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Samstag, 13. Oktober 2012

Viele kommen



Eines der größten Häuser [Anmerkung: 60er Jahre] ist Parkminster (Sussex, England), das ursprünglich (1883) dazu bestimmt war, die aus Frankreich vertriebenen Mönche zu beherbergen.

Indem sie sich zurückgezogen und ohne Rücksicht auf weltliche Interessen und Forderungen einem Leben der Buße, der Einsamkeit und des Gebetes widmen, legen sie Zeugnis für das Unsichtbare ab; die Berufung zum Kartäuser verlangt außergewöhnliche geistliche, psychische und physische Qualitäten.

Es kommen viele Bewerber, aber die wenigsten harren aus. Während im 12. Jahrhundert die Novizen aus den Reihen der anderen Mönchs- und Kanonikergemeinschaften kamen, sind es heute [Anm.: 60er Jahre] vor allem Angehörige des Weltklerus, die sich dem Orden anschließen. Das Bild der Kartause erfuhr auch in der Gegenwart keinerlei Veränderung; die Kartäuser sind der einzige Eremitenorden, der sich seinen mittelalterlichen Charakter bewahren konnte [Anm.: konnte Knowles damals noch sagen].

(Aus: David Knowles, Geschichte des christlichen Mönchtums, München 1969, 68-71,209)

Freitag, 12. Oktober 2012

Die Kartäuser genossen immer



… einen bescheidenen Ruhm, einen „Achtungserfolg“: aber es mangelte ihnen jeder Ehrgeiz, ihre Zahl zu vervielfachen und Einfluss auszuüben. […] Die Kartäuser erlebten während der Reformation ihre größte Ausdehnung, ihre etwa 200 Klöster waren über ganz Europa verstreut. Obwohl sie in ihrer Lebensführung gleichbleibend streng waren, hatten sie doch viele Schenkungen erhalten; einige ihrer Klöster wie Certosa in Pavia und Miraflores bei Burgos wurden architektonische Kunstwerke ersten Ranges. Nach örtlichen Missgeschicken im 17. Jahrhundert, zu denen die Vertreibung der Kartäuser aus England und das Martyrium der Londoner Mönche gehörten, kam es besonders in Frankreich, Italien, Spanien zum Wiedererstarken des Ordens. Nachdem er durch die Französische Revolution erneut fast zerschlagen wurde, lebte er im 19. Jahrhundert in bescheidenem Umfang wieder auf. […]

(Aus: David Knowles, Geschichte des christlichen Mönchtums, München 1969, 68-71,209)

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Nur Kartäuser

Im Endergebnis konnten von allen Eremitenorden allein die Kartäuser sich das ganze Mittelalter hindurch halten, ja sie erlebten sogar einen ständigen, wenn auch mäßigen Zuwachs. Teilweise lässt sich das zweifellos auf das zönobitische Element in ihrem Leben zurückführen, das ein Kartäuserkloster selbst in der entlegensten und wildesten Umgebung überlebensfähiger machte als eine Gruppe von Zellen; mehr aber war das vielleicht gerade der Sittenstrenge und der Entschlossenheit zu verdanken, mit der alle Versuche, den Wind von dem geschorenen Lamm fernzuhalten oder Novizen den Zutritt zu erleichtern, abgewiesen wurden: Wer es überhaupt schaffte, ins Kloster aufgenommen zu werden, hatte auch das Zeug dazu, dort zu bleiben. […]


(Aus: David Knowles, Geschichte des christlichen Mönchtums, München 1969, 68-71,209)

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Arbeit und Studium

Landwirtschaftliche Arbeiten waren kein Teil ihres Programms, die Möglichkeit dazu fehlte wohl auch in der Grande Chartreuse; aber leichtere Tätigkeiten wie Tischlern, Schnitzen und in der Folgezeit auch Gärtnerei wurden ausgeübt. Trotz der strengen Klausur durfte man in der Klosterbibliothek wissenschaftlich arbeiten.


(Aus: David Knowles, Geschichte des christlichen Mönchtums, München 1969, 68-71,209)

Dienstag, 9. Oktober 2012

Sie waren bestrebt

... unter dem Deckmantel einer halbbenediktinischen Regel das Leben der Wüstenväter zu erneuern und so eine Verbindung aus Einsiedler und Zönobit zu schaffen. Die Mönche arbeiteten, schliefen, aßen und beteten in ihren Häusern und gingen nur zum Nachtgottesdienst, zur Messe und zur Vesper in die Kapelle. Anfänglich gab es keine tägliche Messe; das Leben verlief in Einsamkeit, Schweigen und Strenge, aber das Schweigen wurde (anders als bei den späteren Trappisten) unterbrochen durch notwendige Gespräche und gelegentliche Erholungspausen, die später als allwöchentlicher langer Spaziergang zur Regel wurden.

(Aus: David Knowles, Geschichte des christlichen Mönchtums, München 1969, 68-71,209)

Montag, 8. Oktober 2012

Die Kartäuser ähnelten den Kamaldulensern

… deren Lebensstil sie vielleicht bewusst nachahmten, indem sie als Einsiedler lebten und nur selten zu festgesetzten Zeiten zusammenkamen - nur dass von Anfang an ihre Zellen rund um das Kloster, zu dem eine Kapelle gehörte, gebaut waren; den ganzen Komplex umgab eine Mauer. 


(Aus: David Knowles, Geschichte des christlichen Mönchtums, München 1969, 68-71,209)
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