Dienstag, 8. Juli 2014

Bruno der Kartäuser - Brief an Radolf, Propst in Reims (1/15)

Etwa um das Jahr 1097 schrieb Bruno einen Brief an Radolf, den Propst des Domkapitels in Reims und späteren Erzbischof. Radolf gehörte zu Brunos Freunden. Mit ihm zusammen hat er den Entschluss gefasst und das Gelübde abgelegt, die Welt zu verlassen. Doch Radolf hat den einmal gefassten Entschluss nicht mit umgesetzt. Er ging nicht mit in die Einöde sondern blieb in Reims. Erst kurz vor seinem Lebensende ging er in die Benediktinerabtei St. Denis und erhielt das Mönchsgewand. Hier starb er am 11. Juli 1124, also vor genau 890 Jahren. Bruno starb bereits am 6. Oktober 1101, durch das Alter und von langjähriger Askese geschwächt.

Der Brief Brunos ist ein klassischer Mönchsbrief. Es handelt sich um ein Mahnschreiben an einen alten Freund. Bruno hat es verfasst um Radolf noch einmal ernstlich „ins Gewissen zu reden“, damit er doch noch sein Gelübde erfülle.

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Bruno entbietet dem verehrten Herrn
Radolphus, Propst von Reims,
in aufrichtiger Liebe Gruß und Heil.

-I- Deine zuverlässige alte und bewährte Freundschaft tritt umso klarer und rühmlicher hervor, je seltener man sie bei den Menschen findet. Denn obwohl wir durch weite Strecken und lange Zeit hindurch dem Leibe nach voneinander getrennt waren, nimmt dennoch die Freundschaft nicht ab. Das haben Deine lieben Briefe, in denen Du mich Deiner Freundschaft versichert hast, sowie die Gefälligkeiten, die Du nicht nur mir, sondern meinetwegen auch Bruder Bernhard reichlich erwiesen hast und noch manche andere Beweise genügend gezeigt. Dafür möchte ich Dir Dank sagen. Und wenn dieser Dank auch angesichts dessen, was Du mir Gutes getan hast, gering ist, so kommt er
doch aus dem reinen Quell der Liebe.

-II- Vor einiger Zeit habe ich einen Reisenden, der sich bei anderer Gelegenheit als gewissenhaft erwiesen hat, mit einem Brief zu Dir gesandt. Aber da ich ihn bisher nicht wiedergesehen habe, schicke ich einen unserer Brüder zu Dir. Er wird Dir ausführlich alles, was mich betrifft, mündlich ausrichten. Denn Feder und Tinte reichen dafür nicht aus.

-III- Ich möchte Dir erfreulicherweise mitteilen, dass ich körperlich – hoffentlich auch geistig! - gesund bin und dass die äußeren Umstände ganz nach Wunsch verlaufen. Im übrigen erflehe ich die Barmherzigkeit Gottes und erwarte von ihr, dass „sie meine Gebrechen heilt... und meine Sehnsucht mit Gütern erfüllt" (Ps 103 [102],3.5).


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