Donnerstag, 2. Februar 2012

Goldener Brief 36-37

(Zelle und Tempel)

36. Denn sowohl im Tempel als auch in der Zelle werden die göttlichen Geheimnisse gefeiert; öfter aber in der Zelle. Im Tempel werden sichtbar und zeichenhaft von Zeit zu Zeit die Sakramente des christlichen Glaubens gespendet. In den Zellen aber wird wie im Himmel in derselben Wahrheit und Ordnung, zwar noch nicht in der Majestät der Reinheit selbst und noch nicht in der Sicherheit der Ewigkeit die Wirklichkeit aller Sakramente  unseres Glaubens ohne Unterbrechung gefeiert.

37. Daher stößt die Zelle, wie gesagt, einen Fremden, der nicht Sohn ist, schnell von sich, wie eine Fehlgeburt, speit ihn aus wie eine unnütze und schädliche Speise. Nicht lange kann sie einen solchen in ihrem Innern dulden, da sie eine Schule der Frömmigkeit ist. Es kommt der Fuß des Stolzes und trägt ihn weg; die Hand des Sünders und führt ihn mit (Ps 35,12). Ausgestoßen, vermag er nicht zu stehen, sondern flieht elend, nackt und zitternd, wie Kain vor dem Angesicht des Herrn (Gen 4, 16), ausgesetzt den Lastern und Dämonen, sodass der seiner Seele den Todesschlag versetzt, der ihm zuerst begegnet (Gen 4,14). Wenn er aber eine Zeit lang in der Zelle verharrt, nicht in der Beständigkeit der Tugend, sondern in hartnäckigem Elend, dann ist ihm die Zelle gleichsam ein Kerker oder wie ein Grab für einen Lebenden.

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