Mittwoch, 6. April 2011

Kartäuserinnen, 4

Fragen im Sprechzimmer, 1

Mit meinem Fragenkatalog beschäftigt, warte ich im Sprechzimmer gleich neben der Pforte, einem länglichen Raum, den eine Thekenartige Barriere in zwei Hälften unterteilt. Schneller als mir lieb, öffnet sich an der Breitseite mir gegenüber die Tür, ein dichter Vorhang wird zur Seite geschoben, und eine Schwester kommt auf mich zu, fast lautlos und statuenhaft starr. Eine stolze Frau von vielleicht vierzig Jahren. Der schwarze Schleier über dem gelblichweißen Kartäusergewand gibt ein frisches Gesicht mit großen mandelförmigen Augen frei. „Ich bin Schwester Claire!“, ihre Stimme klingt leise, fast zaghaft. „Mutter Priorin hat mich gebeten, Ihnen Ihre Fragen zu beantworten!“

Wortlos nehmen wir Platz, diesseits und jenseits der Barriere wie in zwei verschiedenen Welten. Von den Formalen, ja geradezu kühlen Empfang überrascht, beginne ich sogleich in der Art eines Prüfers meine Themenliste abzufragen. Uns Schwester Claire antwortet, kurz und präzise, mit keinem Wort zu viel. Das Bild, das sich am Ende aus den Mosaiksteinchen der Antworten zusammenfügen lässt, ist wenig lebendig; nur ein paar persönliche Anmerkungen heben es von dem offiziellen , im Klosterprospekt veröffentlichten ab. Wie diese, dass ein Besuch im Museum der Correrie ihr den Weg zu den Kartäuserinnen zeigte; dass sie 1962 [...] in die französische Kartause Beauregard eintrat; dass sie 1978 darum bat, am Experiment in Reillanne teilnehmen zu dürfen.
(siehe Bösen, W., Auf einsamener Straße..., S. 138-149)  


Dieses Kartäuserkreuz steht an der Straße als Hinweis zum Abbiegen

Hinweisschild zur Kartause auf dem nicht asphaltierten Waldweg

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