Mittwoch, 10. Juni 2015

Die sinnliche Kräfte sind Dienerinnen im Solde des Verstandes und des Willens

IL113-Z.10.5a

Die Gefühle und die Gefühlsneigungen, ebenso wie die Phantasie sind an sich gut, denn dieser niedere Teil der Seele, der an die Sinne grenzt, ist auch eine der schönen Gaben Gottes für unsere Natur. Die Phantasie und die Gefühlsempfänglichkeit sind im Leben sehr nützlich, sie spielen darin eine ziemlich wichtige Rolle. Sie haben also in der Frömmigkeit einen Platz einzunehmen. Ihre Hilfe ist keineswegs zu verachten, denn die Gnade verwendet und benützt alle natürlichen Kräfte. Ihre natürliche Rolle in der Frömmigkeit ganz unterdrücken zu wollen, hieße die Natur verwunden und die Gnade hindern. 

Es gibt nichts Besseres, als dass ihnen ihr Platz in der Frömmigkeit gewahrt bleibt; dass sie sich darin in ganz edler und berechtigter Weise entfalten; dass zarte Seelen, in denen das Gefühl vorherrscht, zu Gott auf diesem Wege gehen. Darin liegt nichts Böses. Aber unter der Bedingung, das Gefühl und die Phantasie keine traurige Rolle spielen zu lassen. Wenn sie die Hauptsache oder das Ganze der Frömmigkeit werden wollen, so verwundet das die Natur auch, und hemmt die Gnade, denn die sinnlichen Kräfte sind nur Dienerinnen im Solde des Verstandes und des Willens.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150610)


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