Mittwoch, 14. November 2012

Goldener Brief 227

Die Tugend


227. Aber kehren wir zum Lob der Tugend zurück: Was ist Tugend? Sie ist eine Tochter der Vernunft, aber noch mehr der Gnade. Denn sie ist eine Kraft, die aus der Natur kommt. Dass diese aber Tugend ist, hat sie von der Gnade. Sie ist eine Kraft, die vom Urteil der zustimmenden Vernunft kommt. Tugend aber ist sie aus dem Streben des erleuchteten Willens. Denn die Tugend ist eine freiwillige Zustimmung zum Guten. Tugend ist eine gewisse Gleichförmigkeit des Lebens, das in allem mit der Vernunft übereinstimmt. Tugend ist der Gebrauch des freien Willens nach dem Urteil der Vernunft. Die Demut ist eine Tugend, ebenso die Geduld. Tugenden sind Gehorsam, Klugheit, Mäßigung, Tapferkeit, Gerechtigkeit und viele andere. Bei all diesen ist die Tugend, wie gesagt, nichts anderes als der Gebrauch des freien Willens nach dem Urteil des Verstandes.

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