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Freitag, 30. September 2011

Scala paradisi, 48

Gott will, dass wir ihm helfen und dass wir ihm,
der ankommt und an der Tür wartet
 ihm den Schoß unseres Willens öffnen
und ihm Einlass gewähren.

Diese Zustimmung verlangte der Herr
von der Samariterin (vgl. Joh 4,7 ff), als er ihr sagte:
"Geh, ruf deinen Mann", als ob er sagen würde:
"Ich will meine Gnade in dich ergießen,
du aber gib deinen freien Willen hinzu."

Er verlangte von ihr das Gebet als er sagte:
"Wenn du wüßtest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir
lebendiges Wasser gegeben."

Als die Frau das gehört hatte, war sie wie durch eine
Lesung belehrt und meditierte darauf im Herzen, wie
gut und nützlich es wäre, dieses Wasser zu bekommen.


Vult siquidem Deus ut eum adjuvemus, et ut ei advenienti et præstolanti ad ostium, aperiamus sinum voluntatis nostræ, et ei consentiamus.
Hunc consensum exigebat a Samaritana, quando dicebat: Voca virum tuum, (Jn 4) quasi diceret: Volo tibi infundere gratiam, tu applica liberum arbitrium.
Orationem exigebat ab68 ea, cum dicebat: Tu si scires donum Dei, et quis est qui dicit tibi: Da mihi bibere, forsitan petiisses ab eo aquam vivam.
Hoc audito, quasi ex lectione mulier instructa, meditata est in corde suo bonum sibi fore et utile habere hanc aquam.

Donnerstag, 29. September 2011

Scala paradisi, 47


Ebenso, was nützt es dem Menschen,
durch die Meditation zu erkennen, was zu tun ist,
wenn wir nicht im Gebet die Hilfe und
die Gnade Gottes erflehen, um in der Lage zu sein
(eben) dies tun zu können?

"Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk
kommt von oben, vom Vater der Gestirne" (Jak 1,17),
ohne den wir nichts vollbringen können.
Er ist es ja, der in uns wirkt,
freilich nicht ganz ohne unser Zutun, denn
"wir sind Gottes Mitarbeiter" (1 Kor 3,9),
wie der Apostel sagt.


Item quid prodest homini si per meditationem quæ agenda sunt videat, nisi orationis auxilio, et Dei gratia ad ea obtinenda convalescat?

Omne siquidem datum optimum, et omne donum perfectum desursum est, descendens a Patre luminum, (Jacob 1) sine quo nihil possumus facere: sed ipse in nobis facit opera, non tamen omnino sine nobis, cooperatores enim Dei sumus (1 Cor.3.64) sicut dicit Apostolus.

Mittwoch, 28. September 2011

Scala paradisi, 46


Aber wie werden wir darüber nachdenken können
oder wie können wir vermeiden, durch falsches und
unnützes Meditieren die Grenzen zu überschreiten,
die uns von den heiligen Vätern gesetzt worden sind,
wenn wir nicht zuvor durch Lesung oder Belehrung
ermahnt wurden?

Denn das Hören gehört ebenso zur Lesung.

Daher pflegen wir zu sagen, nicht nur die Bücher
selbst zu lesen, die wir von uns aus oder (auf
Empfehlung) anderer lesen, sonder auch jene, von
welchen wir von den Meistern gehört haben.


Sed quomodo hæc cogitabimus, aut quomodo cavere poterimus, ne falsa aut inania quædam meditando, limites a sanctis Patribus constitutos transeamus, nisi prius circa hujusmodi ante ex lectione aut ex auditu fuerimus instructi?
Auditus enim quodammodo pertinent ad lectionem.
Unde solemus dicere, non solum libros ipso nos legisse quos nobis ipsi vel aliis legimus, sed illos etiam quos a magistris audivimus.

Dienstag, 27. September 2011

Scala paradisi, 45


Was hilft es nämlich,
die Zeit mit langen Lesungen zuzubringen,
das Leben und die Schriften der Heiligen
durchzublättern, ohne dass wir diesen auch
durch Kauen und Wiederkäuen
den Saft herauspressen und dann
 bis auf den Herzensgrund dringen lassen,
so dass wir daraus gründlich unseren Zustand erkennen
und uns bemühen, die Werke jener zu tun,
deren Taten wir aufmerksam zu lesen begehren?

