Sonntag, 18. Mai 2014

Ein solches Leben

. . . sollte am meisten begehrt werden,
weil es am wenigsten begehrlich ist.

Für Sünden der Vergangenheit
erweckt es immer wieder Reue,
es meidet sie in der Gegenwart,
es hütet sich vor künftigen.
Es setzt auf die Barmherzigkeit,
vertraut nicht auf eigene Verdienste.
Es strebt nach den himmlischen Gütern
und weist die irdischen zurück.
Es ist eifrig auf bewährte Verhaltensweisen aus,
behält sie stetig bei und
beachtet sie für immer.

Um des Kreuzes willen hält es das Fasten ein,
um der Bedürfnisse des Fleisches willen
stimmt es der Nahrungsaufnahme zu,
über beides aber urteilt es
mit höchster Unterscheidungskraft.
Denn es hält die Schlemmerei nieder,
wenn das Essen sein Recht verlangt,
und den Stolz,
wenn die Abstinenz sich vordrängen will.

Guigo, Brief an einen Freund, Über das eremitische Leben


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