Donnerstag, 27. Juni 2013

Was wäre wenn

>>> Nigg durfte in dem Kloster übernachten. Allein in der Zelle, spürte er das Mysterium des Ortes in großer Verdichtung. Es wurde ihm unheimlich, ein Entsetzen packte ihn und der Gedanke an Flucht schoß ihm für einen Moment durch seinen Kopf, Verglichen mit den Einsiedlermönchen, die sich so radikal von allem Weltlichen abwenden, fühlte sich Nigg mit seiner Liebe zur Kunst und zur Dichtung, all seinen Verpflichtungen als Pfarrer, Ehemann und Vater als sündiges Erdenkind.

Wie wäre sein Lebensweg verlaufen, wenn er nach dem Tod der Mutter bei den Verwandten geblieben wäre und sich ihren Versuchen der Rekatholisierung nicht durch Flucht entzogen hätte? Wäre er katholisch geworden und säße an der Schwelle zu seinem 50. Geburtstag, ganz dem inneren Erleben und dem Gebet hingegeben, in einer Zelle? Ein tiefer innerer Frieden würde auf seinem Gesicht liegen. Gewiss ist es keine Koketterie, wenn er in dem Bericht über die Tage in La Valsainte bemerkt:

»Die Kartäuser gestatten nur zwei Gruppen von Menschen den Zutritt, den Freunden des Hauses und den notorischen Sündern, wobei sich der Schreiber dieser Zeilen bei seinem Besuch durchaus zu den letzteren gezählt hat.« <<<

(Hervorhebungen von mir)

(vgl. Uwe Wolff, "Das Geheimnis ist mein", Walter Nigg - eine Biographie, TVZ Theologischer Verlag Zürich)

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