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Freitag, 22. Juli 2011

Gott schauen, 120

(Augustin Guillerand, Écrits spirituels, II,133):

Mein Gott! Endlich bin ich am Ziel.
Das Ziel bist DU, Ich besitze Dich.
Jetzt muss ich bei Dir bleiben:
„Bleibt in mir! Bleibt in meiner Liebe!
Bleibt in mir, wie der Rebzweig im Rebstock bleibt,
der ihn hält und nährt“ (vgl. Joh 15,4.9).
Nichts ist mir lieber als diese deine Einladung,
dich nicht mehr zu lassen.
Jeden Augenblick,
überall will ich mich mit Dir vereinen,
um mich mehr und mehr in Dich
umgestalten zu lassen.
Jesus, Du opferst Dich im Heiligtum meiner Seele.
Jeder Christ ist ein Priester (vgl. 1Petr 2,9).
In seinem Innersten besitzt er einen Altar,
auf dem er sich selbst Gott darbringen
und opfern kann.

 ****

Das ENDE von "Gott schauen ".

Donnerstag, 21. Juli 2011

Gott schauen, 119


(Jean-Baptist Porion, Im Banne der Dreieinigkeit, 74):

Ob ein solcher Beschaulicher nun
mit vielfältigen Arbeiten beschäftigt ist oder ruht,
er lebt in Wirklichkeit nur das Eine:
„Der Vater, der in mir wohnt, er vollbringt die Werke“ (Joh 14,11).
Sein Blick ist nach innen gerichtet,
wo er die unergründliche Einfachheit Gottes schaut.
Und diese Einfachheit ist sein Reichtum,
seine Kraft und seine unerschöpfliche Freude.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Gott schauen, 118


(Jean-Baptist Porion, Amour et silence, 122):

Das Gnadenleben,
das innere Leben
gipfelt im beschaulichen Leben.
Die Beschauung ist der einfachste
und unmittelbarste Akt der Liebe zu Gott.
Jede Liebe erfordert selbstvergessene Hingabe.
Diese ist in besonderer Weise im Bereich der Gnade notwendig:
„Wer sein Leben verliert …“ (Mt 10,39).

Die Menschenseele besitzt die Gabe,
sich vollkommener zu vergessen
als jedes andere Lebewesen.
Sie vermag dann, wenn sie ganz durchsichtig geworden ist,
in ihrer Tiefe Gott widerzuspiegeln.
Dazu muss sie freilich ihren Blick schweigend und gesammelt
auf Gott ausrichten
und Gott in sich
seinen Willen vollziehen lassen.

Dienstag, 19. Juli 2011

Gott schauen, 117

(Augustin Guillerand, Écrits spirituels, I,56-60):


(2) - Gott liebkost sie wie eine Mutter ihren Säugling.
Sie scheinen für einen Augenblick den Himmel zu betreten.
Aber hier auf Erden währt ein solches Ruhen immer nur kurze Zeit.
Sie müssen die Mühen des Weges wieder aufnehmen.
Sie sind geliebte, aber verbannte Kinder
auf der Pilgerschaft zum Vaterland.

Oft versetzt der Heilige Geist solche Seelen
in eine große innere Trockenheit.
Der göttliche Tröster scheint sich zurückzuziehen,
zu schweigen, sie allein zu lassen.
Die Welt hatten sie für ihn hingegeben,
damit er ihnen all das ersetzt.
Nur die es erfahren haben, vermögen den Schrecken
und die Einsamkeit einer solchen Verlassenheit zu begreifen.
Doch Gott zieht sich nur zurück,
um die Seele an sich zu ziehen.
Er will die Echtheit und Stärke ihrer Hingabe
im Feuer der Prüfung erproben.
Gott zwingt sie, alle Brücken hinter sich abzubrechen
und sich in seine Arme zu werfen.
Lieben heißt sich vergessen,
um sich zu schenken.

Montag, 18. Juli 2011

Gott schauen, 116


(Augustin Guillerand, Écrits spirituels, I,56-60):

(1) Häufig haucht der Geist Jesu nur ein Wort ein:
„Vater!“.
Bei diesem Hauch fühlt sich die Seele angezogen,
hingerissen zum Vater, der sie ruft.
Dann wieder gießt ihr der Heilige Geist Erleuchtungen
und Kräfte ein, die sie bisher nicht kannte.
Mit ihnen preist sie den Vater.

Sie erbittet dieses Licht und dieses Leben
auch für andere, ja für die ganze Menschheit.
Sie kann nicht begreifen, dass nicht alle Menschen
von diesem Verlangen verzehrt werden.

Es gibt aber auch Seelen,
die treten in ein tiefes Schweigen ein.
Gott ist für sie ein verborgener Zufluchtsort.
Dorthin streben sie.
Sie lauschen seiner lockenden Stimme.
Sie tauchen in einen unermesslichen Frieden ein.

Sonntag, 17. Juli 2011

Gott schauen, 115


(Augustin Guillerand, Écrits spirituels, 2,234):

In den Tiefen unserer Seele gibt es weite Räume,
wo man nicht mehr denkt und redet,
sondern erfährt,
schaut und liebt.
Dort ist das Reich des Friedens.
Dort ist die Wohnung des „Gottes des Friedens“ (1Kor 14,33).
Dort ist das Brautgemach
unserer Vereinigung mit Gott.
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