Sonntag, 5. Juli 2015

Dietrich von Hildebrand und der Kartäuser

Die Ehefrau von  Dietrich von Hildebrand, Dr. Alice von Hildebrand, gab dem Latin Mass Magazine - Summer 2001 eine längeres Interview. Daraus der folgende Abschnitt.

< Lassen sie mich von einem Ereignis berichten, das meinem Mann Kopfschmerzen bereitete. Es war 1946, kurz nach dem Krieg. Mein Mann lehrte in Fordham [Fordham University in New York] und in einem seiner Kurse erschien ein jüdischer Student, der während des Krieges Marineoffizier gewesen ist. Eines Tages erzählte er meinem Mann von einem besonders beeindruckenden Sonnenuntergang im Pazifik und wie dieser ihn zu einer Suche nach der Wahrheit über Gott geführt hatte. Er ging zuerst nach Kolumbien um Philosophie zu studieren und er wusste nicht, wonach er suchte. 

Eines Tages nach der Vorlesung gingen mein Mann und dieser Student spazieren. Er erzählte meinem Mann dabei, dass er angesichts der Tatsache überrascht war, dass eine Reihe von Professoren, nachdem sie herausgefunden hatten, dass er Jude war, ihm versicherten, nicht zu versuchen ihn zum Katholizismus zu bekehren. Mein Mann war verblüfft, blieb stehen, drehte sich zu ihm um und sagte: Was haben sie gesagt? Er wiederholte diese Geschichte und mein Mann erwiderte ihm: ich würde bis zum Ende der Welt gehen, um aus ihnen eine Katholik zu machen. 

Lange Rede, kurzer Sinn: der Mann wurde katholisch, zum Priester geweiht und Kartäusermönch in der einzigen Kartause der USA in Vermont. >




Dietrich von Hildebrand (12. Oktober 1889 - 26. Januar 1977) war Philosoph und lehrte u. a. in Deutschland und in den USA. - Zwei seiner bekannteren Bücher sind „Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes“ (1967) und „Der verwüstete Weinberg“ (1973). Darin beschreibt von Hildebrand die Probleme, die sich seit dem 2. Vatikanischen Konzil vor allem auch durch die Liturgiereform ergeben haben, deren großer Kritiker er war.
 



Dietrich von Hildebrand,

geb. 12.10.1889 in Florenz,

gest. 26.1.1977 in New Rochelle, NY.


Alice von Hildebrand, geb. Jourdain,
geb. 11.3.1923 in Brüssel.




Samstag, 4. Juli 2015

Übertriebener Eifer

IL134-Z.12.5b

Nein, nein, nicht soviel übertriebenen Eifer.
Man fängt nicht zu bauen an, bevor man den Plan hat; man reist nicht ab, ohne das Ziel zu kennen. Der Baumeister nimmt sich Zeit, um seine Pläne in allen ihren Teilen auszuarbeiten. Er wird die Arbeiter erst dann zum Bauplatz schicken, wenn der Plan ganz vollendet ist. Der Reisende nimmt sich Zeit, seine Reise zu studieren und vorzubereiten, und er begibt sich erst auf den Weg, wenn die Vorbereitungen ernstlich getroffen sind.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150704)

Freitag, 3. Juli 2015

Die unruhige Ungeduld

IL133-Z.12.5a

Diese Gedanken, die unten notwendigerweise weiter entwickelt werden, müssen hier in Erinnerung gebracht werden, um mich vor der unruhigen Ungeduld, die sich im Menschen regt, in acht zu nehmen.

Tatsächlich reißt heutzutage eine fieberhaft erregte Manie die gutwilligen Seelen fort. Sie birgt in sich die Gefahr, mich gleich in eine Bewegung voll Voreingenommenheit oder Ungeduld hinzureißen und hineinzustürzen, die mich entweder fürchten ließe, es sei unmöglich, mich in den Stand, dessen Schönheit mich anzieht, zu erheben, oder die mir ihn als äußerst schnell und leicht erreichbar erscheinen lassen würde. Und ich würde mich beängstigenden, mich eitlen Befürchtungen überlassen, oder ich würde mich unüberlegt und fruchtlos ablaufen und abmühen.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150703)


Donnerstag, 2. Juli 2015

Wiederholung ist noch nicht Gewohnheit

IL132-Z.12.4b

Diese Stufe, wie alle ihr folgenden, sind nicht durch die mehr oder weniger große Zahl hervorgebrachter Akte charakterisiert, sondern durch die Einheit und Vollkommenheit, die die Seelenverfassung erreicht.  Die Seele kommt tatsächlich nur in dem Maß zu einem bestimmten Zustand, als sie die Einheit der Disposition, die ihn charakterisiert, erreicht. Ich weiß zwar, dass diese Seelenverfassung durch Wiederholung der Akte erworben wird, doch die Wiederholung der Akte ist noch nicht die Gewohnheit selbst, auch wenn sie zur Bildung der Gewohnheit beiträgt.

Die Gewohnheit hat also ihre natürliche Wurzel in den Neigungen der Seele und ihre übernatürliche Wurzel in den eingegossenen Gnaden. Und sie entwickelt sich nicht allein aus meiner menschlichen Arbeit, sondern vor allem aus der Arbeit, die Gott in mir vollbringt. Ich werde das im zweiten Teile sehen. Die Wiederholung der Akte tritt also nur als vierter und letzter Faktor zur Bildung der Frömmigkeit auf. Faktoren meines Lebens sind zuerst die natürlichen Neigungen, dann die übernatürlichen Gnaden, ferner die Tätigkeit der Vorsehung und endlich meine persönliche Tätigkeit. Die Frömmigkeit ist das Schlussresultat dieser vier Faktoren.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150702)


Mittwoch, 1. Juli 2015

Die Meidung der Todsünde ist die erste Stufe

IL131-Z.12.4a

Es handelt sich hier tatsächlich um einen Zustand der Seele und um eine Tugendstufe. Denn ich will hier weder die Akte noch die Übung dieser oder jener einzelnen Tugend studieren. Ich will nur die eine und einzige Seelenverfassung betrachten, die den Mittelpunkt und das allgemeine Resultat aller Akte und aller Neigungen bildet. Sie vereint und fasst alle Tugenden zusammen und wird Frömmigkeit genannt. Auf dieses einige Ganze richte ich meine Augenmerk, und ich will jetzt sehen, wie es sich entwickelt und von Stufe zu Stufe wächst. 

Die Meidung der Todsünde ist seine erste Stufe.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150701)


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