Montag, 19. Januar 2015

Es ist so leicht, sich zu täuschen

IL008-VW08

Aber die Sinne verstehen diese Genüsse nicht, sie sehen die Tränen und die Arbeit, die Mühen des Aufwärtssteigens und den Kampf. Deshalb fürchtet man instinktiv die Tiefen, wo sich diese Arbeit vollzieht.

Es ist so leicht, sich zu täuschen, wenn man einerseits ohne große Schwierigkeiten Freuden begegnet, die man für sehr rein hält, und andererseits Kämpfe sieht, die man nicht für sehr rein oder nicht für sehr notwendig hält! Daher gibt es zahlreiche Vorwände, um die unmittelbaren und leicht zu gewinnenden oberflächlichen Genüsse der Arbeit und dem Kampf in den Tiefen vorzuziehen. Und daher kommt das, wovon der heilige Johannes von Kreuz spricht:

„Manche bedienen sich aus Mangel an Wissen der geistigen Güter, nur um den Sinnen zu genügen, und ihrem Geist mangelt es in der Folge an jeglicher Frucht. Der untere Teil zieht seinerseits das befruchtete Wasser der Gnade an sich und hindert es, bis zum Geist empor zu dringen. Dieser bleibt die Beute einer trostlosen Trockenheit und einer beängstigenden inneren Leere. Man findet kaum eine Person, die dieser Tyrannei der Sinne entkommt." (Johannes vom Kreuz. Aufstieg zum Berge Karmel, 3. Buch. 32. Kap).

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150119)


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