Dienstag, 6. Januar 2015

Kartäuser als die Hl. Drei Könige

„Kartäuser-Mönche als die Heiligen Drei Könige? 
Pfarrer Klaus Oehrlein hat ein solches Gemälde 
in Bamberg entdeckt."

Drei-Koenige-kommen-als-Kartaeuser-Moenche
Foto Pfarrer Klaus Oehrlein

„Zwei Mönche und eine Nonne im Kartäuser-Habit huldigen auf diesem Bild dem Jesus-Kind, das hier nicht im Stall liegend, sondern vor einem monumentalen Säulen-Bau thronend dargestellt ist. Die Kartäuser, von denen der Anführer in der Bildmitte als der Ordensgründer, wohl als der Heilige Bruno auszumachen ist, präsentieren Gold, Weihrauch und Myrrhe in Verbindung mit den Tugenden Gehorsam, Armut und Keuschheit. Ihre Gaben sind entsprechend beschriftet. Sie sind vor der himmlischen Weite positioniert. Aus dem Himmel kommen die Worte „gratia vocationis“.


Was ist nun der Inhalt dieses Buches? (2/4)

E03
Gewöhnlich wenden sich die Abhandlungen über das geistliche Leben nicht in erster Linie an den Verstand; sie überzeugen ihn nicht mit Hilfe der vom Glauben erleuchteten Vernunft und bringen ihn so dazu, den Willen auf die Pflicht und das Streben nach Vollkommenheit zu lenken. 

Diese Grundlage ist um vieles solider als das Gefühl und das Gemüt, die in unseren Tagen so sehr zum Dienst oder vielmehr zum Schaden der Frömmigkeit missbraucht werden! Wird das Gefühl und das Gemüt also von diesen Seiten ausgeschlossen? Man könnte es meinen, wenn man sie liest und beobachtet, wie der Verfasser sich bemüht, Gefühl und Gemüt auf eine zweitrangige Rolle zu beschränken. Doch dringt bald für den von einer klaren und unwiderlegbaren Darstellung erhellten Verstand eine Wärme, die auch das Herz anzieht. 

Das große Gesetz der Liebe: "Du sollt den Herrn lieben!" bewahrt die Seele vor den Verirrungen des Egoismus, durchdringt sie mit seiner heilsamen Flamme, befreit sie von unreiner Beimischung, bereichert sie mit den wohltuenden Tröstungen.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150106)


Montag, 5. Januar 2015

Was ist nun der Inhalt dieses Buches? (1/4)

E02
Es bietet im Wesentlichen nichts Neues, denn es geht von dem gut bekannten Prinzip oder Fundament des heiligen Ignatius aus, über das es eine bewundernswerte Auslegung liefert, und es kommt zu Schlussfolgerungen, die man mit einfachster Logik ziehen kann. Gerade die Einfachheit, die unwiderlegbare Logik der Beweisführung, der staunenswerte Reichtum der zitierten Stellen der Heiligen Schrift (Vulgata), mit denen die Beweisführung bekräftigt wird, hat mich sehr begeistert.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150105)



Sonntag, 4. Januar 2015

Das innerliche Leben

Pater Josef Tissot, Generalsuperior der Missionare des hl. Franz von Sales, schrieb Ende des 19. Jahrhunderts:

E01
Die Seiten, die diesen wertvollen Band bilden, sind nicht von mir. Sie sind aber mein Eigentum, soweit man bei einem Ordensmann von Eigentum reden kann. Ihr Verfasser hat sie mir als Manuskript gegeben und hat es mir völlig frei gelassen, sie nach Belieben zu gebrauchen. Gegen seine Absicht, aber doch mit seiner Erlaubnis, habe ich mich zu ihrer Herausgabe entschlossen, sobald ich sie durchmeditiert hatte. Sie hatten mir einen inneren Genuss bereitet und, ich wage es mit der Gnade Gottes zu hoffen, einen echten geistlichen Nutzen verschafft. Ich würde mir Vorwürfe machen, wenn ich sie für mich behielte, denn ich erinnere mich sehr gut an das Wort der Weisheit: "Was ich gelernt habe, davon teile ich den anderen mit ohne Neid, und ich verberge nicht die Schätze, die darin enthalten sind." (Weish 7,13.)

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150104)



Samstag, 3. Januar 2015

Über den Kartäuserorden – Ein Artikel

In der neuen Reihe: „Über den Kartäuserorden – Ein Artikel“ werde ich hin und wieder einen alten Bericht über den Orden der Kartäuser bringen. Diese Artikel sind älteren Datums und wollten den Gebildeten, wozu auch die Geistlichkeit gehörte, das Kartäuserleben nahebringen.

* * * * * * *

Von Prof. Dr. Max Josef Heimbucher (1859-1946); Priester, Lehrer, Wissenschaftler.

