Mittwoch, 30. Dezember 2015

Authentische Zusammenfassung der Spiritualität und geistigen Physiognomie des Kartäuserordens. (3/14)

Gewiß, diese Akte gründlicher Läuterung (Abtötung, s. o.) sind notwendig, um vorzudringen bis ins Heiligtum der Vereinigung mit Gott. - Doch um diese äußeren Abtötungen besser zu verstehen und um jedem Mißverständnis vorzubeugen, möchten wir gleich betonen, daß sie nur negativen und relativen Charakter haben.

Negative Bedeutung:
weil sie aus sich selbst keinen inneren Wert haben und nur Hindernisse in der Disposition für Gott beseitigen müssen.

Relative Bedeutung:
weil sie, um nicht unfruchtbar zu werden, bezogen werden müssen auf ihr inneres Ziel, die göttliche Liebe, die Vereinigung mit dem göttlichen Leben.

Die Bußübungen der Kartäuser können und dürfen somit nicht die Grundlage bilden für ein Urteil über die Erhabenheit und Schönheit des Kartäuserberufes. Ebenso wäre es durchaus unrichtig, diese als Ziele zu setzen und sich einzubilden, unser Ideal bestehe in ihnen.

Die Statuten des Kartäuserordens sind in diesem Punkte sehr klar und unzweideutig. Vielleicht mehr als in irgend einer andern religiösen Ordensfamilie muß hier die Buße als das Mittel und die Vorstufe dem Ziel und Ideal, der Kontemplation, untergeordnet werden; freilich in einer Abstufung, die von großer Klugheit und Mäßigung zeugt.

Die von den Vätern bestimmten und festgesetzten körperlichen Strengheiten werden nur unter der Bedingung empfohlen, daß sie im Gehorsam geübt und durch ihn erfüllt werden. Der Gehorsam muß das natürliche Resultat der Demut und Liebe sein, er muß allem die Richtung, die Freudigkeit und das Leben verleihen.

(vgl.: Das weiße Paradies. Ein Kartäuser spricht.) 


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