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Samstag, 9. April 2011

Kartäuserinnen, 7

Noch einige Bilder vom Kartäuserinnenkloster Reillanne.

Reillanne - Cubiculum




Reillanne - Verteilung des Essens im Großen Kreuzgang
Reillanne - Entnahme des Essens in der Zelle
Reillanne - Refektorium
Reillanne - Kapitelsaal

Freitag, 8. April 2011

Kartäuserinnen, 6

 Blick in das Album der ersten Jahre

Inneres der Kirche

(...] Ich darf ein Album mit ins Quartier nehmen, mit Fotos von der Grundsteinlegung bis zum Einzug.)
Gemessen an den Männerklöstern, wirkt die Anlage von „Notre-Dame de Reillanne“ kompakt: Alle notwendigen Gemeinschafts- und Arbeitsräume gruppieren sich eng um die Kirche, an die Kirche auch schließt sich, nach Norden hin, das Rechteck des Großen Kreuzgangs mit den Einsiedeleien an, 16, die ich auszählen kann; weitere verstecken sich offensichtlich – wie der alphabetischen Nummerierung zu entnehmen  - im Gewirr der Gemeinschaftsräume.  Da aus fertigen Betonteilen zusammengesetzt und größtenteils nur eingeschossig, haftet den Gebäuden Fabrikhallen- bzw. Lagerschuppen-Atmosphäre an. Allein die Kirche, die nur wenig den klösterlichen Komplex überragt, zeigt ein interessantes Gesicht [...].

Beim Eintritt in die Kirche übergeben die Nonnen einander das Glockenseil
Nonnen beim Chorgebet, beim Gebrauch der Großen Antiphonarien...
Mein besonders Interesse gehört den Einsiedeleien, ihnen auch sind die meisten Fotos gewidmet. Da vom Fließband, gleichen sie einander, von wenigen Unterschieden in den Eckzellen abgesehen, bis ins Detail: kleine, einstöckige Häuschen mit leicht geneigtem Satteldach, Baracken nicht unähnlich. Ein gelblicher Anstrich und ein rotes Ziegeldach beleben zwar das Bild, vermögen aber die Betonbauten anhaftende Atmosphäre nicht zu verdrängen. Der rechteckige Grundriss, insgesamt nur 20 und 25 Quadratmeter groß, lässt der Planung nur wenig Spielraum. Einem großen Arbeitsraum in der ersten Hälfte schließt sich das Wohn- und Schlafzimmer, das sogenannte „Cubiculum“, in der anderen Hälfte an; ihm ist, durch Zwischenwände abgetrennt, eine Waschgelegenheit und eine Toilette integriert. Innenaufnahmen zeigen, dass jede Schwestern ihr kleines Reich ganz individuell gestaltet hat, soweit es die begrenzten Möglichkeiten zulassen: durch unterschiedliches Arrangieren des bescheidenen Mobiliars aus Bett, Betstuhl, Regal, Tisch, und Hocker, durch ein paar Bilder und Blumen, mehr erlaubt kartusianische Einfachheit nicht. Und dennoch wirkt jedes „Cubiculum“ auf seine Art einladend, ja gemütlich. Der Blick geht durch ein großes Fenster in den Garten hinaus, stößt sich aber bald schon nach allen Seiten hin an nahen Betonmauern, [...]

Nonne bei dr Arbeit in ihrem Arbeitsbereich der Zelle

Die Fotos zeigen eine fröhliche ausgelassene Nonnenschar. Wie ich überhaupt nur lachende Gesichter ausmachen kann.
(siehe Bösen, W., Auf einsamener Straße..., S. 138-149)

Donnerstag, 7. April 2011

Kartäuserinnen, 5

Fragen im Sprechzimmer,2

Luftaufnahme der mitten im Wald liegenden Kartause D.-D- de Reillanne

Augenblicklich [1984] beherbergt die neue Kartause 28 Nonnen; mehrere Postulantinnen, selbst aus Amerika, haben sich angesagt. Der persönlichen Veranlagung entsprechend lebt man als Chor-, Konvers- oder Donatschwester. Während die Chorschwestern zu einem einsameren leben und auch zu längeren Offizien verpflichtet sind, ist die Einsamkeit der Konversen und Donaten weniger streng, die Handarbeit in ihrem tagesplan gewichtiger. Alle drei ergänzen sich gegenseitig; das vielgebrauchte Bild vom Leib und seinen Gliedern verdeutlicht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens, wenn es dem Organismus gut gehen soll.

Kartäuserinnenhäuschen mit Garten

An das Leben in den Einsiedeleien haben sich die Chorschwestern rasch gewöhnt. Worunter man am meisten leidet, ist das Klima. Die extremen Außentemperaturen, im Sommer über 30 Grad plus, im Winter unter 20 Grad minus, sind in den Zellenhäuschen mit ihren dünnen Betonwänden stärker zu spüren als in den dicht nebeneinanderliegenden Zellen der ehemaligen Kartause.