Die Kartäuser

In jeder Kartause befinden sich Profeßreligiosen (Mönche, Patres) und zur Hilfe bei gröberen Arbeiten Laienbrüder (Fratres). Die Laienbrüder wohnen gemeinschaftlich und stehen unter der ständigen Leitung des P. Prokurator, der die gesamte Verwaltung des Weltlichen besorgt. Vor dem zwanzigsten Lebensjahr darf niemand aufgenommen werden. Nach einjährigem Noviziat wird die einfache» nach weiteren vier Jahren die feierliche Profeß abgelegt.

Die Kartäuser beobachten immerwährendes Stillschweigen, doch dürfen sie Notwendiges und Nützliches mit wenigen Worten begehren, auch findet an Sonntagen und bestimmten Feiertagen eine gemeinschaftliche Unterredung statt. Ebenso wird in jeder Woche ein gemeinsamer, etwa dreieinhalb Stunden wahrender Spaziergang gemacht, auf dem religiöse Gespräche geführt werden dürfen. Im Gegensatz zu andern Orden, die viel Bildungs- und Aushilfsarbeit außerhalb der Klosterklausur auf sich nehmen, sind die Kartäuser völlig zurückgezogen. Damit man nicht mit der Welt in Verbindung treten muß, soll sämtlicher Grund und Boden, aus dem das Kloster seinen Lebensunterhalt gewinnt, rings um das Kloster liegen und ein geschlossenes Ganzes bilden. Die Kartäuser haben so in der Urbarmachung unfruchtbaren Landes schon Großes geleistet. Dieses Gebiet bildet den Wirkungskreis der Laienbrüder; darüber hinaus darf kein Kartäuser gehen. Die Profeßreligiosen sind auf einen noch engeren Bezirk beschränkt. Rings um das Hauptgebäude (mit Kapitelsaal, Bibliothek usw.) liegen die Zellen der Patres; sie bilden kleine Häuschen für sich und stehen in keinerlei Verbindung miteinander. Jedes enthält einen zehn Meter langen Gang zum Auf-und Abgehen, ein Vorzimmer, ein Studierzimmer, eine Werkstätte, einen Lagerraum für Holz und Kohle, in der Regel auch einen eigenen Raum zum Beten und einen solchen zum Schlafen. Der Gang läuft in einen kleinen Garten aus, welchen der die Zelle bewohnende Kartäuser instand hält. Kein Kartäuser darf ohne Erlaubnis des Obern das Häuschen eines andern betreten.

Die (fleischlose) Nahrung wird dem Kartäuser fertig zubereitet von den Laienbrüdern durch eine kleine, zur Seite der Eingangstüre angebrachte Öffnung gereicht. Von Kreuzerhöhung (14. September) bis Ostern gibt es an mehreren Wochentagen nur eine einzige Mahlzeit, an Freitagen und an den Vorabenden hoher Feste ist nur Wasser und Brot erlaubt.

Die Kartäuser legen sich im Sommer und im Winter um sieben Uhr schlafen, pflegen jedoch nur bis halb elf oder elf Uhr nachts der Ruhe. Dann wird jeder durch einen Schlag an seine Zelle geweckt, worauf er für sich die Matutin und Laudes des kleinen marianischen Offiziums betet. Um Mitternacht begeben sich die Kartäuser, ein Licht in der Hand, die Kapuzen über den Kopf gezogen, in den Chor der Kirche, wo sie das Tagesoffizium in langsam-feierlicher Weise singen, was fast bis zwei Uhr morgens währt. Hierauf begeben sie sich nochmals zur Ruhe, beten um sechs Uhr die Prim und versammeln sich um sieben Uhr abermals in der Kirche, um hier in den Chorstühlen dem feierlichen Hochamt beizuwohnen. Am Altar befindet sich nur der zelebrierende Priester; ist eine Dienstleistung vorzunehmen, so tritt ein Kartäuser aus seinem Chorstuhl an den Altar. Die Gesänge werden ohne Orgelbegleitung angestimmt. Bei der Stelle des Credo: Et incarnatus est..., bei der Wandlung und der Kommunion werfen sich alle auf ihr Angesicht nieder und bleiben in dieser Stellung liegen, bis der den Ministrantendienst Verrichtende durch Klopfen mit dem Fuß das Zeichen zum Aufstehen gibt. Später kehren alle in ihre Häuschen zurück, um eine halbstündige Betrachtung zu halten und dann die Arbeit zu beginnen. Neben Gebet und Entsagung pflegt der Orden vor allem die Meditation und die wissenschaftlichen Studien. Die Zeit, welche der Kartäuser täglich den asketischen Übungen widmet, beträgt ungefähr acht Stunden. Nochmals kommen die Kartäuser um 2.45 Uhr nachmittags zur Vesper in der Kirche zusammen.

Die Sterbesakramente empfängt der Kartäuser in Gegenwart der ganzen Ordensgemeinde. Sein Leichnam wird, nur mit den Ordenskleidern umhüllt, in die Erde gesenkt. Ein einfaches, namenloses Holzkreuz bezeichnet sein Grab.

(Erschienen in: Du, Kulturelle Monatsschrift, 8-1948)

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