Posts mit dem Label ehemalige Kartausen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ehemalige Kartausen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 1. März 2015

Kartause Johannisberg in Freiburg, Breisgau (2. Teil)

Bereits HIER habe ich auf die untergegangenen Freiburger Kartause St. Johannisberg“ aufmerksam gemacht.



Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg i.Br.
Bd. 41: Die Kartause St. Johannisberg in Freiburg im Breisgau.
Historische und baugeschichtliche Untersuchungen.
Hg. von HEINZ KRIEG, FRANK LÖBBECKE und KATHARINA UNGERER-HEUCK. Freiburg 2014.










Verlag Stadtarchiv Freiburg 2014
ISBN 978-3-923272-38-9
168 Seiten,
zahlreiche Farbabbildungen,
Format 23,5 x 27,5 cm, gebunden
Preis: 24,50 Euro
Stadtarchiv Freiburg i. Br., Grünwälderstr. 15, 79098 Freiburg


Band 41  der „Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg im Breisgau” widmet sich auf 168 Seiten der Geschichte dieser durch kaiserlichen Aufhebungsbeschluss untergegangenen Kartause.

+

Der von Heinz Krieg, Frank Löbbecke und Katharina Ungerer-Heuck herausgegebene Band widmet sich Geschichte und Baugeschichte der Freiburger Kartause St. Johannisberg in vergleichender Perspektive und geht auf die Tagung „Die Freiburger ‘Kartaus’ und die Umnutzung ehemaliger Klosteranlagen” im April 2011 zurück (Tagungsbericht). Anlass für die Tagung war die bevorstehende, damals noch unbekannte Umnutzung der Freiburger Kartause, die „nach der Aufhebung des Klosters im Zuge der Josephinischen Reformen (1782) zunächst als Adelssitz und von 1895 bis 2008 als Alten- und Pflegeheim genutzt” wurde.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert.
Ein erster mit „Allgemeines” betitelter Teil versammelt Beiträge zur Geschichte der Kartäuser im Mittelalter. James Hogg beleutet „Ordens- und Ideengeschichte der Kartäuser”, Hermann Josef Roth nimmt die Gründungssituationen mittelalterlicher Kartausen im Vergleich mit Zisterziensergründungen in den Blick, die Bauingeneurin Elke Nagel stellt verschiedene architektonische Konzepte des karthusianischen Zellenhauses vor und der mittlerweile verstorbene Sönke Lorenz zeigt die Ausbreitung der Kartausen unter besonderer Berücksichtigung der von Bern bis Flandern reichenden Provincia Rheni.

Der zweite Teil widmet sich der Geschichte der Freiburger Kartause und sei hier etwas ausführlicher vorgestellt. Heinz Krieg geht auf die Gründungsphase der 1345 vom Freiburger Bürger Johannes Snewlin, genannt „der Gresser“, gestifteten Kartause ein und hebt hervor, dass weniger die finanzielle Grundausstattung, sondern die „institutionelle Einbindung“ der Stadt und deren Führungsschichten in Snewlins Testament der Kartause langfristig zum Erfolg verhalf. Den bauhistorischen Zustand der Kartause kurz vor deren Aufhebung nimmt Frank Löbbecke anhand eines von ihm transkribierten Sachverständigengutachtens von 1775 (Transkription S. 155-163)5 in den Blick.
Daniel Parello widmet sich den zwischen 1512 und 1525/1530 entstandenen Glasfenstern der Kartause, unter denen insbesondere die nach Konzepten von Hans Baldung Grien von der Freiburger Werkstatt des Hans Gitschmann gefertigten großen Kartausscheiben herausragen. Zwar sieht Parello im damaligen Prior Gregor Reisch „die Schlüsselfigur des Projekts”, macht aber aufgrund der Analyse heute teilweise verlorener Stifterinschriften deutlich, dass die Glasscheiben vom Kaiser, auswärtigen Adligen, aber auch von Stadtrat, Bürgern, Geistlichen und Universitätsgelehrten gestiftet wurden. Eva-Maria Schüle nimmt den „in einzigartiger Weise erhalten gebliebenen” Küchengarten der Freiburger Kartause und dessen Bepfanzung in den Blick. Dieter Mertens behandelt die Verbindungen der Freiburger Kartause zur Universität. Obwohl die Universität als „Institution des Redens” eigentlich einen Gegensatz zum auf Schweigen ausgerichteten Ordensideal der Kartäuser dargestellt hätte, bestanden – so  Mertens – enge Beziehungen zwischen Freiburger Kartause und Universität. Erstens studierten Mönche und Prioren vor ihrem Ordenseintritt häufig an der Freiburger Universität, zweitens sind zahlreiche Stiftungen Freiburger Universitätsangehöriger für die Kartause überliefert und drittens konnte sich die Kartause unter den Prioren Johannes Keßlin (1475-1486) und Gregor Reisch (1501-1525) “institutionellen Einfluss” bei den beiden ältesten Freiburger Studienhäusern, der Domus Carthusiana und dem Collegium Sapientiae, sichern. Felix Heinzers Beitrag untersucht Gregor Reisch (ca. 1467-1525), den bekanntesten Freiburger Prior, und insbesondere dessen Enzyklopädie ‘Margarita philosophica’. Heinzer beleuchtet Reischs Rolle als Berater für die Hieronymus-Ausgabe des Basler Druckers Johannes Amerbach und kann eine Handschrift der Freiburger Universitätsbibliothek mit Exzerpten aus Augustins De civitate dei als Autograph Reischs einordnen und so neue Perspektiven auf die Arbeitsweise Reischs werfen, da sich die exzerpierten Stellen als Zitate im Text der Margarita wiederfinden.
 
