Samstag, 19. September 2015

Ich soll wachsen

IL177-Z.17.3b

Noch einmal, das Übel besteht nicht darin, dass sich meine Befriedigung mit der Verherrlichung Gottes verbinden will. Sie kann das sehr wohl, sie muss sich sogar mit ihr vereinigen. Ich kann es mir selbst nicht oft genug wiederholen: Gott hat um seiner Ehre willen gewollt, dass ich wachse, dass ich um seinetwillen meinen Geist, mein Herz und meine Sinne entwickle.
Und damit ich wachse, soll ich nach seinem Willen die zu meiner Verfügung gestellten Werkzeuge anwenden.
Und damit ich mit Nutzen meine Werkzeuge handhabe, soll ich nach seinem Willen die Freude, die er in die Geschöpfe gelegt, in Anspruch nehmen.
Es herrscht also keine Unverträglichkeit zwischen meiner Befriedigung und seiner Ehre; die eine schließt die andere nicht aus, die eine ruft nach der andern.

Aber es darf die Befriedigung nicht vorherrschend sein, und sie darf nicht rein menschlich bleiben. Und das ist beinahe immer bei mir der Fall. In Wahrheit glaube ich nicht, dass es in dem, was den gewöhnlichen Lauf meines Lebens bildet, einen Gedanken, eine Neigung, eine Handlung gibt, wo die Ehre Gottes ganz vollkommen ihren Platz hätte. Ausgenommen vielleicht in den seltenen Gelegenheiten, wo ich ein Leiden vollkommen willig angenommen habe.

(Dom François de Sales Polien, IL, 20150909)


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