Freitag, 9. Mai 2014

Der Herr will die Unwilligen nicht (3/6)

Und der Herr fügt hinzu:
„ . . . der soll sich selbst verleugnen“, das meint:
durch Aufkündigung des eigenen Wollens,
nicht so sehr des Willens an sich, sondern
des eigenen Einsehen- und Versteh-Wollens,
der eigenen Neigungen und Sehnsüchte,
der eigenen Sinne;

„und er soll sein Kreuz auf sich nehmen«,
durch Abtötung seines Körpers,
durch Mitleiden mit seinem Nächsten und, wenn es unausweichlich notwendig ist,
durch Aufsichnehmen des Martyriums;

„und er soll mir nachfolgen“:
er soll mich als Licht, als Leitstern haben
aller menschlichen Geneigtheit zum Trotz.
Er soll mir folgen als seinem Führer
in allem Tun und gegen teuflischen Irrtum,
er soll auf mich schauen,
mich erwarten als Lohn der Wiedergutmachung
im Gegensatz zu zeitlicher Annehmlichkeit.

(Ludolf v. Sachsen, Vita Jesu Christi, 3, Bd.2, Kap. 2., Joh. Lanczkowski)


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