Montag, 7. September 2015

Habe ich alles getan?

IL165-Z.16.3

Anderseits haben diese von mir ausgewählten Opfer häufig das Unrechte an sich, über meine Kräfte hinauszugehen und den gegenwärtigen Bedürfnissen meiner Seele nicht zu entsprechen. Denn solange ich meine Absichten nicht richtig geordnet habe, bin ich nicht zur entsprechenden Höhe jener Opfer gelangt, habe ich nicht die hinreichenden Kräfte, um sie zu tragen. Überdies wird mir dazu nicht die Gnade verliehen, die ihre Tätigkeit nur im Verhältnis zum Wachstum meiner Seele entfaltet. Und was geschieht dann?

Diese Anfälle von Großmut bewirken nichts, meine Seele hat nicht die Kraft, sie zu ertragen, und so werde ich entmutigt. Ich falle tiefer als zuvor, und das herzzerreißende Resultat dieses traurigen Versuches besteht darin, dass ich glaube, die Vollkommenheit sei unmöglich. Es scheint mir, ich habe alles getan, ich bin vor keinem Opfer zurückgeschreckt, und das Ende ist bloß: es geht abwärts!

Es konnte nicht anders sein, denn ich habe alles getan, ausgenommen das, was ich hätte tun sollen. Was hilft es, gewaltig auszuschreiten, wenn man nicht auf dem rechten Wege ist? Je schneller man auf falschem Wege marschiert, desto weiter verirrt man sich. Warum die Vollkommenheit dort suchen, wo sie nicht ist, und nicht da, wo sie ist? Warum sie in der Ferne suchen, wenn sie nahe ist? Wie viel einfacher ist es doch, meine Befriedigung in die rechte Ordnung zu bringen, anstatt sie zu opfern!
Und darin besteht die Vollkommenheit.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150826)


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