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Freitag, 26. Dezember 2014

Weihnachten

Weihnachten - die lange Nacht der Hoffnung.

Es ist 22 Uhr. Soeben sind die Mönche aufgestanden und beten nun im Oratorium ihrer Zellen die Marienmette. Danach begeben sie sich zur Kirche. Mehr als eine Stunde früher als an anderen Hochfesten und zwei Stunden früher als an Werktagen. Weihnachten, das ist die lange Nacht der Hoffnung, die ausschließlich im Gebet verbracht wird.

Am Weihnachtstag gibt es keine Rekreationszeit,
sei sie auch noch so kurz.

Die Mönche finden in dieser langen Nacht, die so anders ist als die anderen Nächte, die Antwort auf ihr Harren, sie finden schon auf dieser Erde den hundertfachen Lohn für ihren Verzicht aus Liebe. - 

Sie suchen nicht mehr die Freude, die der Herr schenkt, 
sondern den Herrn, der die Freude schenkt.

(nach: Serrou)


Donnerstag, 25. Dezember 2014

1. Weihnachtstag

Ein Kartäusernovize:
 
Tausend Sterne glänzten am Himmel, als ich nach dem Nachtoffizium gegen 2 Uhr zum Fenster hinausschaute. Sie alle und unendlich viele andere, die kein Computer zu speichern vermag, hält Gott in seiner Hand. Mein Gott, wie groß und mächtig Du bist! 

Nichts, kein Gespräch, kein Telefonanruf, keine Post und kein Geschenk störten mich an diesem Feiertag, dieses Mysterium zu meditieren.

(aus: W. Bösen: Auf einsamer Straße)


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heiliger Abend

Ein Kartäusernovize:
 
Von wo aus ich auch ins „Ave Maria" eintrete, ob vom Wandelgang oder vom „Cubiculum" her, immer treffen meine Augen als erstes das Kind im Futtertrog. Eine Stunde lang saß ich heute am späten Nachmittag vor ihm auf dem Boden und betrachtete es still im Schein einer Kerze. Ein tiefer Friede erfüllte mich, als ich mich um 17 Uhr zum Schlafen niederlegte, um für das Nachtoffizium um 21 Uhr ausgeruht und frisch zu sein.

(aus: W. Bösen: Auf einsamer Straße)


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