Freitag, 4. November 2011

Kardinal Meisner über die Kartäuser, 3

3. Der Lebensstil der Kartäuser ist geprägt vom Schweigen, das im Grunde genommen anbetende Liturgie ist. Dieses horchende Schweigen macht sie aufnahmefähig für die Ratschlüsse Gottes und die Einsprechungen des Heiligen Geistes. Dieses „Silentium religiosum“, dieses „religiöse Schweigen“ macht das Leben eines Kartäusers zu einem beständigen Gebet. Der Kartäuser Augustin Göllerath schreibt: „In den Tiefen unserer Seele gibt es weite Räume, wo man nicht mehr denkt und diskutiert, sondern schaut, kostet und liebt. Lasst uns beharrlich in diesen Tiefen leben. Dort ist das Reich des Friedens, denn hier wohnt der Gott des Friedens (1 Kor 14,33). Hier vollzieht sich ungestört unsere Vereinigung mit Gott“.

Ein Kriterium für die Aufnahme bei den Kartäusern ist von entscheidender Bedeutung: ob der Kandidat wirklich Gott um Gottes Willen sucht, ob er aus einer wirklichen Sehnsucht nach Gott heraus gekommen ist oder ob er in der Einsamkeit vielleicht nur seinen eigenen Interessen nachgehen will. Natürlich wird ein Kartäuser durch seinen Lebensstil nicht zu einem Engel. Er bleibt ein Mensch. Und darum sind die Strenge und die Abtötung im Orden nicht übertrieben. Sie genügen, um den Mönch in Zucht zu nehmen, ohne den Körper zu schwächen. Dieser Mäßigung ist es sicherlich mit zuzuschreiben, dass der Orden bis auf den heutigen Tag sein ursprüngliches Profil bewahren konnte.

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