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Samstag, 6. Dezember 2014

Auflösung und Abbruch der Kartause Maria-Hain vor 50 Jahren - (10/10)

Die Zeit, in der es hieß: „Kartause Maria-Hain in Düsseldorf", war nun vorbei. An die Anwesenheit der Kartäuser in Düsseldorf erinnern in Unterrath noch die Kartäuser Straße und die Kartause-Hain-Schule, sowie eine Gedenkstätte mit einer Skulptur eines Mönches und einem Relief des Klosters.
 
Die Gedenkstätte an die
Kartäuser von Maria-Hain,
mit dem "Kartäuser" und
einem Relief der Kartause

Der letzte Prior der Kartause Maria-Hain, Pater Nikolaus Kister, schloss die Chronik der Kartause mit den Worten:

„Um 17.30 Uhr fahren wir durch das Tor der neuen Kartause Marienau.
Die Begrüßung durch den Pater Prior und den Pater Prokurator
und die lieben Brüder ist herzlich und aufrichtig.
Nach dem gemeinsamen Essen bin ich zum ersten Mal
allein in der Neuen Zelle A, und damit
sind alle Bindungen an die Welt gelöst.
Möge der hl. Geist mich einführen ins unzerstörte innere Leben
mit dem Dreifaltigen einen Herrn und Gott!
Möge er mich dank der Fürbitten Mariens in Gott vollenden.
O Bonitas."


Kartause Marienau 1963, vor der Fertigstellung


Freitag, 5. Dezember 2014

Auflösung und Abbruch der Kartause Maria-Hain vor 50 Jahren - (9/10)

Am 17. November 1964 begann das Sprengunternehmen Schauf aus Langenfeld mit den Vorbereitungen zur Sprengung der Gebäude. Je zwei übereinanderliegende Sprenglöcher wurden in Mannshöhe in Abständen von einem Meter in das Mauerwerk gebohrt. Für die Kirche, die Brüderkapelle, den Kapitelsaal, das Refektorium und für Schloss Hain wurden etwa 1000 Sprenglöcher gebohrt. Die Sprengladungen sollten die Zwischenstücke der Mauern herausreißen, damit dann die Gebäude in sich zusammenfielen.

Am gleichen Tag erhielt die Firma Max Klessa den schriftlichen Auftrag zum Abbruch des Klosters. Damit gingen alle Gebäude und die Verantwortung für eventuelle Unfälle an die Firma über.

Zunächst hob ein Bagger mit einigen Griffen die Zellendächer am Großen Kreuzgang ab und brach die Decken und Mauern ein. Doch der Zellenabbruch mit dem Bagger nahm zu viel Zeit in Anspruch. Der Versuch, die Zellenhäuser mit einer Raupe und einem Seil einzureißen, scheiterte, weil die Mauern zu dick waren. Einige Zellenhäuser wurden zwar noch abgebrochen, aber in den nächsten Tagen wurde der Rest gesprengt. Dazu waren jeweils vier bis fünf Kilogramm Dynamit nötig. Weil die Mauern zu dick waren, wurde manchmal eine zweite Sprengung erforderlich.

Ab dem 21. November erfolgte nach und nach die Sprengung aller übrigen Gebäudeteile. Für die zuerst gesprengte Brüderkapelle kamen in 130 Sprenglöcher je 200 Gramm Dynamit. Der Schutt wurde, wie bei allen Gebäuden, sofort abgefahren. Das Patresrefektorium, die darüber befindliche Bibliothek und der Kapitelsaal folgten am 9. Dezember. Für die Sprengung der Kirche am 15. Dezember waren 100 Kilogramm Dynamit notwendig. Um 15.40 Uhr ließ ein Druck auf zwei elektrische Auslöser die schöne Klosterkirche in wenigen Sekunden in sich zusammensinken.
Das Priorat trotzte den ersten Sprengungen und brach erst bei der vierten zusammen.

Die letzte heilige Messe fand am 21. Dezember 1964 statt, und am darauffolgenden Tag, dem 22. Dezember, reisten die letzten Kartäuser aus Maria-Hain zu ihrer neuen Kartause ab.



Im Stadtmuseum Düsseldorf
erinnerte im Herbst 2014 eine
Installation von Friedr. Ludmann
an die Zeit der Düsseldorfer
Kartause Maria-Hain



Donnerstag, 4. Dezember 2014

Auflösung und Abbruch der Kartause Maria-Hain vor 50 Jahren - (8/10)

Fünf Pumpen aus dem Großen Kreuzgang erhielt das Stadtmuseum der Stadt Düsseldorf. Ebenso bekam es eine Madonnen- und zwei Engelfiguren, das Kirchenfenster über dem Patreseingang, die beiden Hochaltarfenster und die zwei Rosetten Herz Jesu und Herz Maria.

