Montag, 14. Juli 2014

Bruno der Kartäuser - Brief an Radolf, Propst in Reims (6/15)

Die göttliche Einladung zu seiner Liebesvereinigung fordert damit auch die Trennung von der Welt und von den Bindungen an zeitliche Güter.

-IX- Du weißt ja, wer die Worte spricht: „Der die Welt liebt und das, was in ihr ist" - und das sind Fleischeslust, Augenlust und ehrgeiziges Getue -, „in dem ist nicht die Liebe des Vaters" (1 Joh 2,15f). Und: „Wer ein Freund dieser Welt ist, wird zum Feind Gottes" (Jak 4,4).

Nichts wäre darum so verkehrt, nichts ein so deutliches Zeichen geistigen Ruins, ja nichts würde mehr ins Verderben und Unglück führen, als dem Widerstand leisten zu wollen, dessen Macht man nicht standhalten und dessen gerechter Strafe man nicht entfliehen kann. Auch wenn er uns jetzt in Liebe und Geduld zu Umkehr und Buße ruft - wird nicht am Ende die Strafe stehen, wenn wir uns über ihn hinweggesetzt haben? Denn was ist verkehrter, was steht mehr im Widerspruch zur Vernunft, zur Gerechtigkeit und zur Natur selbst, als das Geschöpf mehr zu lieben denn den Schöpfer, das Vergängliche mehr denn das Ewige, auf Irdisches mehr bedacht zu sein, denn auf Himmlisches?


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