Freitag, 5. April 2013

Pater Christian Thomas + (3.4.2013)

Eine traurige Nachricht

Vor einigen Tagen habe ich einen Bericht vorbereitet, den ich in den nächsten Wochen veröffentlichen wollte. Doch nun ist ein Ereignis eingetreten, das mich dazu veranlasst, schon heute darüber zu berichten.

Der kleine große Kartäuser ist gestorben - R.I.P.

Er starb gestern, am 4. April 2013, 83 jährig,  in dem Pflegeheim, in dem er bettlägerig drei Jahre lebte. Es herrscht eine große Trauer unter seinen vielen Freunden, denen dieser Kartäuser, zwar klein von Statur, aber von großer spiritueller Tiefe, nahe gewesen ist.

Ein Requiem für Dom Christian findet am 5. April um 15:30 Uhr statt. Danach wird sein Leichnam in die Kartause Serra San Bruno übertragen und beigesetzt.

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Geboren wurde er am 19. November 1929 in Tillieres (Maine-et-Loire, Pays-de-la-Loire, Frankreich) als Eugen Gaston Celestin Thomas. Er besuchte die Grundschule und danach das Gymnasium. Im Oktober 1949 begann er im Priesterseminar ein Theologiestudium um Priester zu werden. Studieren und Beten wurden im Seminar seine wichtigsten Tätigkeiten.

Sein drittes Studienjahr wurde für seinen weiteren Lebensweg enorm wichtig. Er las das Buch
„Silence Cartusien“ (deutsch: Vom Schweigen der Kartäuser, Luzern 1956) von dem Kartäuser-Pater Augustin Guillerand und war total begeistert. Die Lektüre dieses Buches entführte ihn gewissermaßen aus seinem bisherigen Leben und wurde für ihn Anlass zu dem Wunsch, selbst diese Lebensform zu ergreifen.

In jenem Jahr 1952 darf er für 15 Tage, vom 10. bis zum 24. Juli, die Kartäuser-Mönche in der Grande Chartreuse besuchen und dort ihr Leben kennenlernen. Diese Erlebnisse bestärkten ihn in seiner Überzeugung, selbst Kartäuser-Mönch zu werden.

Am 15. November 1952 trat der junge Theologe in die Grande Chartreuse ein und legte am 31. März 1958 seine feierliche Profess ab. Pater Christian lebte fast 28 Jahre verborgen in seinem Eintrittskloster, dem Mutterhaus des Kartäuser-Ordens im Gebirge der Chartreuse bei Grenoble. Im Jahre 1980 wurde er in die italienische Kartause von Serra San Bruno in Kalabrien versetzt. Hier führte es sein einsames Leben in der Klausur fort.

Ein Höhepunkt seines Lebens war der Besuch von Papst Johannes Paul II. in der kalabrischen Kartause und eine kurze Begegnung mit ihm. Es war das Jubiläumsjahr des hl. Bruno im Oktober 1984. Pater Christian war von kleiner Gestalt und im Gespräch mit dem Heiligen Vater wirkte er fast kindlich und zerbrechlich.

1984
Aus gesundheitlichen Gründen verlies Pater Christian Thomas im August 1994 seine geliebte Kartause; er befand sich in seinem 64. Lebens- und in seinem 42. Ordensjahr.

Für Pater Christian, den Kartäuser, begann ein gänzlich anderes leben. Er bezog zunächst eine kleine Einsiedelei mit einer Kapelle, ungefähr 140 KM nordöstlich von Serra San Bruno in der Nähe der Stadt „Isola di Capo Rizzuto“. Ganz in der Nähe liegt die berühmten Einsiedelei „L'Eremo di Sant' Onofrio al Morrone“. Dort lebte der Einsiedler-Mönch Pietro da Morrone, der im Jahre  1294 unter dem Namen Coelestin V. Papst wurde und nach nur wenigen Wochen zurückgetreten ist. Auf seinem Grabmahl legte Papst Benedikt XVI. vor einigen Jahren sein Pallium nieder.

Der gesundheitlich stark angeschlagene Mönch wurde von nun an von den Menschen der Gegend besucht und bald verehrt. Sie wollten ihn hören, seinem Wort lauschen. So gut er konnte ging er auch selbst zu ihnen. Pater Christian begegnete allen Menschen gleich. Er kümmerte sich intensiv um sie, er hörte zu und betete mit ihnen.

ca. 2007
Es wird berichtet, dass all jene, die mit ihm zusammenkommen konnten, diese Begegnungen als Momente von hoher Spiritualität bezeichneten. Der kranke Mönch strömte Freude aus. Bald wurde er gesucht als Beichtvater und Exorzist. Sein Ruhm wuchs. Viele Gläubige kamen ständig zu ihm in seine kleine Kapelle, die nie leer wurde.

Dies ging so weiter bis in das Jahr 1999, als der kleine große Kartäuser durch seine Krankheit immer hinfälliger wurde. Seither lebte Pater Christian, ans Bett gefesselt  in einem Pflegeheim für Priester in der kleinen Stadt „Sant’Andrea Apostolo dello Ionio“, wieder etwas näher an der Kartause Serra San Bruno.

ca. 2011
Seine Botschaften und Gebete, sind für diejenigen, die ihn persönlich kannten, eine unerschöpfliche Quelle für das geistliche Leben.

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„Die unendliche Liebe gibt alles und will alles.
Unser himmlischer Vater hat sich für uns hingegeben,
er gab alles, seinen einzigen Sohn, Jesus.
So ist die Liebe, sie geht bis ans Ende,
bis in den Wahnsinn,
ein großartiges Geschenk.“

 




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