Mittwoch, 5. Juni 2013

Mönchszelle – Wüste – Totenstille

Durch eine Schalteröffnung neben der Türe reicht ein Laienbruder dem Mönch wortlos das Essen hinein, das heutzutage für alle in der Klosterküche zubereitet wird und das mit Ausnahme des Sonntags und der Festtage jeder allein  in seiner Klause zu sich nimmt.

In diesem Häuschen verbringt der Kartäuser sein Leben, er ist vor allem Einsiedler und hat das Gemeinschaftsleben der Anachorese untergeordnet. Tag und Nacht ist er allein in seiner Zelle und spricht mit seinen Brüdern nur auf dem wöchentlichen dreieinhalbstündigen Spaziergang.

Gegenseitige Besuche in den Häuschen sind verboten, können aber beim Prior erfragt werden. Nur der Prior visitiert von Zeit zu Zeit die Zelle und schaut nach,  ob sie in Ordnung  ist.

Die Kartause ist eine potenzierte Mönchszelle, in ihr haben die Söhne Brunos in mitten Europas die Totenstille jener Wüste gefunden, welche die ersten Einsiedlermönche fern vom Getöse der Welt aufgesucht haben. Der Kartäusermönch empfindet die Einsamkeit nicht als eine Last, da er der Ansicht huldigt, der Mensch sei nie weniger allein als wenn er mit Gott allein  ist.

Walter Nigg (Bruno und die Kartäuser in Geheimnis der Mönche, Zürich 1953)



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