Inneres der Zelle, das Cubiculum: Wohn-, Bet- und Schlafraum der Nonne

Im Lebensstil folgt man weitgehend dem der Patres. Wie sie beten die Chorschwestern zwei Offizien, neben dem Großen Offizium das marianische; wie sie unterbricht man um Mitternacht den Schlaf, und wie sie wahrt man die Einsamkeit der Zelle. Nur hierin gibt es eine Erleichterung: Nach der Messe nimmt man ein leichtes Frühstück ein, etwas Brot mit Milchkaffee.
(siehe Bösen, W., Auf einsamener Straße..., S. 138-149)  
 

Mittwoch, 6. April 2011

Kartäuserinnen, 4

Fragen im Sprechzimmer, 1

Mit meinem Fragenkatalog beschäftigt, warte ich im Sprechzimmer gleich neben der Pforte, einem länglichen Raum, den eine Thekenartige Barriere in zwei Hälften unterteilt. Schneller als mir lieb, öffnet sich an der Breitseite mir gegenüber die Tür, ein dichter Vorhang wird zur Seite geschoben, und eine Schwester kommt auf mich zu, fast lautlos und statuenhaft starr. Eine stolze Frau von vielleicht vierzig Jahren. Der schwarze Schleier über dem gelblichweißen Kartäusergewand gibt ein frisches Gesicht mit großen mandelförmigen Augen frei. „Ich bin Schwester Claire!“, ihre Stimme klingt leise, fast zaghaft. „Mutter Priorin hat mich gebeten, Ihnen Ihre Fragen zu beantworten!“

Wortlos nehmen wir Platz, diesseits und jenseits der Barriere wie in zwei verschiedenen Welten. Von den Formalen, ja geradezu kühlen Empfang überrascht, beginne ich sogleich in der Art eines Prüfers meine Themenliste abzufragen. Uns Schwester Claire antwortet, kurz und präzise, mit keinem Wort zu viel. Das Bild, das sich am Ende aus den Mosaiksteinchen der Antworten zusammenfügen lässt, ist wenig lebendig; nur ein paar persönliche Anmerkungen heben es von dem offiziellen , im Klosterprospekt veröffentlichten ab. Wie diese, dass ein Besuch im Museum der Correrie ihr den Weg zu den Kartäuserinnen zeigte; dass sie 1962 [...] in die französische Kartause Beauregard eintrat; dass sie 1978 darum bat, am Experiment in Reillanne teilnehmen zu dürfen.
(siehe Bösen, W., Auf einsamener Straße..., S. 138-149)  


Dieses Kartäuserkreuz steht an der Straße als Hinweis zum Abbiegen

Hinweisschild zur Kartause auf dem nicht asphaltierten Waldweg

Dienstag, 5. April 2011

Kartäuserinnen, 3

Reillanne - Die Nonnen wollen Leben wie die Mönche

1971 beginnen fünf Schwestern in der Kartause Beauregard, einem alten Schloss in der Nähe von Voiron, das von der Stille, der Raumbeschaffenheit und von der ganzen Atmosphäre her für das eremitische Leben wenig geeignet ist, in Einsiedeleien zu leben, die man im Garten errichtet hat.

1972 interessieren sich andere Häuser für das Experiment: Eine Schwester aus der italienischen Kartause San Francesco und eine weitere aus dem spanischen Kloster Benifaçà kommen nach Beauregard.

1977 übernehmen sechs Kartäuserinnen die Kartause von Vedana bei Belluno, die die Mönche aus Personalgründen kurz vorher aufgegeben haben.

Die Kartause von Vedana bei Belluno. Früher Mönche, seit 1977 Nonnen.

1978 siedelte die Gemeinschaft von Beauregard nach Reillanne über, wo man – in einer einsamen Gegend der Haute-Provence – ein neues Kloster gebaut hat. Sieht man von der Anordnung der Gebäude ab, gleicht es den klassischen Kartausen, einzig in zwei Punkten zeigt es wichtige Unterschiede:  Nicht nur die Chorschwestern wohnen in Zellen aus Häuschen und Garten, sondern auch die Konversschwestern. Des weiteren hat die Kirche eine Seitenkapelle, von der aus Besucher, Frauen wie Männer, an den liturgischen Feiern des Konventes teilnehmen können, ohne die Klausur zu verletzen.
(siehe Bösen, W., Auf einsamener Straße..., S. 138-149) 

Montag, 4. April 2011

Kartäuserinnen, 2

Nonnen schließen sich den Kartäusern an

Schon früh, um die Mitte des 12. Jahrhunderts bereits, schließen sich den Kartäusermönchen auch Nonnen an. Ihre Zahl war nie sehr groß. [Heute gibt es 2 Kartausen in Frankreich und Italien sowie je eine Kartause in Spanien und Südkorea mit ca. 115 –in 1984- Nonnen.]  Sie leben meist in der Verborgenheit eines alten Schlosses oder einer ehemaligen Abtei – ein Leben der Buße und des Gebetes, das dem Leben der Patres und Brüder weitgehend angepasst ist; Milderungen zeigt die Regel hauptsächlich hinsichtlich der Einsamkeit: Statt in Einsiedeleien wohnt man in Einzelzimmern; die Mahlzeiten nimmt man nicht nur sonn- und feiertags gemeinsam ein, sondern auch wochentags; zur Erholung trifft man sich nicht nur zweimal in der Woche, sondern täglich.

[In den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts etwa, wurde der Ruf] nach einem strengeren, einsameren Leben laut. Zu realisieren ist er aber erst in den siebziger Jahren.
(siehe Bösen, W., Auf einsamener Straße..., S. 138-149)  

In Beauregard entstand die Idee nach mehr Einsamkeit für die Kartäuserinnen
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