Samstag, 14. November 2015

Wichtig für die Leitung der Seelen

IL208-Z.20.6

Mein Gott, wie erhaben ist also die Heiligkeit, und wie vollkommen muss man sein, um sie zu erreichen! Wirklich vollkommen, denn man muss den Weg der Vollkommenheit durchlaufen haben, um sich den Regionen der Heiligkeit zu nähern.

Eine allgemeine Bemerkung hiezu: diese Stufen der Frömmigkeit liegen eine über der andern, sie sind wie eine Treppe, auf der die Seele ihren Aufstieg zu Gott vollzieht, so dass es unmöglich ist, eine höhere Stufe zu ersteigen, ohne die unteren Stufen zu betreten.

Es ist klar, dass eine Seele nicht imstande sein könnte, lässliche Sünden zu meiden, bevor sie gegen die Todsünde standhaft ist; noch könnte sie die Unvollkommenheiten vermeiden, solange sie nicht die lässlichen Sünden meidet; noch könnte sie heilig sein, bevor sie vollkommen wäre. Zweifellos beginnt sich die höhere Stufe schon zu bilden, während die vorhergehende Stufe ihre Vervollkommnung noch abschließt, zweifellos übt man in den unteren Stufen Akte einer höheren Stufe. Ein Sünder zum Beispiel wird manchmal aus seinem unglücklichen Zustand durch einen Akt, der der höchsten Stufe der Heiligkeit würdig ist, heraustreten. Jedoch kann man im allgemeinen nur einen dieser Zustände anstreben und ihn erreichen, indem man den Stufen folgt, die dort hinauf führen.

Das ist wichtig für die Leitung der Seelen. Jede Stufe hat ihre Pflichten und ihre eigenen Erleuchtungen. Bei einer Seele Erleuchtungen annehmen, die sie nicht hat, ihr Pflichten auflegen, die über ihre Stufen hinausgehen, heißt, sie schweren Irrtümern aussetzen. Das Gelübde zum Vollkommeneren zum Beispiel könnte nur einer Seele erlaubt werden, in der der Stand der Vollkommenheit feste Gestalt gewonnen hat.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20151114)

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