Der dritte Teil des Buches betrachtet in vergleichender Perspektive Geschichte und architektonische Neubelebung anderer Kartausen. Margrit Früh behandelt die jahrhundertelangen engen Beziehungen der Kartausen Freiburg und Ittingen und macht deutlich, dass ca. 10 Prozent der Ittinger Mönche aus Freiburg kamen und die Freiburger Kartause nach Plünderung und Krieg die Ittinger Kartause wiederholt finanziell sowie mit Büchern unterstützt hat. Die Neubelebung der Ittinger Kartause zum Museum und Kulturzentrum ist Thema des Beitrags von Jürg Ganz, während Helmut Stampfer sich der Renovierung und Nutzung der Kartause Allerengelberg (Schnals, Südtirol) widmet. Zuletzt erweitertet Daniel Reicke die auf der Tagung gehaltenen Beiträge um einen Artikel zum ““fast gebauten Turm” der Basler Kartause.





Sonntag, 15. Februar 2015

Kartause Johannisberg in Freiburg, Breisgau

Die letzte bauliche Erneuerung der mit elf Chormönchen und sechs Laienbrüdern blühenden Freiburger Kartause war unter dem Prior Benedikt Kaysser im Juli 1753 begonnen und unter seinem Nachfolger Athanasius Kolb 1756 vollendet worden.

Der Archäologe Ralph Eggers entwickelte diese dreidimensionale Rekonstruktion der Freiburger Kartause nach den barocken Neubauten.

Vor den spätmittelalterlichen Klausurtrakt mit der Klosterkirche, dem großen Kreuzgang und den elf Mönchshäuschen, die in der 3 D-Rekonstruktion gut zu sehen sind, wurde der noch erhaltene dreiflügelige Neubau gesetzt.

3D-Rekonstruktion der Freiburger Kartause
Archäologe Ralph Eggers (Foto Badische-Zeitung)

Die Freiburger Kartäuseraffäre

Die repräsentative Form der Anlage entspricht bei aller ordensüblichen Bescheidenheit den Klosterbauten der Umgebung. Doch scheint nicht allein der barocke „Bauwurm" – so nannten die Zeitgenossen scherzhaft die Bauwut der barocken Äbte – Auslöser der Bautätigkeit gewesen zu sein. Prior Athanasius Kolb, der unter seinem Vorgänger das wichtige Amt des Klosterschaffners (Vermögensverwalter) inne hatte, strebte vielmehr für sein Kloster die Aufnahme in den Prälatenstand und damit den Sitz in den Vorderösterreichischen Landständen an – also die Teilnahme an der Regierung. Die Nachbarklöster, allen voran die Äbte von St. Peter und St. Blasien, unterstützten Kolb dabei, denn ein weiterer Sitz in den Landständen wäre allen Klöstern des Breisgaus zugute gekommen.

Um sein Anliegen voranzutreiben, weilte der Prior ab 1772 nicht weniger als drei Jahre fern von Freiburg in Wien. Vor allem die lange Abwesenheit entfremdete den Prior zunehmend von Teilen seines Konvents, damals noch acht Patres und drei Brüder, und spalteten diesen in zwei Parteien. Im Sommer 1775 führte dies zur innerklösterlichen Revolte und löste die Freiburger „Kartäuseraffäre" aus.

Die Vorderösterreichische Regierung griff ein, verfügte die Abdankung und sofortige Rückkehr von Prior Athanasius aus Wien, stellte die Kartause unter staatliche Aufsicht und betrieb die Aufhebung des Klosters. Der Bischof von Konstanz und die Ordensleitung der Kartäuser versuchten das zu verhindern. Dem im März 1776 eingesetzten neuen Prior Hugo Poyok verweigerte die Regierung unter Berufung auf die Kritiker im Konvent die Anerkennung und erklärte im Herbst 1776 einseitig die Schließung des Klosters. Erst Ende 1779 schien die Situation bereinigt und der neue Prior konnte einziehen – allerdings verließen daraufhin vier Patres unter Protest das Kloster. Zu allem Unglück zerstörte ein Brand im Januar 1780 das Dach der Kirche und richtete auch an den Klostergebäuden beträchtlichen Schaden an.

Nachdem im Frühjahr 1781 die abtrünnigen vier Mönche doch noch zurückgekehrt waren, schien die Ordnung wiederhergestellt. Das war aber trügerisch, denn Kaiser Joseph II. hatte die Auflösung aller Kartausen und der Klöster weiterer kontemplativ-beschaulicher Orden verfügt. Ihre nach innen gerichtete Lebensweise erfüllte in den Augen der Aufklärung keinerlei gesellschaftlich notwendigen Zweck.

Am 25. Januar 1782 stellte die breisgauische Regierung der Kartause den kaiserlichen Aufhebungsbeschluss zu. Die acht Freiburger Kartäusermönche mussten ihr Kloster binnen fünf Monaten zu verlassen, in anderen Klöster unterkommen oder dem Orden entsagen und eine Anstellung in der Seelsorge suchen. Für den Übergang wurden staatliche Pensionen ausgesetzt.

Sieben der Freiburger Kartäuser wurden Weltpriester, lediglich Prior Hugo Poyok blieb im Orden und wurde bis zu seinem Tod 1791 als Prior in Franken und im Spessart eingesetzt.




Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...