Freitag, 9. November 2012

Ein Stück Fundament (2 von 4)

... vom Kreuzgang der Kölner Kartause


(2)
Während viele kirchliche Bauwerke als Steinbruch benutzt wurden, blieben die Gebäude der Kölner Kartause vorerst erhalten, da sie ab dem 24. Oktober 1794 als Lazarett benutzt wurden. Erst 1816, als die Kartause in den Besitz des preußischen Militärs überging, begannen die großen Zerstörungen an den vorhandenen Gebäuden. Verschiedenen klösterliche Gebäude und der daran anstoßende Flügel des Kreuzganges wurden Garnisonslazarett, wo zeitweise 300 bis 400 Kranke in 36 Sälen betreut werden konnten. Andere Bauten wurden als Artilleriedepot zweckentfremdet. Es begannen Abrissarbeiten und Umbauten, auch Maßwerke wurden zerstört und vermauert. Die Kirche wurde Pferdestall und Wagenremise.

Die Klöster der Kartäuser hatten von alters her zwei Kreuzgänge. Um den kleinen Kreuzgang gruppieren sich die Kirche, der Kapitelsaal und das Refektorium. Mit seiner vierten Flanke berührt der kleine Kreuzgang den großen Kreuzgang und verläuft ein Stück mit ihm parallel. Um den großen Kreuzgang scharen sich die Zellen, die Einsiedeleien der Mönche. Der große Kreuzgang, der noch 1827 bestand und gewaltige Ausmaße von etwa 60 mal 55 Meter hatte, wurde bald darauf abgerissen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die preußische Garnison abgezogen, der schließlich auch die Truppen der Besatzungsmächte folgten. Damit wurde die Kölner Kartause vom preußischen Militärfiskus in den Besitz der Reichsvermögensverwaltung übergeben. Aus dem Garnisonslazarett wurde nun ein Versorgungskrankenhaus für schwerverwundete Soldaten. Die noch bestehende Bausubstanz verfiel zusehends. 1922 erwarb die evangelische Gemeinde von Köln das freie Gelände der Kartäuser mit den noch bestehenden Gebäuden samt Kirche. Diese wurde in den
nächsten Jahren umgebaut, um sie den protestantischen
Anforderungen anzupassen.

(aus: Una Voce Korrespondenz 1. Quartal 2012)

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