Samstag, 12. Januar 2013

Goldener Brief 277

Wissen und Weisheit

277. Wenn nun der Mensch von Gott, dem Herrn, dem Heiligen Israels, unserem König (Ps 88,19) erhoben wird, betrachtet der weise und fromme Geist durch die erleuchtende und helfende Gnade in der Schau des höchsten Gutes auch die Gesetze der unveränderlichen Wahrheit, soweit er es verdient, sie mit dem Verstehen der Liebe zu berühren, und schafft sich aus diesen Gesetzen eine Art himmlischen Wandels (Phil 1,12), ein Ideal der Heiligkeit. Er betrachtet nämlich die höchste Wahrheit und die Dinge, die ihre Wahrheit von ihr ableiten; das höchste Gut und die Dinge, die durch es gut sind, die Tiefe der Ewigkeit und was aus ihr hervorgeht. Jener Wahrheit, liebe und Ewigkeit macht er sich gleich, während er sein Leben hier auf Erden führt. Er erhebt sich nicht über sie durch sein Urteil, sondern schaut in Sehnsucht zu ihnen auf, oder ist ihnen in liebe verbunden. Während er die geschaffene Welt annimmt, passt er sich ihnen an, nach ihnen formt er sein Leben, aber nicht ohne das Urteil der Unterscheidung, nicht ohne überlegende Prüfung und vernünftiges Urteil.

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