Mittwoch, 9. Dezember 2015

Vom Fegfeuer

IL208-Z.23.1

Wie energisch sollte ich mir doch das Verlangen des heiligen Franz von Sales aneignen! Denn diese Vernichtung, diese gänzliche Reinigung des menschlichen Wesens, diese vollständige Übertragung meines ganzen Ich in das Reich der Liebe des Sohnes Gottes, der mich würdig und fähig macht, im himmlischen Licht an der Gesellschaft der Heiligen teilzunehmen (Kol 1,12-13), muss vor dem Eintritt in den Himmel vollzogen und in mir vollendet werden. Keiner wird dort eintreten, bevor diese Arbeit vollendet ist. Was nicht in dieser Welt getan wird, wird im Fegfeuer getan. Wenn nur wenigstens die Arbeit angefangen ist, denn die Todsünde bleibt die ewige Beute der Hölle. Man muss durch den Tod zum Leben eingehen. Alles muss sterben, um wieder aufzuleben.

Ja, all diese beinahe unendliche Arbeit der Heiligung, diese Entäußerung, diese Vernichtung, diese Umbildung des Menschlichen, soll als unerlässliche Bedingung des Eintrittes in den Himmel vollzogen werden. „Fleisch und Blut werden das Reich Gottes nicht besitzen, noch die Verweslichkeit die Unverweslichkeit,“ sagt der heilige Paulus. Das Verwesliche muss die Unverweslichkeit anziehen, das Sterbliche die Unsterblichkeit. Bis sie vollständig gereinigt ist, sagt der heilige Johannes vom Kreuz, „kann die Seele weder hier unten Gott so besitzen, dass sie ganz in der Liebe in ihm umgestaltet wäre, noch dort oben in der klaren Anschauung." (Johannes vom Kreuz, Aufstieg zum Berge Karrnel, 1. Buch, 4. Kap.). Wenn in dieser Welt Gott mit der Seele jene volle Vereinigung, die die geistliche Vermählung genannt wird, nur nach der
vollständigen Vernichtung des Menschlichen eingehen kann, wie könnte er ohne diese die ewige Vereinigung in der Glorie vollziehen!

(Dom François de Sales Polien, IL, 20151209)



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