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Freitag, 12. Dezember 2014

Der Kartäuser als Gefangener Christi -4/4-

Das Gelübde der Beharrlichkeit (- in unserer Welt).

Das hesychastische Verständnis der Beschauung (ruhen, in der Zelle sitzen) ist eng verknüpft mit dem kartusianischen Verständnis der Beharrlichkeit. Beides steht im Widerspruch zur heutigen Leistungsgesellschaft. So werden Krankheit, Alter und Tod tabuisiert; sie werden nicht mehr als eine Chance gesehen, sich in die kontemplative Dimension der menschlichen Existenz einzuüben, wo der Sinn, das Spielerisch-Schöpferische (vielleicht das Kindliche) den Vorrang haben, vor dem unmittelbar Nützlichen.

Sicher besteht ein tiefer Zusammenhang zwischen dieser Tabuisierung und Abwertung des Beschaulich-kontemplativen einerseits, und andererseits mit dem anwachsen der verschiedenen Zwänge, unter denen wir heute leiden: Managerkrankheit, Stress, Drogen, Gewalt, Pornographie, unmenschliche Arbeitsbedingungen, usw.

Der Kartäuser als Gefangener Christi möchte durch sein ganzes Leben auch diesen Menschen nahe sein und einen Weg der Befreiung vorleben.

(vgl. Hollenstein)


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Der Kartäuser als Gefangener Christi -3/4-

Das Gelübde der Beharrlichkeit (- die Statuten).

„Deshalb bin ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden" (vgl. Eph 3,1; 2 Kor 11,23).

Das Leben eines Mönches, eines Einsiedlers oder Reklusen, ist eine Analogie zum Leben des hl. Paulus.

Die Statuten sagen:
„Der Mönch kann seine volle Hingabe an Gott nur verwirklichen, wenn er das ganze Leben hindurch in seiner Berufung ausharrt. Dazu verpflichtet er sich in Freiheit mit den feierlichen Gelübden. Darum ist die Profess unwiderruflich, und darum soll der Mönch sich vor seinem Gelöbnis zuerst hinsetzen und überlegen, ob er sich in der Tat Gott für immer übereignen will. Kraft der Profess wird der Mönch in die Gemeinschaft als eine ihm von Gott geschenkte Familie eingereiht; in der er mit Leib und Seele Wurzel fassen soll. Jeder, der in seinem Stand geweiht wurde, ob Pater oder Bruder (oder Schwester), bleibe also in der Berufung, zu der er gerufen wurde, und zeichne sich darin aus, zur reicheren Heiligkeit der Kirche und zur größeren Ehre der einen und ungeteilten Dreifaltigkeit."

(vgl. Hollenstein)


Mittwoch, 10. Dezember 2014

Der Kartäuser als Gefangener Christi -2/4-

(Biblische Grundlegungen)

In der Hl. Schrift werden alle Zwänge dieses Lebens: Sklaverei, Süchte, Krankheit, Tod, im Letzten als Folge der Sünde gesehen. Die Geschichte des Gottesvolkes ist eine Geschichte der Befreiung, die in Jesus ihren Höhepunkt erreicht hat. Er wurde mit uns solidarisch, bis in den Tod.
Er stieg hinab in das Reich des Todes "und predigte den Geistern im Kerker", und "er stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene und gab den Menschen Geschenke" (1 Petr. 3,18-4,6; Eph 4,8; 2 Kor 2,14).
Jesus führt in seinem Siegeszug Gefangene mit, um sie an seinem Siege teilnehmen zu lassen.

Nach Paulus wird der von der Sünde Befreite, 
ein Gefangener Christi:
„Frei von der Sünde seid ihr Knechte der Gerechtigkeit geworden" (Röm 6,12-23; 1 Kor 7,22).
„Der im Herrn berufene Sklave ist ein Freigelassener des Herrn;
ebenso ist der als Freigeborener Berufene, ein Sklave Christi".

(vgl. Hollenstein)


Dienstag, 9. Dezember 2014

Der Kartäuser als Gefangener Christi -1/4-

Mit dem Gelübde der Stabilität (stabilitas loci), der Beständigkeit an einem Ort, das der benediktinischen Tradition eigen ist, hat es der Mensch, aber auch die Orden, heute kaum leichter als zur Zeit des heiligen Benedikt. Er war gegen das Umherwandern der Mönche, Gyrovagi genannt, und wollte seine Mönche an ein Kloster binden, durch ein eigenes Gelübde, der stabilitas loci, das Verharren im gleichen Kloster.

Der Mangel an Berufungen, Aufhebung von Noviziaten und andere Umstände haben im Kartäuserorden dieses Gelübde schon sehr früh relativiert. Die erneuerten Statuten setzen wohl deshalb den Akzent eher auf das Beharren in der Vollhingabe an Gott.

(vgl. Hollenstein)


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