Sonntag, 12. Februar 2012

Goldener Brief 48-49

Torheit …

48. Abgewendet von Gott, wird die Seele töricht, weil sie allzu sehr auf sich selber bezogen ist, und sie wird so stumpfsinnig, dass sie entweder nicht geleitet werden will oder kann. Wenn sie aber durch den Stolz von sich allzusehr nach außen gerissen wird, wird sie klug im Sinne des Fleisches (Röm 8,6), und sie scheint sich selber weise zu sein, obwohl sie töricht ist, wie der Apostel sagt: "Sie erklären, daß sie weise sind, sind aber töricht geworden" (Röm 1,22). 

... oder Einfalt 

49. Zu Gott aber hingewendet, wird sie heilige Einfalt. Das ist der immer gleiche Wille, auf das gleiche Ziel gerichtet. So war Ijob, ein einfacher und aufrechter Mann, der Gott fürchtete (Ijob 1,1). Die Einfalt ist im eigentlichen Sinne ein Wille, der vollkommen auf Gott hingelenkt ist, der nur eines vom Herrn erbittet, nur dieses sucht (Ps 26,4) und nicht darauf aus ist, sich in der Welt zu zerstreuen. Die Einfalt ist auch wahre Demut im Lebenswandel, die natürlich mehr das Bewusstsein der Tugend als deren Ruf liebt. Denn der einfältige Mann meidet es nicht, in dieser Welt töricht zu erscheinen, um weise zu sein in Gott (1 Kor 3,18). Nochmals: Einfalt ist die ausschließliche Hinwendung des Willens zu Gott. Der Wille ist aber noch nicht von der Vernunft geformt, um verlangende Liebe (amor) zu werden, das heißt geformter Wille. Er ist auch noch nicht erleuchtet, um selbstlose Liebe (caritas) zu werden, das heißt die Seligkeit der Liebe.

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