Quid enim prodest lectione continua tempus occupare, sanctorum gesta et scripta legendo transcurrere, nisi ea etiam masticando et ruminando succum eliciamus, et transglutiendo usque ad cordis intima transmittamus, ut ex his diligenter consideremus statum nostrum, et studeamus eorum opera agere, quorum facta cupimus lectitare?

Montag, 26. September 2011

Scala paradisi, 44

Die erste Stufe ist die der Anfänger,
die zweite die der Fortschreitenden,
die dritte die der Hingabevollen,
die vierte die der Seligen.

Diese Stufen sind insofern miteinander verkettet und
dienen sich einander gegenseitig ergänzend so,
 dass die ersten wenig oder gar nichts nützen ohne die
nachfolgenden, und so, dass die nachfolgenden
entweder selten oder nie ohne die vorhergehenden
erreicht werden.


Primus gradus est incipientium, secundus est proficientium, tertius est devotorum, quartus beatorum.
(XI) Hi autem gradus ita concatenati sunt, et vicaria ope sibi invicem deserviunt, quod præcedentes sine subsequentibus aut parum, aut nihil prosunt: sequentes vero sine præcedentibus, aut raro, aut numquam haberi possunt.

Sonntag, 25. September 2011

Scala paradisi, 43

Wenn diese aber kommt, belohnt sie die Mühe der
vorher beschriebenen dreifachen Arbeit,
wobei sie die dürstende Seele mit dem Tau
himmlischer Seligkeit berauscht.

Die Lesung entspricht also einer äußeren Übung,
die Meditation einem inneren Erkenntnisvorgang,
das Gebet ist einem Verlangen,
die Kontemplation aber ist über allen Sinnen.


Hæc autem adveniens, prædictorum trium laborem remunerat, dum coelestis rore dulcedinis animam sitientem inebriat.
Lectio ergo est secundum exterius exercitium: Meditatio secundum interiorem intellectum: Oratio secundum desiderium: Contemplatio super omnem sensum

Samstag, 24. September 2011

Scala paradisi, 42

Zuerst kommt die Lesung als Fundament und diese
gibt den Stoff und führt uns zur Meditation.

Die Meditation erwägt sorgfältig, was zu erstreben sei
und sie gräbt, stößt auf den Schatz und zeigt ihn uns.

Aber da er nicht für sich allein (d.h. aus eigenen
Kräften) zu erlangen ist, bringt er uns zum Gebet.

Das Gebet erhebt sich mit allen Kräften zum Herrn
und erfleht den ersehnten Schatz,
die Wonne der Kontemplation.


Lectio enim quasi fundamentum primo occurrit, et data materia mittit nos ad meditationem.
Meditatio vero quid appetendum sit diligentius inquirit, et quasi effodiens, thesaurum invenit et ostendit.
Sed cum per se obtinere non valeat, mittit nos ad orationem.
Oratio se totis viribus erigens ad Dominum, impetrat thesaurum desiderabilem, contemplationis suavitatem.

Freitag, 23. September 2011

Scala paradisi, 41

Damit also das, was verstreut gesagt wurde
in verbundener Weise deutlicher erscheint,
fassen wir das vorher Gesagte
zur Wiederholung zusammen.
Wie in den vorher angeführten Beispielen
gesagt worden ist, kann man sehen,
wie die erwähnten Stufen-Leiter miteinander
zusammenhängen sollen und so
wie sie zeitlich aufeinander folgen,
so sollen sie dies auch aufgrund ihrer Wirkursache.


Ut ergo quæ diffusius dicta sunt, simul juncta60 melius videantur, prædictorum summam recapitulando colligamus.
Sicut in prædictis exemplis prænotatum est, videri potest quomodo
prædicti gradus cohæreant, et sicut temporaliter, ita et causaliter se præcedant.

Donnerstag, 22. September 2011

Scala paradisi, 40


Sei also keusch, wahrhaftig und demütig, damit du
verdienst, häufig von deinem Bräutigam
besucht zu werden.
Ich fürchte, uns durch dieses Gespräch
zu lange aufgehalten zu haben.
Aber das Thema war so süß und
gleichermaßen fruchtbar, so dass ich zwar nicht
plötzlich hinreißen ließ, aber von seiner Süßigkeit
ungewollt angezogen wurde.


Esto ergo casta, esto verecunda et humilis, ut sic a Sponso tuo merearis frequenter visitari.
Timeo ne diutius detinuerit nos sermo iste: sed ad hæc compulit me material fertilis pariter et dulcis, quam ego non protrahebam spontaneus, sed nescio qua ejus dulcedine trahebar invitus.
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