Freitag, 22. August 2014

Lanspergius - Unfromm leben ist kein Laster mehr, sondern Tugend

Lanspergius ging es um die Frömmigkeit. Tief ist er erschüttert von dem Verfall des kirchlichen Lebens. 
Wiederum lässt er Jesus Christus sprechen:

„Wie jammervoll heute die Gestalt der Kirche ist,
wie groß ihre Entstellung, ist allen sichtbar.
Überall liegt die Frömmigkeit darnieder,
allenthalben herrschen die Läster.
Unfromm leben ist kein Laster mehr, sondern Tugend.

Christi Evangelium wird zwar oft im Munde geführt,
im Leben aber erscheint es nirgendwo.
Die Menschen vergehen in ihren Schlechtigkeiten,
die Welt scheint in Brand zu stehen
durch die Bosheit der Menschen.

Was sollen da diejenigen tun, die sich quälen über den
unwiederbringlichen Verlust der Seelen,
die von Schmerz erfüllt sind über die Verachtung Gottes
und die der Eifer für Gottes Haus verzehrt?
Sicherlich keinerlei Versuch zu machen,
aus aller Kraft so großen Übeln sich entgegenstemmen,
das wäre eines Christenmenschen unwürdig.

Diese Überlegung hat mich dahin geführt,
etwas zu unternehmen, um den elenden und
verblendeten Menschen, die sich blindlings
in den Abgrund stürzen, ein Heilmittel darzubieten,
und, wenn auch nicht vielen,
so doch einigen wenigen zu nützen.

Nichts will ich für mich, nichts nehme ich für mich;
aber weil ich Christ bin, muss ich Schmerz empfinden
über den Untergang so vieler Seelen,
über die Not und die Entstellung der
von Tag zu Tag immer mehr
ermattenden Kirche."

Johannes  Justus Lanspergius, Kartäuser in Köln - (1488-1539)



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