Dienstag, 4. Juni 2013

Das ganze Leben

Was es heißt, sein ganzes Leben in einer Klosterzelle zuzubringen, weiß vor allem der Kartäusermönch. […]

Der Kartäuser bewohnt [in der Kartause La Valsainte]ein zweistöckiges Häuschen, bestehend aus Gang, Vorraum und Zelle. Der Flur bietet ihm bei schlechtem Wetter Gelegenheit, sich eine kleine Bewegung zu verschaffen.

Unter der Zelle befindet sich ein Holzbehälter mit einer notdürftig eingerichteten Werkstätte. In ihr muß der Mönch jeden Tag eine Stunde der körperlichen Arbeit obliegen. Doch verfertigt er keine kunstgewerblichen Gegenstände, um nicht durch ein handwerkliches Interesse von seiner religiösen Aufgabe abgelenkt zu werden. Meistens begnügt er sich mit der Herstellung von Hobelspänen für den Winter.

Vor dem Häuschen grünt ein Gärtchen, umgeben von einer hohen Mauer, die jeglichen Blick zum Nachbarmönch verunmöglicht.

Möblierung der Zelle ist denkbar einfach: ein Bett mit hartem Strohsack, Wolltücher und Wolldecke, ein Kasten und ein Bettgehäuse. Auch ein Tisch mit Büchergestell ist vorhanden, und  in der Mitte des Zimmers steht ein kleiner Eisenofen mittelalterlicher Konstruktion.

Walter Nigg (Bruno und die Kartäuser in Geheimnis der Mönche, Zürich 1953)





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