht zusammenstimmt. Und wenn er liebt, ist
es für ihn süß zu weinen und ohne viel Seufzen fühlt er sich gezwungen, zum
Wissen um sich selbst zurückzukehren.
Donnerstag, 7. Februar 2013
Goldener Brief 297
297.
Das ist nämlich das Angesicht Gottes. Niemand kann es sehen und zugleich für
die Welt leben. Das ist die Schönheit, die jeder zu schauen wünscht, der danach
trachtet, Gott, seinen Herrn, mit ganzem Herzen zu lieben, mit ganzer Seele, mit
seinem ganzen Gemüt und mit allen seinen Kräften (Dt 6,5; Mt 22,37; Mk 12,30;
Lk 10,27). Er hört auch nicht auf, seinen Nächsten dazu aufzufordern, wenn er
ihn liebt wie sich selbst (Mk 12,31).
Mittwoch, 6. Februar 2013
Goldener Brief 296
Abschluss:
Aufruf zur Demut
296.
Wer also dieses unaussprechbare Sein sehen will - nur unaussprechbar kann es
gesehen werden - soll sein Herz reinigen. Denn nicht kann es durch körperliche
Ähnlichkeit von einem Schlafenden, durch körperliche Gestalt von einem Wachenden,
durch irgendein Forschen des Verstandes, sondern nur vom reinen Herzen eines
demütig Liebenden gesehen oder erfasst werden.
Dienstag, 5. Februar 2013
Goldener Brief 295
295.
Dieses Leben ist das höchste Sein, von dem jedes Sein hervorgeht. Es ist die
höchste Substanz, nicht sprachlicher Aussage unterworfen, sondern zugrunde
liegendes, ursächliches Prinzip aller Dinge. In ihm stirbt unser Sein nicht,
unser Verstand irrt nicht und unsere Liebe geht nicht fehl. Immer wird er
gesucht, um süßer gefunden zu werden. Am süßesten wird er gefunden, um mit
größerer Aufmerksamkeit gesucht zu werden.
Montag, 4. Februar 2013
Goldener Brief 294
294.
Für ihn ist das Leben sein Wesen selbst, seine Natur; lebendiges Leben ist er
für sich selbst. Das ist für ihn die Gottheit selbst, die Ewigkeit, Größe, Güte
und Macht, die in sich selbst ist und besteht, jeden Ort überschreitend kraft
seiner nicht ortsgebundenen Natur und durch seine Ewigkeit jede Zeit, die mit
dem Verstand oder durch eine Vorstellung erfasst werden kann. Das ist viel
wahrer und überragender, als man es in irgendeiner Weise des Denkens denken
kann; aber dennoch ist es mit größerer Sicherheit durch den Sinn einer demütigen
und erleuchteten Liebe zu erreichen, als durch irgendein Denken des Verstandes.
Er ist immer besser, als man denken kann. Dennoch kann man leichter von ihm
denken als von ihm sprechen.
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