Mittwoch, 4. Juni 2014

Zeugnis einer Kartäuserin-Aspirantin (3/5)

Eine junge Frau beantwortete einige Fragen zu ihrer Berufung als Kartäuserin. Der Text wurde zusammengefasst und anonymisiert.

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Wie wurden Sie aufgenommen und wie war das Leben bei den Kartäuserinnen?

Ich wurde in Europa von einigen freiwilligen Helfern der Kartäuserinnen am Flughafen begrüßt und zum Kloster gebracht. Zuerst fühlte ich mich ein wenig verloren. Die Priorin und die Schwestern begrüßten mich aber mit Freude und Liebe. Obwohl ich noch nicht ihre Sprache konnte, haben sie mich sofort beruhigt. Ich durfte zunächst für eine Frist von drei Monaten bleiben und mit den Kartäuserinnen mitleben. Es gab zwölf Schwestern; ich war nun die jüngste mit 21 Jahren, während der älteste im 94. Lebensjahr stand.

Das Leben als Aspirantin war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war nicht so streng, nicht so still und einsam, wie erwartet. In meinen Gedanken dachte ich, die Stille und das Schweigen seien umfassend und absolut. Ja, es gab große Zeiten der Stille, aber auch Momente, wo miteinander gesprochen wurde. - Ich lebte in einem Zellenhäusschen wie alle anderen Nonnen, und ich tat fast alles, was sie auch taten.

Für alle gab es eine Menge Arbeit, auch außerhalb der Zelle. Jede Nonne wird langsam, Schritt für Schritt, an das neue Leben in der Kartause gewöhnt. Man nimmt nicht schon von Anfang an an allen Konferenzen des Noviziats teil, auch nicht in jeder Nacht an der Matutin. Es gibt Abstufungen bei den Kartäusern um nach und nach in die monastischen Praktiken hineinzuwachsen.

Zwar gibt es gemeinsame Konferenzen im Noviziat, aber die Ausbildung findet nicht in der Gruppe statt, hautsächlich ist sie ganz individuell und wird jeder einzelnen Schwester angediehen. Die Novizenmeisterin besucht regelmäßig die Novizinnen, Postulantinnen und Aspirantinnen in ihrer Zelle, so dass diese Begegnungen der persönlichen geistlichen Schulung dienen. Diese Treffen finden nach der feierlichen Profess nicht mehr statt, aber ich denke, dass die Ausbildung im klösterlichen Leben niemals endet, wie ja auch das christliche Leben eine tagtägliche Schulung ist, die erst mit dem Tod endet. - Wir müssen in jedem Fall zulassen, dass der Herr es ist, der uns führen und formen will.


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