Sonntag, 29. Januar 2012

Goldener Brief 28-30

(Wahre Einsamkeit)

28. Nicht nur die äußere Form der Frömmigkeit, sondern ihre Wahrheit in allem und vor allem verspricht eure Kleidung und verlangt eure Profess. Denn ebenso spricht der Apostel: "Es gibt welche, die den Schein der Frömmigkeit wahren, aber ihre Kraft verleugnen" (2 Tim 3,5). 

29. Wer immer von euch diese Frömmigkeit nicht in seinem Herzen besitzt, nicht in seinem Leben kundtut, nicht in seiner Zelle übt, sollte nicht Einsiedler genannt werden, sondern Einsamer. Die Zelle ist für ihn nicht Zelle, sondern Gefängnis und Kerker. Wirklich einsam ist der, mit dem Gott nicht ist. I n Wahrheit ist jener ein Gefangener, der nicht in Gott frei ist. Denn Einsamkeit und Gefängnis sind Namen des Elends. Die Zelle aber darf in keiner Weise ein erzwungenes Gefängnis sein, sondern sie muss eine Wohnung des Friedens sein. Das verschlossene Tor soll nicht ein Versteck sein, sondern Abgeschiedenheit. 

30. Der nämlich, mit dem Gott ist, ist niemals weniger allein, als wenn er allein ist. Denn dann genießt er in Freiheit seine Freude. Dann gehört er sich selbst, um Gott in sich zu genießen und sich in Gott. I m Lichte der Wahrheit und in der  Heiterkeit eines reinen Herzens wird die Reinheit seines Gewissens von selbst offenbar, und frei entfaltet sich in ihm das Gedächtnis, das von Gott berührt ist. Und es wird entweder der Verstand erleuchtet und die Liebe genießt das Gut, das sie besitzt, oder der Mensch beweint, ohne gezwungen zu werden, sich selbst und das Versagen der menschlichen Schwachheit. 

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