Samstag, 3. Januar 2015

Über den Kartäuserorden – Ein Artikel

In der neuen Reihe: „Über den Kartäuserorden – Ein Artikel“ werde ich hin und wieder einen alten Bericht über den Orden der Kartäuser bringen. Diese Artikel sind älteren Datums und wollten den Gebildeten, wozu auch die Geistlichkeit gehörte, das Kartäuserleben nahebringen.

* * * * * * *

Von Prof. Dr. Max Josef Heimbucher (1859-1946); Priester, Lehrer, Wissenschaftler.

Die Kartäuser

In jeder Kartause befinden sich Profeßreligiosen (Mönche, Patres) und zur Hilfe bei gröberen Arbeiten Laienbrüder (Fratres). Die Laienbrüder wohnen gemeinschaftlich und stehen unter der ständigen Leitung des P. Prokurator, der die gesamte Verwaltung des Weltlichen besorgt. Vor dem zwanzigsten Lebensjahr darf niemand aufgenommen werden. Nach einjährigem Noviziat wird die einfache» nach weiteren vier Jahren die feierliche Profeß abgelegt.

Die Kartäuser beobachten immerwährendes Stillschweigen, doch dürfen sie Notwendiges und Nützliches mit wenigen Worten begehren, auch findet an Sonntagen und bestimmten Feiertagen eine gemeinschaftliche Unterredung statt. Ebenso wird in jeder Woche ein gemeinsamer, etwa dreieinhalb Stunden wahrender Spaziergang gemacht, auf dem religiöse Gespräche geführt werden dürfen. Im Gegensatz zu andern Orden, die viel Bildungs- und Aushilfsarbeit außerhalb der Klosterklausur auf sich nehmen, sind die Kartäuser völlig zurückgezogen. Damit man nicht mit der Welt in Verbindung treten muß, soll sämtlicher Grund und Boden, aus dem das Kloster seinen Lebensunterhalt gewinnt, rings um das Kloster liegen und ein geschlossenes Ganzes bilden. Die Kartäuser haben so in der Urbarmachung unfruchtbaren Landes schon Großes geleistet. Dieses Gebiet bildet den Wirkungskreis der Laienbrüder; darüber hinaus darf kein Kartäuser gehen. Die Profeßreligiosen sind auf einen noch engeren Bezirk beschränkt. Rings um das Hauptgebäude (mit Kapitelsaal, Bibliothek usw.) liegen die Zellen der Patres; sie bilden kleine Häuschen für sich und stehen in keinerlei Verbindung miteinander. Jedes enthält einen zehn Meter langen Gang zum Auf-und Abgehen, ein Vorzimmer, ein Studierzimmer, eine Werkstätte, einen Lagerraum für Holz und Kohle, in der Regel auch einen eigenen Raum zum Beten und einen solchen zum Schlafen. Der Gang läuft in einen kleinen Garten aus, welchen der die Zelle bewohnende Kartäuser instand hält. Kein Kartäuser darf ohne Erlaubnis des Obern das Häuschen eines andern betreten.

Die (fleischlose) Nahrung wird dem Kartäuser fertig zubereitet von den Laienbrüdern durch eine kleine, zur Seite der Eingangstüre angebrachte Öffnung gereicht. Von Kreuzerhöhung (14. September) bis Ostern gibt es an mehreren Wochentagen nur eine einzige Mahlzeit, an Freitagen und an den Vorabenden hoher Feste ist nur Wasser und Brot erlaubt.

Die Kartäuser legen sich im Sommer und im Winter um sieben Uhr schlafen, pflegen jedoch nur bis halb elf oder elf Uhr nachts der Ruhe. Dann wird jeder durch einen Schlag an seine Zelle geweckt, worauf er für sich die Matutin und Laudes des kleinen marianischen Offiziums betet. Um Mitternacht begeben sich die Kartäuser, ein Licht in der Hand, die Kapuzen über den Kopf gezogen, in den Chor der Kirche, wo sie das Tagesoffizium in langsam-feierlicher Weise singen, was fast bis zwei Uhr morgens währt. Hierauf begeben sie sich nochmals zur Ruhe, beten um sechs Uhr die Prim und versammeln sich um sieben Uhr abermals in der Kirche, um hier in den Chorstühlen dem feierlichen Hochamt beizuwohnen. Am Altar befindet sich nur der zelebrierende Priester; ist eine Dienstleistung vorzunehmen, so tritt ein Kartäuser aus seinem Chorstuhl an den Altar. Die Gesänge werden ohne Orgelbegleitung angestimmt. Bei der Stelle des Credo: Et incarnatus est..., bei der Wandlung und der Kommunion werfen sich alle auf ihr Angesicht nieder und bleiben in dieser Stellung liegen, bis der den Ministrantendienst Verrichtende durch Klopfen mit dem Fuß das Zeichen zum Aufstehen gibt. Später kehren alle in ihre Häuschen zurück, um eine halbstündige Betrachtung zu halten und dann die Arbeit zu beginnen. Neben Gebet und Entsagung pflegt der Orden vor allem die Meditation und die wissenschaftlichen Studien. Die Zeit, welche der Kartäuser täglich den asketischen Übungen widmet, beträgt ungefähr acht Stunden. Nochmals kommen die Kartäuser um 2.45 Uhr nachmittags zur Vesper in der Kirche zusammen.

Die Sterbesakramente empfängt der Kartäuser in Gegenwart der ganzen Ordensgemeinde. Sein Leichnam wird, nur mit den Ordenskleidern umhüllt, in die Erde gesenkt. Ein einfaches, namenloses Holzkreuz bezeichnet sein Grab.

(Erschienen in: Du, Kulturelle Monatsschrift, 8-1948)

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...