Die Ölberggrotte des Großen Kreuzganges und die Altäre der Notkapelle an der Pforte sowie der Noviziatskapelle der Patres ebenso wie die der Priorats-, Vikariats-, Fatima-, Besucher-, Kranken- und Brüderkapelle waren wohl aus Marmor, konnten aber nicht wieder aufgebaut werden und gingen somit unwiederbringlich verloren.

Das wurmstichige Mobiliar aus den Zellen wurde am 10. November 1964 verbrannt, weil in den folgenden Tagen die Zellenhäuser am Großen Kreuzgang in Trümmer gelegt werden sollten. Unabhängig voneinander richteten der Prior und der Generalvikar der Erzdiözese Köln an den Oberstadtdirektor ein Schreiben, in dem sie darum baten, nach dem Abzug der Kartäuser schnellstens mit dem Abbruch zu beginnen.

Sprachlosigkeit


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Auflösung und Abbruch der Kartause Maria-Hain vor 50 Jahren - (7/10)

Es blieben am 11. Oktober 1964 der Prior und vier Brüder zurück, um zu verhindern, daß sich Fremde in der Kartause niederlassen konnten. Die letzte heilige Messe feierten die Kartäuser am 16. Oktober 1964. Das Allerheiligste wurde anschließend in die benedizierte Kapelle an der Pforte übertragen.

Mittlerweile holten andere Klöster und Kirchengemeinden Chorgestühle, Tische, Holzvertäfelungen und Parkettböden ab. Fast das gesamte kirchliche Mobiliar fand wieder kirchliche Verwendung. Es wurde aber nicht verkauft, weil die Klöster oder anderen Abnehmer zu arm waren oder es als Andenken vergeben wurde.

Am Allerseelentag, dem 2. November, erfolgte die „exsecratio altaris", die Entweihung des Altares, und die Herausnahme der Reliquien aus der Altarplatte. Sie befanden sich in einer mit einem roten Band umhüllten starken Blechbüchse. Auf der Rückseite war eingeritzt, welche Reliquien sich darin befanden:

„Reliquiae inclusae: S. Evergesli, S. Ewaldi Albi, S. Sodalium, S. Ursulae XXVI August 1891, Petrus Steinberg, secret. archiepiscopi."

Der Steinmetz Felix Schmitz aus Düren nahm dann den Hochaltaraufsatz ab. Im Hohlraum des Aufsatzes fand er eine Blechbüchse, die eine amerikanische Fünf-Cent-Briefmarke, eine Medaille des Ökumenischen Konzils 1869 mit dem Bild von Papst Pius IX. und eine Reliquie der heiligen Margareta Maria Alacoque enthielt, die heute in der Kartause Marienau aufbewahrt wird.

Die Marmorverkleidung bewahrte die Firma Schmitz im Auftrag des Generalvikariats von Köln auf, bis sie in einer anderen Kirche Verwendung fand. Die Firma Fritsch aus Krefeld holte ebenfalls für das Generalvikariat das Chorgestühl ab, das später in der Kreuzherrenkirche in Düsseldorf aufgestellt werden sollte.


Darniederliegender Dachreiter der Kirche

Dienstag, 2. Dezember 2014

Auflösung und Abbruch der Kartause Maria-Hain vor 50 Jahren - (6/10)

Das letzte Brunofest, das zugleich das letzte gesungene Konventamt in der Kartause Maria-Hain war, feierte die Gemeinschaft am 6. Oktober 1964. Nach der Vesper wurde das „Sub tuum praesidium" gesungen.

In der Nacht rezitierten sechs Patres die Metten, und am folgenden Nachmittag erfolgte das letzte Offizium, die Vesper. Mit der Bahn fuhren am 7. Oktober drei Patres und der Koch zur neuen Kartause. In den folgenden Tagen reisten dann noch weitere Patres und Brüder ab.

Die letzte heilige Messe am Hochaltar wurde am 9. Oktober gefeiert. Das Allerheiligste wurde anschließend in die Brüderkapelle übertragen. Um 6.30 Uhr läutete der Prior den Angelus und anschließend eine Viertelstunde lang die Kirchenglocke. Danach räumte er die Altäre in der Kirche ab. 

Altar der Brüderkapelle

Die Firma Bringschulte nahm nun die Kirchenglocke und den Glockenstuhl herunter. Das Uhrwerk musste verschrottet werden, das Schlagwerk aber kam mit zur neuen Kartause Marienau in das Allgäu.


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