Montag, 10. Juni 2013

Wachsein der Seele

Den Zugang zu dieser bedürfnislosen, jeglichem Brauchtum spottenden Lebensweise verschafft das Pascal-Wort: „Alles Unglück kommt daher, daß der Mensch nicht  in seinem Zimmer bleiben kann.“ Diese Äußerung des in seinen jungen Jahren weltgewandten Pascal erscheint zunächst als eine Narretei; meditiert man aber über sie, dann dämmert dem Menschen eine kleine Ahnung auf, um was es in der Kartäuser-Wirklichkeit geht.
 
Je länger der Mönch in seiner Zelle lebt, umso inniger liebt er sie.

Der Friede, den er in seinem Häuschen gefunden hat, läßt ihn das Alleinsein als einen Schutz seines inneren Lebens empfinden. Der Mensch hat ein heiliges Recht auf Einsamkeit, die nur im kollektiven Kolchosenbetrieb als Krankheit bewertet wird und  in Wirklichkeit das höchste Wachsein der Seele bedeutet.

Walter Nigg (Bruno und die Kartäuser in Geheimnis der Mönche, Zürich 1953)




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