Samstag, 13. April 2013

In der Wüste - den Menschen zugewandt

„Sozial-karitatives Engagement steht heute - jedenfalls in Worten - hoch im Kurs. Für Seelsorge haben die Christen regelmäßig noch Verständnis. Ein Leben in Einsamkeit, Abtötung und Gebet aber erscheint vielen als absurd, als unnütz.

Die Begründung der Lebensart der Kartäuser ist nur dem Glauben, und zwar einem geläuterten und vertieften Glauben, verständlich.

Die Kartäuser sind gleichsam von Berufs wegen Hörende, lauschend auf das, was der Geist Gottes ihnen sagt.

Die Mönche sind Moses auf dem Berge vergleichbar, der, während das Volk Israel kämpfte, die Hände zu Gott erhob; solange er in dieser Weise betete, siegte das Volk.

Auf ihr Gebet hin wandelt Gott die Herzen der Menschen um, bekehrt sie zu wahrer Besserung des Lebens, öffnet ihren Sinn für die Botschaft des Evangeliums und lässt sie in allem Guten Frucht bringen. Wo Predigt und Unterricht Menschen kalt lassen, vermag das Gebet immer noch die Herzen zu erwärmen. Das Gebet erreicht auch die Menschen, die von der Verkündigung der Kirche nicht erfasst werden.

Das Gebet der Kartäuser gilt der ganzen Menschheit. Der Mensch, der sich unmittelbar den Menschen zuwendet, erreicht immer nur einzelne, vielleicht viele einzelne. Der Mensch, der sich unmittelbar Gott zuwendet, erreicht alle Menschen, weil Gott mächtig ist, auf das Gebet eines einzigen Menschen die ganze Menschheit zu segnen.“

(aus: Georg May, Die Botschaft der Kartäuser, Der Fels, Heft 1/1973)



Friedhof der Mönche in Serra San Bruno, Kalabrien


Kommentare:

  1. Lieber Jos,

    nicht um H.H. Prof. Dr. May zu "widersprechen" - eher, um quasi noch eines "drauf zu setzen" ... :-)

    Ich denke, auch die karitativ tätigen Christen haben als Christen ja keine andere Grundhaltung als die des "soli Deo" - alles allein Gott - Ihm zur Ehre und zum Heile aller Seelen - auch wenn ihre äußere Lebensaufgabe in der Zuwendung zu konkreten Einzelpersonen besteht - und sie darüber zwangsläufig nur einen Teil der Menschen erreichen können. In ihrer christlichen Hingabe an Gott ist sicherlich jedoch auch das Heil aller Seelen eingeschlossen - wofür bestimmt auch ganz bewusst die Opfer in der Sorge um die Einzelnen aufgeopfert werden - quasi "pars pro toto". Was für jeden Menschen gilt, egal auf welchem Lebensweg: Eltern, Schüler, Einsame - es zählt allein die Liebe und Hingabe an den Herrn.

    Ist es bei den Kontemplativen nun nicht so, dass deren Berufung unter dem Aspekt des "soli Deo" aus Sicht der Menschheit als Gemeinschaft gesehen werden kann? Da wir nun einmal Leib-Seele-Wesen sind, da der Mensch nun mal ein soziales, d.h. auf die Gemeinschaft ausgerichtetes, Wesen ist - dass also das Äußere, das Sichtbare, "körperlich Greibare" das Innere zum Ausdruck bringen "muss"? Auch bezogen auf die Gemeinschaft? Dass wir als Menschen das eben brauchen? Dass es uns so "zukommt" - und gut und wichtig, ja notwendig für uns ist?

    Umgangssprachlich kennen wir z.B. Ausdrücke wie "die Güte selbst", "die Güte in Person" u.ä. So ist für mich z.B. der Mönch die "evangelischen Räte selbst" - weil er das "Innere" des Christentums auch zu seinem äußeren Leben gemacht hat - sichtbar, körperlich. Und der rein Kontemplative verkörpert für mich den Aspekt des "Gott ist absolut". Gelten tut das natürlich für jeden Einzelnen von uns, in jedem einzelnen Augenblick unseres Lebens: Gottes Ehre zuerst. Für uns als Menschheitsgemeinschaft sichtbar gemacht wird das nun, denke ich, durch die Berufung des Kontemplativen: Soli Deo! Das Licht auf dem Leuchter, die Stadt auf dem Berg.

    Dank für Ihren wunderbaren Blog und Gottes Segen wünschend grüßt herzlich,

    Iris

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    1. Vielen Dank für Ihre wunderbaren Zeilen! Ich kann Sie nur bestätigen. - Wegen Krankheit kann ich erst heute antworten und mit dem bloggen wird es noch einige Tage dauern. Vielleicht darf ich Sie um ein kleines Memento bitten? Ihre Segenswünsche und Grüße erwiedere ich von Herzen! - jos.m.

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