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Samstag, 4. April 2015

Aus der Matutin des Karsamstag

8. Responsorium



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Potum meum cum fletu temperabam :
quia elevans allisisti me :
et ego sicut fenum arui :
tu autem, Domine, in aeternum permanes :
tu exsurgens misereberis Sion,
quia venit tempus miserendi eius. 

+
Meinen Trank mischte ich mit Tränen,
denn hochgehoben hast du mich und niedergeschmettert.
Und ich bin vertrocknet wie Gras.
Du aber, o Herr, bleibst in Ewigkeit.
Du wirst dich erheben, dich über Zion erbarmen,
denn es ist die Zeit, sich seiner zu erbarmen.



Karwoche – Samstag

Gehorsam ist besser und größer als Schlachtopfer.
Es sind aber drei Dinge in der Welt, die uns gekreuzigt werden müssen und wir ihnen, denn Johannes sagt: »Alles, was in der Welt ist, ist entweder Begierde des Fleisches oder Begierde der Augen oder Hochmut und Hoffart des Lebens.« [1. Joh. 2,16.]

Die Kreuzigung dieser drei geschieht durch die drei Gelübde der Ordensleute, die wahrhaft geistige Märtyrer sind.
- Zum ersten besteht das Martyrium im Zurücklassen aller zeitlichen Wünsche;
- zum zweiten im heftigen Widerstand gegen die Begehrlichkeit des Fleisches - und je tapferer dieser Kampf gekämpft wird, desto ruhmvoller ist der Sieg des Martyriums -;
- zum dritten in der Absagung des eigenen Willens, denn nach Gregor (d. Gr.) wird durch den Gehorsam der Eigenwille geschlachtet und durch diese Opferung »fremdes Fleisch«, Opferfleisch; deshalb kann gesagt werden:
Gehorsam ist besser und größer als Schlachtopfer.

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)


Freitag, 3. April 2015

Aus der Matutin des Karfreitag

9. Responsponsorium



+
Tenebrae factae sunt,
dum crucifixissent Jesum Judaei:
et circa horam NONAM exclamavit Jesus voce magna:
Deus meus, Deus meus
quid ut mir dereliquisti?

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Es kam eine Finsternis über die Erde,
als die Juden Jesus kreuzigten:
Und um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Karwoche – Freitag



Der Welt gekreuzigt
Es muß bemerkt werden, daß der Apostel nicht ohne Grund beide Seiten genannt hat: ihm ist die Welt gekreuzigt und er der Welt. Meistens trifft es sich doch so, daß der Mensch nicht die Welt hält, sondern die Welt den Menschen in ihren Inanspruchnahmen festhält. Nun ist dieser Mensch für die Welt tot; die Welt aber begehrt ihn als Lebendigen! Denn in dieser Zeit - des Lebens - strengt sie sich ja an, den Menschen in seinen Taten zu fangen und zu Fall zu bringen. Aber - nach Gregor dem Großen - hat weder Paulus von der Welt Ruhm gesucht noch ist er vom Ruhm der Welt gesucht worden; deshalb rühmt Paulus sich zu Recht, daß er der Welt und die Welt ihm gekreuzigt worden ist.

(Ludolf von Sachsen, Kartäuser +1378)
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